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Sonntag, 19. Februar 2012
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DFB-Kommentar Ende einer Laufbahn

05.03.2010 ·  Das vorläufig letzte Wort hatte Manfred Amerell. Die neuen Details über Michael Kempter könnten dem jungen Mann einen kaum zu reparierenden Schaden hinzufügen. Auch DFB-Präsident Zwanziger gehört zu den Verlierern der Schiedsrichteraffäre.

Von Roland Zorn
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Die Wahrscheinlichkeit, dass Michael Kempter noch einmal entscheidend ins Bundesliga-Geschehen eingreifen kann, ist entschieden gesunken. In dem von Tag zu Tag schmutziger geführten Kampf um Ehre, Recht und Gerechtigkeit im deutschen Schiedsrichterskandal hat Manfred Amerell am Donnerstagabend das vorläufig letzte Wort gehabt.

In der Fernsehtalkshow „Kerner” gab der nach eigenem Bekunden vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) geschasste und deshalb zum Rücktritt gezwungene ehemalige Schiedsrichterfunktionär weitere Details seiner Beziehung zu Kempter preis – und die haben den vom DFB-Präsidenten Theo Zwanziger bisher protegierten Unparteiischen aus Sauldorf erheblich belastet.

Die Mails des jungen Pfeifenmanns deuteten einerseits darauf, dass zwischen ihm und Amerell nicht nur ein vom Augsburger Schiedsrichterbegleiter auch sexuell ausgenutztes Abhängigkeitsverhältnis bestand; sie lassen eher den Schluss einer freundschaftlichen Beziehung unter Männern zu. Amerells Hinweis auf Kempters schriftlich bekundete Aversion gegen den FC Bayern München eröffnete dazu eine neue Front, die der weiteren Laufbahn eines der großen deutschen Schiedsrichtertalente einen kaum zu reparierenden Schaden hinzufügen könnte.

Zwanziger sollte aus dem Fall Kempter/Amerell lernen

Der Schiedsrichterausbilder, dem der DFB nach der außergerichtlichen Einigung in München weiterhin den Vorwurf der „sexuellen Belästigung“ jüngerer Unparteiischer machen kann, kündigte nun Klagen gegen die vier Schiedsrichter an, die ihn analog zu Kempter aus der Anonymität heraus mit ähnlichen Vorwürfen belastet haben.

Damit dürfte ein weiteres schädliches Schmuddelkapitel in dieser unappetitlichen Geschichte aufgeschlagen werden. Dazu attackierte Amerell Zwanziger auf das Heftigste. Ob er wirklich vom Fußball-Bund „erpresst“ wurde, als er seinen Rücktritt bekanntgab, darf bezweifelt werden. Immerhin gab es am Verbandssitz am 4. Februar ein Gespräch mit dem Augsburger Hotelier, das Teilnehmer als konstruktiv bezeichnen.

Zwanziger kommt in der jetzigen Gemengelage mehr und mehr in eine Situation, sich verteidigen und rechtfertigen zu müssen. Das ist nicht ungefährlich für einen Präsidenten, der bisher eher als entschlossener Tatmensch von sich reden machen wollte. Ob er wegen der schonungslosen Auftritte Amerells am Ende auch um die Fortsetzung seiner Präsidentschaft bangen muss, ist die Frage.

Nach Lage der Dinge aber spricht vorerst wenig dafür, dass der in dieser Affäre gelegentlich überfordert wirkende Zwanziger kurz davor stünde, tatsächlich, wie von ihm öfters folgenlos angedroht, zurückzutreten oder gar gestürzt zu werden. Viel mehr sollte der DFB-Vormann aus dem Fall Amerell/Kempter lernen, sich im Zweifel nicht zu früh festzulegen und mehr Geduld bei der Bewertung einer komplexen Materie und komplizierten Geschichte walten zu lassen. Dass Theo Zwanziger einer der großen Verlierer in dieser beispiellosen Affäre ohne Sieger ist, darüber braucht längst nicht mehr diskutiert zu werden.

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