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DFB-Pokal : Freiburg hat den besseren Caligiuri

Daniel Caligiuri gewinnt das Bruder-Duell gegen Marco um Längen Bild: dpa

Mainz führt im DFB-Pokal-Viertelfinale schon nach vier Minuten mit 2:0. Doch Freiburg kämpft sich in Überzahl zurück und trifft in der 93. Minute zum Ausgleich. In der Verlängerung ist Daniel der bessere Caligiuri-Bruder.

          Die Geschichte zum DFB-Pokal-Viertelfinale hatte der Mainzer Trainer Thomas Tuchel bereits vor der 2:3-Niederlage seines Teams nach Verlängerung gegen den SC Freiburg in Manier des zu Verschwörungstheorien neigenden Madrider Berufskollegen José Mourinho geliefert.

          Einen Tag, bevor die Mainzer trotz einer frühen 2:0-Führung durch Shawn Parker (2. Minute) und Niki Zimling (4.) nach Gegentreffern durch Ivan Santini (86.) sowie zwei Treffen von Daniel Caligiuri (90+3./109.) vor 23.500 Zuschauern im Mainzer Stadion die zweite Halbfinal-Qualifikation des Klubs nach 2009 verpassten, hatte Tuchel in einem gut vorbereiteten Plädoyer während der obligatorischen Pressekonferenz vor dem Pokalspiel eine angebliche Benachteiligung seines Teams durch die Schiedsrichter in einer Weise angeprangert, die eigentlich nur von Mourinho vor Duellen mit dem FC Barcelona gepflegt wird.

          „Ich glaube, dass meine Mannschaft in dieser Rückrunde krass benachteiligt wird, und ich habe die Vermutung, dass es an mir liegt“, sagte Tuchel. Die Unparteiischen hätten sich auf ihrem turnusgemäßen Treffen vor Beginn der Rückrunde, das passenderweise seit Jahren just in jenem Hotel stattfindet, in dem die Mainzer vor Heimspielen übernachten, förmlich auf ihn eingeschossen. „Ich kenne die Bilder, die dort gezeigt wurden und weiß, dass das Schiedsrichterwesen ein Problem mit mir hat.“

          Auch wenn er Schiedsrichtern konkret keine Absicht unterstelle, sagte Tuchel weiter, so führe er mindestens vier, aus seiner Sicht eindeutige Fehlentscheidungen auf die Stigmatisierung seiner Person zurück. Diese habe ie eine Stimmung erzeugt, in der Handlungen der Schiedsrichter negativ beeinflusst seien. Seinem Team seien dadurch bis zu acht Punkte verloren gegangen. Bei nochmaliger Betrachtung der Szenen sind indes bis auf eine Fehlentscheidung alle weiteren Szenen weniger eindeutig als von Tuchel beurteilt, Begünstigungen der Mainzer im selben Zeitraum übersah der Trainer geflissentlich.

          Das Trainerduell Tuchel (links) gegen Streich geht an den Freiburger Bilderstrecke
          Das Trainerduell Tuchel (links) gegen Streich geht an den Freiburger :

          Es kann bislang nur spekuliert werden, was der 39 Jahre alte „Mainzer Mourinho“ mit seinen verschwörungstheoretisch anmutenden Aussagen bezwecken wollte. Der am Dienstagabend mit der undankbaren Aufgabe der Spielleitung betraute Deniz Aytekin entschied jedenfalls korrekt auf Elfmeter, nachdem der Mainzer Verteidiger Radoslav Zabavnik den eingewechselten Freiburger Stürmer Ivan Santini in der Nachspielzeit im Strafraum gefoult hatte. Den fälligen Elfmeter nutzte Caligiuri souverän zum Ausgleich in nahezu letzter Sekunde.

