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DFB-Kommentar : Das Risiko bleibt

Heißt der Bundestrainer auch nach der WM 2014 noch Joachim Löw? Bild: dpa

Vom DFB und von Joachim Löw gehen mehr als zarte Signale aus, dass der Bundestrainer seinen Vertrag über die WM 2014 hinaus verlängern wird. Ein Zeichen des Vertrauens kann nicht schaden angesichts der Debatten.

          Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis dem Bundestrainer dasselbe blüht wie einem Kanzler oder einer Kanzlerin: das wöchentliche Barometer, wie es um die Popularität im Land bestellt ist. Interessant wäre es schon, wie Joachim Löw derzeit bei der Sonntagsfrage abschnitte. Hört man nach einem Länderspiel den Gesprächen der Fans zu oder liest die Kommentare im Netz, kann man fast erschrecken.

          Da gibt es nicht wenige, die Löw offenbar für ahnungslos halten und deshalb mit Inbrunst einen extrem skeptischen Standpunkt vertreten: dass es mit diesem Bundestrainer nichts werden könne mit dem ersehnten Titel. Vermutlich ist es aber doch nur so, dass man diejenigen, die etwas zu meckern haben, immer etwas lauter hört als die Zufriedenen. In einer repräsentativen Umfrage des Sportinformationsdienstes aus dem Januar hielten 69 Prozent Löw noch für den richtigen Mann. Und seitdem ist ja nicht allzu viel passiert. Oder doch?

          Die heftig und emotional geführte Debatte um die deutschen Abwehrschwächen verrät eine Menge darüber, wie viel Kredit Löw, den manche einst schon übers Wasser laufen sahen, verloren hat. Der Bundestrainer mag recht haben, dass Testspiele wie in den Vereinigten Staaten oder gegen Paraguay der falsche Anlass sind, um letztgültige Urteile über die Verteidigungsbereitschaft seines Teams zu fällen. Genauso trügerisch wäre es aber, aus einem 3:0 gegen Österreich das Ende aller Probleme abzuleiten - nach dem Motto: ein paar Tage gemeinsam üben, sich auf dem Platz mal richtig zusammenreißen, und schon klappt es mit der Null.

          Es wird dabei bleiben: So, wie Löw den Fußball sieht und lehrt, bleibt dem deutschen Spiel ein gewisses - erhöhtes - Maß an Risiko eingeschrieben. Was nicht zuletzt auch mit den Spielern zu tun hat, die ihm zur Verfügung stehen. Sieht man sich das Personaltableau an, gibt es einfach ein paar mehr Argumente, warum die Spiele eher vorne als hinten gewonnen werden. Außer Philipp Lahm verkörpert derzeit kein deutscher Verteidiger internationales Top-Format. Im offensiven Mittelfeld sieht es da schon ganz anders aus.

          Ein Schritt in die richtige Richtung

          Das alles befreit Löw und sein Team aber nicht davon, defensiver als bislang zu denken. Will Deutschland bei der WM im nächsten Jahr um den Titel mitspielen, braucht es in diesem Bereich eine Weiterentwicklung, die über den Tag hinaus Wirkung zeigt. Das haben auch die Spieler erkannt und vor dem Duell mit Österreich Korrekturen eingefordert. Das 3:0 von München war, wenn auch gegen einen mäßigen Gegner, ein Schritt in die richtige Richtung. Und, so wie die Profis später darüber redeten, zugleich ein Indiz dafür, dass das Team an eine erfolgreiche Zukunft unter Löw glaubt.

          Beim Deutschen Fußball-Bund ist man offenbar derselben Meinung. Sowohl von Seiten des Verbandes als auch von Löw selbst gehen mehr als nur zarte Signale aus, dass der Bundestrainer seinen Vertrag über die WM 2014 hinaus verlängern wird. Es sei „naheliegend, dass man in der Konstellation weitermacht, wenn es sich so bewährt hat“, sagte Präsident Wolfgang Niersbach. Ein Signal des Vertrauens kann nicht schaden angesichts der ständigen Debatten. Zugleich aber ist auch klar: Geht der Schuss in Brasilien nach hinten los, brauchte es keine Sonntagsfrage mehr, um zu wissen: Jetzt herrscht Wechselstimmung.

          Quelle: F.A.Z.

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