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DFB-Fall Amerell Zwischen Nötigung und Machtpolitik

11.02.2010 ·  Es geht um einen Fall von Nötigung. Möglicherweise. Aber rund um die von Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter gegen Manfred Amerell erhobenen Vorwürfe der sexuellen Nötigung geht es auch um ein Stück Macht- und Interessenpolitik beim DFB.

Von Roland Zorn
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Es geht um einen Fall von Nötigung. Möglicherweise. Es geht aber auch um ein Stück Macht- und Interessenpolitik im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Einerseits müssen sich die zuständigen Gremien des DFB mit dem vom 27 Jahre alten Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter erhobenen Vorwurf beschäftigen, durch den ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Amerell sexuell belästigt worden zu sein.

Eine Anschuldigung, die der jüngste Schiedsrichter auf der Liste des Internationalen Fußball-Verbandes schon am 17. Dezember des Vorjahrs gegenüber Volker Roth, dem Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichterausschusses, erhob. Der 62 Jahre alte Amerell, der diesem Ausschuss bis zu seinem am 4. Februar schriftlich erklärten Rücktritt „aus gesundheitlichen Gründen“ angehörte, geht per Anwalt gegen Kempters Vorwurf vor.

Der Münchner, der in Augsburg ein Hotel leitet, wies die Vorwürfe als „haltlos und aus der Luft gegriffen“ zurück. Kempter wurde inzwischen in einem langen Gespräch vom DFB-Justitiar Jörg Englisch vernommen. Der Verband prüft unter der Leitung von Stefan Hans, dem stellvertretenden Generalsekretär, ob hier ein Fall von sexueller Nötigung unter Schiedsrichter-Kameraden vorliege.

„Roth hätte sowohl Zwanziger als auch mich informieren müssen“

Eine möglicherweise pikante Geschichte, die aber auch eine sportpolitische Dimension hat. Der bisher im DFB-Präsidium für das Schiedsrichterwesen zuständige Vizepräsident Rainer Koch hat sich, verärgert darüber, von Roth nicht über die Causa Amerell/Kempter informiert worden zu sein, von dieser Aufgabe zurückgezogen.

DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte dazu bedauernd: „Ich kann den Schritt nachvollziehen, wenn er selbst den Vertrauensverlust aus diesem Vorgang so bewertet.“ Der 68 Jahre alte Roth vertraute das, was ihm Kempter im Dezember offenbarte, erst Mitte Januar Zwanziger an. „Nach den DFB-Statuten ist der Präsident zu informieren und nicht der Vizepräsident. Genau das habe ich getan“, sagte Roth gegenüber dem „Kicker“.

Dem hielt Koch gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entgegen: „Herr Roth hätte noch am 17. Dezember sowohl Herrn Zwanziger als auch mich informieren müssen.“ Der Jurist aus Poing gilt intern als einer der einflussreichsten kritischen Begleiter Zwanzigers und nimmt sich dabei schon mal das Recht heraus, andere Positionen als der Präsident einzunehmen. Das Gespräch mit Zwanziger über Roths „Informationspolitik“ sei jedoch, so Koch, vollkommen einmütig geführt worden.

Ob Roth nun noch vor dem DFB-Bundestag im Oktober in Essen, bei dem der sperrige Niedersachse sein Amt zur Verfügung stellen will, wegen der von ihm verursachten Informationspanne zurücktreten solle, wollte Koch nicht beantworten. Roths designierter Nachfolger Herbert Fandel jedenfalls steht in dem Ruf, die von manchem als arg konservativ erachteten Strukturen in der Schiedsrichtergilde modernisieren zu können. Als Unparteiischer, der bis zum Juni 2009 aktiv war, genoss er einen erstklassigen Ruf.

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