          Zuvor schon hatte der Schiedsrichter den Mainzer Ärger mit einer Gelb-Roten Karte für Zdenek Pospech (65. Minute) auf sich gezogen. Doch auch diese Entscheidung war nachvollziehbar. Während Tuchel sie zumindest äußerlich ruhig zur Kenntnis nahm, musste sein Assistent Arno Michels die Verlängerung nach Protesten auf Geheiß Aytekins von der Tribüne aus verfolgen. „Die Entscheidungen gehen aber heute in Ordnung“, sagte Manager Christian Heidel. „Heute hat mit Freiburg die bessere Mannschaft gewonnen.“

          Mainz drängt überfallartig in die Offensive

          Wenn Tuchel mit seinen zumindest sehr fragwürdigen Aussagen, über die sich der DFB mit dem Trainer in Kürze zumindest ernsthaft unterhalten will, bei seiner Mannschaft einen Schuss Zusatzmotivation provozieren wollte, dann ist ihm zumindest das gelungen. Fast überfallartig drängte der Tabellenachte die Freiburger vom Anpfiff weg in die Defensive.

          Fast folgerichtig fiel bereits nach kaum 100 Sekunden der Führungstreffer durch Shawn Parker. Der 19 Jahre alte Stürmer vollendete aus zehn Metern nach einem feinen Spielzug über Niki Zimling und den erstmals in der Startelf nominierten Spielmacher Chinedu Ede. Weitere hundert Sekunden später stand es schon 2:0, nachdem Niki Zimling dem Freiburger Schlussmann Oliver Baumann nach Vorlage von Adam Szalai aus 18 Metern mit einem Gewaltschuss keine Chance ließ.

          Tuchel gegen Streich an der Seitenlinie

          Der Mainzer Blitzstart sorgte bei Freiburgs Trainer Christian Streich für blanke Nerven. Zum Ärger über sein eigenes Team war Streich auch die Wut über das verbale Vorspiel seines Mainzer Kollegen anzumerken. Diese entlud sich bei engen Entscheidungen beim Vierten Offiziellen Günter Perl und galt gewiss vornehmlich seinem Trainerkollegen, mit dem ihn aus Zeiten als Jugendtrainer eigentlich ein respektvolles und fast freundschaftliches Verhältnis verbunden haben soll.

          In der Nachspielzeit drang er gar mit wilden Drohgebärden einmal beinahe in die Mainzer Coaching-Zone vor, ehe er sich nach Ausgleich und Siegtreffer seines besten Manns Daniel Caligiuri, der damit auch seinen für Mainz spielenden Bruder Marco aus dem Rennen warf, über die aufgrund einer bemerkenswerten Aufholjagd verdiente erste Freiburger Qualifikation für ein Halbfinale (16./17. April) freuen und ekstatisch übers Feld hüpfen durfte. Die einst so gute Trainerbeziehung dürfte derweil vermutlich erst einmal etwas abgekühlt sein. Einem möglichen Handschlag gingen beide Trainer nach dem Spiel jedenfalls erst einmal aus dem Weg. Dass Streich auf allzu lautstark geäußerte Genugtuung verzichtete, mag indes als ein Angebot zur Versöhnung dienen.

          Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung zu Spielschluss beurteilten wir die Elfmeterentscheidung vor dem 2:2 als strittig. Nach Betrachtung der Fernsehbilder änderten wir dieses Urteil. Schiedsrichter Aytekin lag richtig.

          FSV Mainz 05 - SC Freiburg 2:3 n.V. (2:2,2:0)

          FSV Mainz 05: Heinz Müller - Pospech, Svensson, Noveski, Zabavnik - Baumgartlinger - Nicolai Müller, Zimling (62. Caligiuri) - Ede (72. Ivanschitz) - Szalai, Parker (70. Júnior Díaz)
          SC Freiburg: Baumann - Hedenstad (13. Schmid), Ginter, Krmas, Sorg - Schuster, Makiadi - Flum (62. Guédé), Caligiuri - Rosenthal (84. Santini), Kruse
          Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
          Zuschauer: 23.517
          Tore: 1:0 Parker (2.), 2:0 Zimling (4.), 2:1 Santini (86.), 2:2 Caligiuri (90.+3/Foulelfmeter), 2:3 Caligiuri (108.)
          Gelbe Karten: Baumgartlinger, Heinz Müller / Krmas, Makiadi, Rosenthal
          Gelb-Rote Karten: Pospech (65./wiederholtes Foulspiel) / -

          Quelle: FAZ.NET

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