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DFB-Machtkampf Fragezeichen nach dem Friedenskonvent

09.02.2010 ·  Der Streit um die Nationalmannschaft ist offiziell beigelegt. Die Beteiligten gaben Fehler zu und versprachen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit bis zur WM. Oliver Bierhoffs Tage beim DFB sind aber wohl nach dem Turniersommer gezählt.

Von Roland Zorn, Frankfurt
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Rund, wie von Rudi Völler, dem früheren Teamchef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gefordert, war der Tisch nicht, an dem die derzeit prominentesten deutschen Fußball-Streithähne ihren vorläufigen Friedensschluss beschworen. Ob bei dem Konvent zu Frankfurt, zu dem DFB-Präsident Theo Zwanziger, DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff zusammenkamen, mehr als nur ein Burgfriede herauskam, muss sich erst noch weisen.

Nachdem nämlich am Dienstagnachmittag alle vier Herren, die sich jeder auf seine Weise um die Belange der Nationalelf zu kümmern haben, persönliche Fehler rund um die vorerst geplatzte Vertragsverlängerung des DFB-Trainerteams um Löw inklusive Bierhoff eingestanden hatten, gab es kein weiteres Signal, das auf weitere Zusammenarbeit für die Zeit nach der Weltmeisterschafts-Endrunde in Südafrika deutete. „Wenn ein gut gemeintes Projekt mal so in die Hosen geht, muss man vielleicht auch mal Zeit vergehen lassen“, sagte Zwanziger. Das heißt: Löw, seine sportlichen Mitstreiter und Bierhoff gehen mit auslaufenden Verträgen in das Unternehmen WM. „Ich kann damit hervorragend leben“, hob Löw, der am Dienstag mehr als alle anderen Teilnehmer des DFB-Friedensgipfels überzeugte, hervor. „Ob ich mit oder ohne Vertrag in das Turnier gehe, ist für mich kein Problem. Wir haben eine unglaublich hohe Verantwortung. Wir vertreten nicht nur den DFB, sondern auch das Land Deutschland.“

Der Bundestrainer, der sich bei den gescheiterten Vertragsgesprächen von Wortführer Bierhoff vertreten ließ, sorgte sodann für Verwunderung, als er den von ihm bisher beschworenen Schulterschluss mit dem Manager nur bis zum Ende der deutschen Mission in Südafrika datierte. „Über das, was nachher kommt, haben wir uns keine Gedanken gemacht“, sagte der Badener, „danach werden wir sehen, wie es weitergeht.“ Dass daraus ein Abrücken von Bierhoff für den Tag X nach der WM abzulesen sei, wurde prompt gemutmaßt. Später hieß es seitens des DFB, so sei das nicht zu verstehen gewesen.

Bierhoff reumütig

Der Tag der Erklärungen hinterließ so manches Fragezeichen. Ob Löw nach dem Abenteuer Südafrika weitermachen will, soll oder darf, liegt auch noch im Dunkel. Die Wahrscheinlichkeit jedenfalls, dass Bierhoff nach der WM Teammanager beim DFB bleibe, schätzen Insider als eher gering ein. Zu viel Porzellan ist in den vergangenen Tagen zerschlagen worden - vor allem durch die inzwischen per Indiskretion bekannt gewordenen teils maßlosen Forderungen des früheren Nationalspielers in eigener Sache. Hohe Bonuszahlungen, ein Vetorecht bei der Bestimmung eines eventuell neuen Bundestrainers, die Möglichkeit der Wiederaufnahme alter Geschäftsbeziehungen zu seinem früheren Ausrüster Nike (in Konkurrenz zum DFB-Partner Adidas) und andere, zum Teil gegen die Verbandssatzung stehende Ansprüche haben die DFB-Spitzenmänner und -gremien verärgert bis verwundert zur Kenntnis genommen

Am Dienstag gab sich Bierhoff reumütig. Das Forderungspapier, das er auch im Namen von Löw und der anderen DFB-Trainer rund um die Nationalmannschaft vorgelegt hatte, schien nun auch ihm in Teilen überambitioniert formuliert zu sein. „Das musste zu Irritationen und Verärgerung führen. Ich habe mich vor allem bei Dr. Zwanziger entschuldigt, dass ich seine Gefühle verletzt habe, das tut mir leid “.

Mit Löw im Reinen

Der DFB-Präsident wie DFB-Generalsekretär Niersbach bedauerten, dass ihrerseits in den vergangenen Tagen zu wenig dafür getan worden sei, die Kommunikation unter den Parteien zu verbessern. So will Zwanziger mit dem vom DFB zuletzt vorgelegten Vertragsangebot, das Löw und Bierhoff als „nicht verhandelbar“ empfanden, „kein Ultimatum“ gestellt haben. „Ich habe“, sagte Zwanziger, „versucht, zu retten, was noch zu retten war.“ Nicht seine größte Stärke, nachdem schon der von ihm im Dezember propagierte Handschlag-Vertrag mit Löw auf auch in Zukunft beiderseits gute Zusammenarbeit vom Bundestrainer nie bestätigt, am Ende sogar dementiert worden war.

Mit Löw scheint der DFB-Präsident wieder im Reinen. „Ein Erfolg bei der WM ist nur mit diesem Trainer machbar. Alle anderen Personen sind auswechselbar, aber die Mannschaft braucht diesen Trainer.“ So einfach wie Niersbach die Situation sah („Deckel drauf, die Chose ist vorbei, das Vertrauen wieder da“), wollte es sich Zwanziger nicht machen. Als Bierhoff davon sprach, der Präsident sei bei einem Gespräch in dessen Büro „fast wieder der Alte“ gewesen, zog Zwanziger ein langes Gesicht. Der DFB-Präsident ließ auch danach nicht mit sich spaßen. Als erster Mann eines Millionenverbandes habe er „die Balance zu halten, und da ist einiges in Unordnung geraten“.

Bierhoffs Vorstoß, seine Pfründe und Rechte zu mehren und die Nationalmannschaft im DFB weiter zu verselbständigen, war mit dem Überschreiten einer roten Linie gleichzusetzen. Darum gab Zwanziger auch zu, dass da „emotional einiges kaputtgegangen“ sei. Mochte auch um ihn herum an dem langen Tisch mit Ecken und Kanten so etwas wie ein Hauch von Harmonie herrschen, so bewahrte sich der oberste Repräsentant des DFB doch mit dem Blick auf Bierhoff mehr als einen Hauch von Skepsis. „Ich sage nicht, morgen ist alles wieder wie gestern. Wir müssen daran arbeiten, unser Vertrauenverhältnis weiterzuführen.“ Eine Basisarbeit, die schwer, dem einen oder anderen Beteiligten vielleicht zu schwer fallen könnte.

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