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DFB-Pokal : Werders Krise spitzt sich zu

  • -Aktualisiert am

Ohne Worte: Werder-Trainer Thomas Schaaf in Heidenheim Bild:

Werder Bremen hatte schon genug Probleme. Nun ist ein weiteres dazugekommen. Das Aus in Runde eins des DFB-Pokals in Heidenheim verschärft die Krise an der Weser.

          Ungewöhnlich häufig war nach der Blamage von Heidenheim die Rede von den wirtschaftlichen Folgen dieser 1:2-Niederlage. „Wir haben versagt und dem Verein einen großen Schaden zugefügt“, sagte Klaus Allofs, der Vorsitzende der Geschäftsführung, schon am Samstag, wenige Minuten nach dem Ausscheiden Werder Bremens in der ersten Runde des DFB-Pokals beim 1. FC Heidenheim.

          Am Sonntag legte Allofs nach. „Diese Niederlage können wir uns sportlich und vor allem wirtschaftlich gar nicht leisten.“ Allofs hatte ja lange mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Willi Lemke gerungen, um endlich das Geld für die griechische Soforthilfe Sokratis Papastathopoulos zu bekommen. Letztlich hatte Lemke bekanntlich grünes Licht gegeben und irgendwie die 500.000 Euro Ausleihgebühr aus dem strapazierten Bremer Etat abgezwackt, um die Sorgen auf der Innenverteidigerposition zu lindern. Hier fehlen weiterhin Naldo, Mertesacker und Prödl.

          Der Eindruck vom Samstag aber war, dass Werder dringend mehr Geld braucht, um auch andere Mannschaftsteile zu verstärken - das Mittelfeld etwa. Tim Borowski und Aaron Hunt fehlte es an der nötigen Einstellung, sich gegen einen hochmotivierten Drittliga-Vertreter zu wehren. Marko Marin hatte Trainer Thomas Schaaf in Abwesenheit des nicht gänzlich austrainierten eigentlichen Spielmachers Mehmet Ekici als Regisseur aufgeboten. Eine Rolle, die Marin einfach nicht ausfüllen kann. Fehlenden Einsatz konnte man Marin indes nicht vorwerfen. Zwar verschoss der kleine Dribbler in der 51. Minute einen Handelfmeter und vergab so das mögliche 2:0 nach Rosenbergs Führung in der 33. Minute, doch war Marin noch einer der wenigen, der mal etwas versuchte.

          Oh weh, Werder: Die Bremer nach der Pokalpleite
          Oh weh, Werder: Die Bremer nach der Pokalpleite : Bild: dpa

          Schaafs Nibelungentreue

          Schaaf ist ein Trainer, der lange, manchmal zu lange an Bewährtem festhält. Mit Nibelungentreue setzt er auf Profis wie Borowski und Hunt, die ihren Wert für Werder vor Jahren nachgewiesen haben. Beide waren aber schon in der abgelaufenen Serie Bremer Schwachpunkte und Zielscheibe von Fan-Anfeindungen. Das Bremer Mittelfeld müsste dringend renoviert werden; es fehlt vor allem ein bissiger „Sechser“, der Schnelligkeit mit Spielintelligenz verbindet. Bargfrede ist allein auf dieser Position schon gegen einen Drittliga-Klub überfordert. Auch deswegen würden Schaaf und Allofs gern den Junioren-Nationalspieler Aleksandar Ignjowski holen. Der 20 Jahre alte Serbe spielt am liebsten zentral defensiv. Bislang ist der Transfer am Geld gescheitert; Werders Spielraum ist ausgeschöpft. Vor diesem Hintergrund war die Niederlage in Heidenheim ein erheblicher Rückschlag. Die Einnahmen aus der zweiten Pokalrunde hätte Allofs gern für Ignjowski genommen.

          Dass Werder nun zuschauen muss, wie sich andere auf den Weg nach Berlin machen, lag auch an zwei erfahrenen Spielern, die als Leistungsträger eingeplant sind - Clemens Fritz und Andreas Wolf. Der als sofortige Verstärkung geholte ehemalige Nürnberger Wolf grätschte beim Heidenheimer Siegtreffer durch Schnatterer in der 59. Minute so dilettantisch daneben, dass die Bremer Fans sich Petri Pasanen zurückwünschten. Vorher hatte sich Verteidiger Fritz einfach überlaufen lassen. Sorglos und ohne den letzten Biss hatte Werder zuvor das 1:1 durch Christian Santer in der 57. Minute hingenommen: Bei seinem Freistoß sprang keiner aus der Bremer Mauer hoch.

          Schlimmer Saisonauftakt

          Einige der Anhänger blockierten später noch den Bremer Bus: Es war ein Saisonauftakt, wie er schlechter nicht hätte sein können. „Der Ärger nach diesem Spiel ist sehr groß“, sagte Klaus Allofs, „wir wissen jetzt ganz konkret, dass wir vor einer schweren Saison stehen.“ Ausdrücklich sprach der Vereins-Chef die erfahrenen Spieler an: „Es stellt sich die Frage, ob die alten Spieler bereit sind, den großen Aufwand zu betreiben, der nötig ist.“

          Das sind Grundsatzfragen, die verraten, wie unsicher selbst das Bremer Führungspersonal ist, wozu diese Mannschaft in der Lage ist. Was in Heidenheim wie auch in vielen Spielen der vergangenen Hinrunde wieder deutlich wurde: Die alte Bremer Stärke, die Abwehrschwächen durch eigene offensive Qualität zu übertünchen und Rückstände so umzubiegen, gibt es in dieser Form nicht mehr. Weder der Sturm hat ohne den derzeit noch verletzten Pizarro dieses Format, noch hat es das Mittelfeld ohne die Klasse eines Diego oder Özil.

          Noch in den Tagen vor dem Spiel hatten die Bremer davon gesprochen, ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Nach schwachen Testspielen sollte Heidenheim Energie für den Bundesliga-Saisonstart am Samstag gegen den 1. FC Kaiserslautern geben. Einen zusätzlichen Schub hatte die Personalie Papastathopoulos gebracht. Der Grieche, den Werder vom FC Genua ausgeliehen hat, war am Samstag noch einer der besseren Bremer.

          Quelle: FAZ.NET mit dpa.

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