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DFB-Pokalfinale Abschied vom alten Werder

30.05.2009 ·  Nach fünf großen Jahren mit Teilnahme an der Champions League ist Werder diese Saison in der Bundesliga total danebengegangen. Auch was das Image betrifft, war das Jahr verheerend. Und nun bestreitet Diego sein letztes Spiel für Werder. Er ist nicht zu ersetzen.

Von Frank Heike
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Beim letzten Finale vor zehn Tagen war Peter Niemeyer der beste Bremer Mittelfeldspieler. Das ist keine gute Nachricht. Niemeyer ist 25 Jahre alt und hat die längste Zeit seines Lebens bei Twente Enschede gespielt; er ist einer derjenigen Schaaf-und-Allofs-Einkäufe, die man nie so richtig verstanden hat: wie die von Vranjes, Prödl, Tosic, Tsiolis. Niemeyer hat die Bälle am Abend von Istanbul über fünf, sechs Meter unfallfrei zum Mitspieler gebracht (siehe: Uefa-Pokal-Finale: „Das war nicht das wahre Gesicht von Werder“).

Das hat gereicht, um eher positiv auf- als abzufallen. Es ist eine gute Nachricht für Werder Bremen, dass der brave Niemeyer am Samstag gegen Bayer Leverkusen (20.00 Uhr / Live in der ARD und im FAZ.NET-DFB-Pokal-Liveticker) zunächst auf der Bank Platz nehmen wird. Für das DFB-Pokalfinale ist Diego wieder frei und nicht gesperrt wie zuletzt im Uefa-Pokal gegen Donezk. Aber weil es der letzte Feiertag mit dem Virtuosen Diego sein wird, muss man befürchten, dass Werder Bremen in Zukunft eher ein Niemeyer-Werder sein wird als ein Diego-Werder.

Als Konstante blieb nur Diego

Jahrelang war die Zentrale das Bremer Prunkstück. In der klassischen Raute gab es den Mann fürs Geniale. Das war drei Jahre lang der kleine Brasilianer. Es gab den exzellenten Stellvertreter, der über außen kam, das war mal Hunt, auch mal Özil oder Borowski oder Jensen, der leider lange verletzt war. Und es gab den „bissigen Hund“ vor der Abwehr wie Frings oder Baumann. Sie liefen Löcher zu und apportierten die Bälle. Von Trainer Thomas Schaaf fein austariert, war die Bremer Raute das schönste Mittelfeld der Liga.

Davon ist wenig geblieben. Baumann ist zu langsam geworden, auch deshalb hört er auf. Frings rennt und kämpft gegen das Alter an. Borowski ging aus unerfindlichen Gründen nach München. Hunt ist oft verletzt, Özil zeigt manchmal sein Talent. Es blieb als Konstante nur Diego – und der wird gehen. Am Samstag gegen Leverkusen wird man das alte aufregende Werder Bremen, so wie man es jahrelang kannte, zum letzten Mal sehen.

„Das Gesicht Werder Bremens wird sich verändern“

Es stehen umfangreiche Umräumarbeiten an. Sportdirektor Klaus Allofs sagt: „Diego war unser zentraler Spieler. Er geht, und wir müssen die ganze Mannschaft anders aufstellen, in allen Mannschaftsteilen. Das Gesicht Werder Bremens wird sich verändern.“ Allofs meint, dass kein Einzelner Diegos Nachfolger werden könne. Den schmächtigen Özil möchte man damit schon gar nicht belasten. Aber ob das Werder-Mittelfeld 2009/10 mit Özil, dem Noch-Gladbacher Marco Marin, Frings und Jensen an alte Glanztage wird anknüpfen können?

Mehr denn je wird Allofs wieder seine zuletzt bei Sanogo und Carlos Alberto verschütteten Qualitäten als bester Einkäufer der Liga vorführen müssen. 27 Millionen Euro aus dem Diego-Verkauf liegen dafür bereit, wobei unklar bleibt, ob alles ausgegeben werden kann. „Wir wollen einen ausgeglichenen Haushalt haben, das zählt“, sagt Allofs. Ein Teil der Summe soll genutzt werden, um den neben Diego, Mertesacker und Wiese einzigen überzeugenden Bremer dieser Spielzeit vom FC Chelsea zu kaufen, Claudio Pizarro.

Kaderauffüller wie Rosenberg, Vranjes, Pasanen und Niemeyer

In seinem dann elften Jahr als Bremer Chef wird Thomas Schaaf das Vergnügen haben, das Werder nach Diego aufzubauen. Und es wird die Frage sein, ob das mit Spielern wie Fritz, Boenisch, Rosenberg, Hugo Almeida und Pasanen geht. Schaaf stand immer dafür, junge Profis weiterzuentwickeln. Doch genau dort hakte es zuletzt. Boenisch ist sehr schnell. Sein Verhalten als Abwehrspieler erinnert aber an den frühen Marcell Jansen, und seine Fehlpassquote ist enorm. Bei Fritz sieht man allenfalls Stagnation.

Dasselbe gilt für Almeida, von Allofs einst als Mann mit „riesigem Potential“ geadelt. Doch der Portugiese ist nun schon drei Jahre bei Werder, ohne den nächsten Schritt gemacht zu haben. Die Bremer Kaderauffüller wie Rosenberg, Pasanen, Vranjes oder eben Niemeyer sind loyale Profis, die keinen Mucks sagen, aber doch eher nach Bochum oder Frankfurt passen als zu einem deutschen Spitzenklub. Es gibt zu viele ähnliche Spieltypen beim SV Werder, und aufregende sind wenige dabei.

Für Werders Image war das Jahr verheerend

Nach fünf großen Jahren mit Teilnahme an der Champions League ist Werder diese Saison in der Bundesliga total danebengegangen. Das kann passieren und wird von zwei Finalteilnahmen nach zuvor großen Spielen (Mailand, Wolfsburg, siehe:5:2 in Wolfsburg: Werder ballert sich unter die letzten Vier ) überdeckt. Was das Image der Bremer betrifft, war das Jahr trotzdem verheerend: Vorstand Born zurückgetreten (siehe: Geben und nehmen in der Grauzone), die Steueraffäre um Pizarro (siehe: Werder Bremen: Stürmischer Pizarro, schludriger Pizarro), Klasnic klagt gegen die Vereinsärzte, Wiese und seine böse Häme gegen den HSV (siehe: 3:1 im Elfmeterschießen: Wiese weist Werder den Weg nach Berlin und 0:2 in Bremen - Hamburg verliert auch das finale Nordduell), Sorglosniederlagen in der Liga, als es um nichts mehr ging.

An diesem Samstag wird man noch einmal an das alte aufregende Werder Bremen denken, wie die Bundesliga es kannte. Sechs Millionen Euro zahlte Allofs dem FC Porto 2006, um den besten Mittelfeldspieler zu bekommen, den man sich nur denken konnte. Diego traf mit dem Rücken zum Tor, aus 62,6 Metern, mit der Hacke. Er wurde getreten, ohne zurückzutreten, er war kaum mal verletzt und sorgte durch seine Affäre mit Sarah Connor für Aufregung bei der Knallpresse. Bei manchen seiner Aktionen sah man schon bei der Ballannahme, dass gleich etwas Großes geschehen würde. Diego sei wie David Copperfield im dritten Programm, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“. Diego sagt vor seinem letzten großen Spiel für Werder: „Werder hat eine gute Qualität und wird auch in der kommenden Saison wettbewerbsfähig sein. Ich bin nicht unersetzbar.“ Doch, ist er.

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