http://www.faz.net/-gtl-7404d

DFB-Pokal : Berlins Nummer drei

  • Aktualisiert am

Doppelter Torschütze in der ersten Runde: Berlins Metin Cakmak Bild: dpa

In der ersten Runde schmiss der Regionalligaklub Berliner AK sensationell Hoffenheim aus dem Pokal. Der Verein aus dem Arbeiterviertel Wedding sieht sich als Nummer drei in Berlin - und blickt auf turbulente Jahre zurück.

          Das Spiel gegen die TSG Hoffenheim war zweifelsohne der Höhepunkt der mittlerweile 105 Jahre währenden Geschichte des Berliner Athletik Klubs: Doppeltorschütze Metin Cakmak wurde mit dem Hubschrauber kurzfristig ins „Aktuelle Sportstudio“ geflogen, Vereinspräsident Mehmet Ali Han lief hyperventilierend durch den Kabinentrakt des altehrwürdigen Poststadions. Aufgeregt schilderte er am Handy, was sich die neunzig Minuten zuvor Spektakuläres im Stadion-Innenraum abgespielt hatte. Seither ist der Regionalligaklub wieder in den Fokus der Fußballfans geraten - nicht nur in Berlin, sondern in der ganzen Bundesrepublik.

          In der Regionalliga spielt die Mannschaft von Coach Jens Härtel meist vor nicht mehr als 450 Zuschauer, heute Abend gegen den TSV 1860 München (19 Uhr / Live im FAZ.NET-Ticker) hoffen die Verantwortlichen um Präsident Han („Wir vertreten Berlin“) auf deutlich mehr Zuschauer im Freidrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, in den der BAK mangels Flutlichtanlage im Poststadion umziehen muss. Es sei die beste Zeit, seit er hier sei, erzählt der Präsident. Er hat viel erlebt mit dem Verein, der sich gerne als Nummer drei in der Hauptstadt hinter den beiden Zweitligaklubs Hertha BSC und Union sieht.

          Märchenhafter Aufstieg

          Zwischen 1991und 1999 gelang dem Klub der märchenhafte Aufstieg von der Kreisklasse bis in die Oberliga. Sieben Jahre später sollten dann die Weichen für eine mutmaßlich noch erfolgreichere Zukunft gestellt werden: Der BAK kooperierte fortan mit dem türkischen Ertsligaklub Ankaraspor - um junge Talente für die türkische Liga auszubilden. Die Kooperation währte jedoch nur ein Jahr. Zurück blieben eine kaum konkurrenzfähige Mannschaft - und angeblich bis zu 70.000 Euro Schulden. In Wedding suchten sie deshalb einen starken Mann.

          Sie fanden ihn in Mehmet Ali Han, der bereits einmal die Geschicke des Vereins geleitet hatte. Der Bauunternehmer steckte viel Geld in den Klub; aus der Skandalnudel wurde ein solide geführter Verein mit hauptamtlich angestellten Mitarbeitern. Auch auf dem Platz fand die neue Stabilität Ausdruck: Jens Härtel ist seit mittlerweile zwei Jahren Trainer bei einem Verein, bei dem früher Fußballlehrer nicht selten Trainer nach zwei Wochen wieder gehen mussten.

          Berliner Pokalsieger

          Die Oberliga ist mittlerweile Vergangenheit; seit vergangener Saison spielt der BAK in der Regionalliga. Und im Sommer feierte die Mannschaft den Sieg im Berliner Pokal. Die Konsolidierung findet im DFB-Pokal derweil unverhofft ihre Fortsetzung: 300.000 Euro haben die Berliner Vorstadtfußballer nach dem Erstrunden-Coup bereits eingenommen. Das soll es nicht gewesen sein. „Wenn wir wieder so einen Tag erwischen wie gegen Hoffenheim, können wir auch gegen 1860 München gewinnen“, meint Kapitän Hennig Lichte. Es ist ein Vorhaben, das sich beinahe selbst der türkische Ministerpräsident angeschaut hätte.

          Improvisation ist alles: Nach dem Coup gegen Hoffenheim jubelten Mannschaft und Fans gemeinsam Bilderstrecke
          Improvisation ist alles: Nach dem Coup gegen Hoffenheim jubelten Mannschaft und Fans gemeinsam :

          Recep Tayyip Erdogan, der derzeit für politische Gespräche in Deutschland weilt, hatte den Besuch des Spiels des lange Zeit ausschließlich von türkischen Mitbürgern geführten Vereins erwogen. Es habe zur Debatte gestanden, schilderte eine Botschaftssprecherin, jedoch entschied sich Erdogan dann doch für einen Besuch des Nicolas-Berggruen-Instituts. Schließlich gehe es um Europa. Dass es für den Athletik Klub gegen 1860 bereits um Europa ginge, wäre sicher zu weit gegriffen. Doch der Verein, der mit seiner Mannschaft, dem Führungspersonal und den Fans für das Multikulturelle der Hauptstadt steht, will zumindest bundesweit weiter von sich Reden machen. Kaum auszudenken, wie der Adrenalinspiegel des Vereinspräsidenten bei einem weiteren Coup in die Höhe schießen würde.  

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Erdogan: „Jerusalem ist Hauptstadt Palästinas“ Video-Seite öffnen

          Reaktion auf Trump : Erdogan: „Jerusalem ist Hauptstadt Palästinas“

          Auf einem islamischen Gipfel hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zur Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Palästinas aufgerufen. Die islamischen Staaten sind sich in dieser Frage allerdings uneinig. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach Amerika jede Vermittlerrolle im Nahostkonflikt ab.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Städtisches Leben soll auch Sicherheit und Geborgenheit vermitteln: Wohnneubauten in Berlin-Friedrichswerder

          Innovative Stadtplanung : Man möchte wissen, wo man ist

          Wollen wir mehr Überwachung, oder soll der Stadtraum die Tugenden der offenen Gesellschaft widerspiegeln? Ideen für eine Stadt, in der man gut und gerne leben könnte.

          Antisemitismus in Europa : Trump ist nicht schuld am Hass auf die Juden

          Die antijüdischen Vorfälle in Berlin und anderen europäischen Städten haben nichts mit Donald Trumps Entscheidung zu tun, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Die wirklichen Ursachen für den europäischen Antisemitismus liegen viel tiefer. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.