09.02.2010 · Werder Bremen ist als erste Mannschaft ins Halbfinale des DFB-Pokals eingezogen. Naldo und Hugo Almeida trafen beim 2:1-Heimsieg gegen 1899 Hoffenheim für den sechsmaligen Pokalsieger.
Von Frank Heike, BremenDer richtige Wechsel zur richtigen Zeit hat Titelverteidiger Werder Bremen den Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals beschert. Wenige Minuten nachdem er ins Spiel gekommen war, schoss Hugo Almeida die Norddeutschen mit einem feinen Linksschuss in die Runde der letzten Vier. Der Treffer zum 2:1 in der 76. Minute entschied diese mäßige Partie des Viertelfinals, in der die ersatzgeschwächte TSG 1899 Hoffenheim nach Naldos Führung (27.) durch Prince Tagoe zum Ausgleich gekommen war (73.). Werder ist durch den Heimsieg am Dienstagabend vor 26000 Zuschauern von der abermaligen Teilnahme an der Europa League nicht mehr allzu weit entfernt - sollten in einem Finale in Berlin die Bayern oder Schalke als Champions-League-Teilnehmer der Gegner sein, würde Bremen auch als Verlierer des Finals 2010/2011 in einem europäischen Wettbewerb dabei sein.
Der äußere Rahmen erinnerte eher an Wintersport. Es schneite unentwegt in Bremen bei Temperaturen von minus fünf Grad. Die Spieler schien das kaum zu stören - vor allem die Bremer nicht. Sie begannen mit flottem Spiel und drängten die Hoffenheimer in die eigene Hälfte. Den Gästen war anzumerken, dass in Compper, Beck und Simunic fast die ganze Abwehr fehlte, und Werder konnte die TSG einige Mal ordentlich durcheinander- wirbeln. Hunt, Özil und Marin waren im Unterschied zu den letzten Bundesligaspielen in Spiellaune und hatten in Pizarro ja auch wieder ihren lange verletzten Anspielpartner im Sturm. Schon in der sechsten Minute kam Özil zu einer Chance, sein Schuss wurde aber abgeblockt. Bei einem Konterangriff über Hunt und Özil sah es aussichtsreich aus für Pizarro - wieder kam die TSG in Person von Nilsson dazwischen.
Von Hoffenheim war im Angriff zunächst nichts zu sehen. 20 Minuten dauerte die Bremer Überlegenheit, dann war zu bemerken, dass Werder etwas ratlos schien: viele Aktionen, viel Ballbesitz, aber gegen gut stehende Kraichgauer war wenig herausgesprungen. So passte es ins Bild, dass eine Standardsituation her musste, um die Bremer Führung zu besorgen. Marin war gefoult worden, und den folgenden Freistoß aus 20 Metern wuchtete Naldo ins Tor. Das 1:0 für Werder Bremen in der 27. Minute durch den Brasilianer, wie gewohnt mit kurzärmligem T-Shirt und Handschuhen unterwegs. Erst jetzt entdeckte die TSG Hoffenheim ohne die angeschlagenen Ba und Obasi auch ihre offensiven Qualitäten und bestimmte die Partie angetrieben von Luis Gustavo und Carlos Eduardo. Doch mehr als zwei Halbchancen für Vedad Ibisevic sprangen nicht heraus.
Natürlich wurde Hoffenheim nach der Pause angriffslustiger. Aber nur etwas. Werder hielt die Führung und wollte nicht mehr als das, Hoffenheim schien nicht mehr zu können. Das Spiel schlief ein - bis der Hoffenheimer Trainer Ralf Rangnick in der 72. Minute den Stürmer Prince Tagoe einwechselte. Eine Minute danach kam er zwischen den Bremer Verteidigern Mertesacker und Naldo ganz frei zum Kopfball. Sie hatten ihn wohl noch gar nicht bemerkt. Zusammen mit dem Flankengeber Eichner bejubelte Prince Tagoe den überraschenden Ausgleich. Dass es der Abend der Einwechselspieler wurde, konnte man nicht ahnen, als Werder-Coach Thomas Schaaf dann Hugo Almeida für Özil brachte. Doch kurz nach seiner Einwechslung traf der Bremer Portugiese nach einem Konter über Pizarro mit links und Wucht in den Winkel: 2:1 für Werder nur drei Minuten nach dem Ausgleich. Jetzt war es endlich ein richtiges Pokalspiel. Werder musste in einigen Szenen noch zittern, rettete die Führung aber über die Zeit und steht nun einen Schritt vor der nächsten Finalteilnahme.