09.03.2012 · Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, schlägt vor, dass die Nationalelf während der Fußball-EM die Gedenkstätte Auschwitz besucht. In DFB-Kreisen kommt der öffentliche Aufruf dem Vernehmen nach nicht gut an.
Von Michael HoreniRichtlinien für Lesermeinungen
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den wunsch eines herrn graumann kann man auch mal unerfüllt lassen - unkommentiert. er ist schließlich nicht der papst, sondern vertreter einer interessengruppe. und dabei ganz sicher keine glückliche wahl.
... einerseits wird seit geraumer Zeit das Image der Nationalmannschaft
als Multi-Kulti-Truppe gefördert, andererseits sollen jetzt Spieler
wie Mesut Özil, Sami Khedira, Cacau und - um der Absurdität
noch die Krone aufzusetzen - unsere gebürtigen polnischen Spieler
"deutsche historische Verantwortung" tragen. Es ist sicher ein
gutes Zeichen, als sportlicher Repräsentant seines Landes, diesen
Ort zu würdigen. Mit historischer Verantwortung hat das aber sicher
nichts zu tun.
Wenn Hr.Grauman direkt an den DFB herangetreten wäre,
wäre es ok gewesen. Aber warum dann der indirekte Weg über die
Medien, über die Sportbild?
Damit der DFB nicht "nein" sagen kann? Oder um dem DFB einfach
die Entscheidung
abzunehmen?
Hr.Graumann sollte für seine Methoden vom
"Schiedsrichter" gerügt werden, denn fair war
das nicht. Warum hat man bei Äusserungen von Menschen wie
Hr.Graumann immer ein schlechtes Gefühl? Weil er im Grunde ein
Politiker ist, der bestimmte Interessen verfolgt?
.
Der DFB sollte m.E. "nein" sagen. Warum sollten die Spieler
während eines wichtigen Turniers damit belastet werden? Ich kann
mir nicht vorstellen, das der Trainer damit einverstanden ist. Bei einem
Fussballturnier geht es darum, zu gewinnen, und dem hat sich alles unterzuordnen!
Es spricht natürlich nichts dagegen, wenn DFB-Bürokraten einen
Termin in Auschwitz wahrnehmen, oder die Mannschaft ausserhalb eines
Turniers - aber auf keinen Fall während der
EM.
.
DFB-Abgesandte waren im Holocaust-Museum in Israel ...
Also, ich bin dagegen ( nicht wie diese Dagegen-Partei ! ) weil irgendwo der Fussball im Vordergrund stehen soll und Geschichte und Politik sollten sich moglichst aus dem Fussball heraus halten, sonst offnen wir andere Turen und bekommen diese dann nicht mehr zu. Jeder Mensch und Schuler in Deutschland ist sich der Geschichte ihrer Vergangenheit bewusst ... Ausserdem ist der Vorschlag einseitig, denn dieser Besuch wurde nur den DFB-Spielern treffen und andere Nationen wurden verschont bleiben und diese Spieler konnten sich daraus Vorteile im Spiel gegen Deutschland verschaffen ... Das Fussballturnier soll das bleiben, was es ist und lehne ein geschichtlich - politisches Fussballturnier fur Deutschland ab.
"Ein Zeichen von Verantwortung"
Wenn Herr Graumann, ohne sich zuvor diskret und vertrauensvoll an den DFB zu wenden, über die Medien eine vermeintliche Verpflichtung des DFB einklagt, dann scheinheilig von "Wunsch eines Fußballfans" spricht (und damit sicherlich mehr als die von anderen geforderte "Sensibilität" vermissen läßt), erscheinen seine Absichten in einem zweifelhaften Licht:Engagement für eine gute Sache oder Selbstdarstellung? Der DFB ist integer genug, als daß er sich zu Schau-Aktionen nötigen lassen müßte.
Wenn Spieler der Nationalmannschaft tatsächlich für den Holocaust Verantwortung tragen, sollte man sich dringend um jüngere Spieler bemühen.
Ich habe im Deutschlandfunk gehört das die Nazis den Begriff Nationalmannschaft eingeführt haben
es ist doch eigenartig für was eine Fuballmannschaft so alles
stehen soll, gehts nicht ne Nummer kleiner. Mir geht dieses nationale
gehabe auf den Wecker.Die leute spielen Fußball.
Ich würde gerne wissen wer das Zahngold und die Eheringe
eingeschmolzen hat und wer davon profitiert hat, vielleicht sogar bis
heute. Das hätte einen Bezug zu Realität. Bei mancher
Firmengeschichtsschreibung ist zwischen 1939 und 1945 immernooch eine
große Lücke.
Einen Bezug zur Geschichte könnte man auch herstellen in dem man
die Namen der ermordeten
Schüler oder ehem Schüler an einer Schule mit einer Tafel
dokumentiert. Oder die Namen der deportierten an Bahnhöfen. Da
hätte ich eine Verbindung mit der ich etwas Anfangen kann, mit
Fussballern in der Gedenkstäärte nicht.
Falsch "Herr Keller" der Mutterland des Fussballs hatte die 1. Nationalmannschaft ...
... und in Grossbritannien gibt es zahlreiche Fussballclubs, die ab 1862 gegrundet wurden. Der alteste Fussballklub der Welt ist Notts County FC das 1862 gegrundet wurde und England erstellte die 1. Ansammlung von Fussballern aus verschienden Klubs ... Das Hitler-Deutschland den Begriff "Nationalmannschaft" fur ihre Zwecke benutzten, das ist moglich, aber sie erfanden nicht den Begriff "Nationalmannschaft".
Ist es ein Zeichen der Toleranz und der Normalität in Auschwitz Fußball zu spielen ?
Warum den nicht, ein Freundschaftsspiel gegen eine polnische Mannschaft. Ich weis allerdings nicht ob es dort ein Stadion gibt und in der Gedenkstätte zu spielen finde ich abwegig.
Ich finde diese permanenten Versuche der heute in Deutschland lebenden Bevölkerung Verantwortung für WKII-Verbrechen einzureden verrückt. Es gibt keine Erbschuld!
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.03.2012 08:15 UhrHerr Heinemann,
Das mit der Erbschuld steht im alten Testament. Deutschland hat -soweit überhaupt religiös - den Christlichen Glauben, und im Neuen Testament geht es um Liebe und Vergebung, nicht Rache, Erbschuld und Opferung der eigenen Kinder um einen grollenden Gott zu besänftigen.
Warum sollte es keine Erbschuld geben?
Die in diesem Lande herrschende Religion bekennt sich zur Erbsünde.
Warum sollte jemand, der an die Erbsünde glaubt nicht auch an eine
Erbschuld glauben?
Machen sich Leugner dieser Erbschuld des Antisemitismus verdächtig?
Verantwortung auf die Schultern nehmen
Wenn Dieter Graumann einen "Wunsch" äußert, kann
man den nicht abschlagen, weil man sonst moralisch in einer Ecke landet,
in der man in Deutschland niemals landen darf.
Aber welche geschichtliche Verantwortung sollen eigentlich Spieler wie
Dennis Aogo, Jerome Boateng, Sami Khedira, Mesut Özil, Cacau, Mario
Gomez und Miroslav Klose auf ihre Schultern nehmen?
ganz einfach
Die Verantwortung für den jeweiligen Holocaust ihrer Nationen (auf
die Reaktionen darauf würde ich mich echt freuen! siehe Erdogan und
die Türkei...)
Aber ist es wirklich die Aufgabe von Sportlern, eine ergriffene Miene
aufzusetzen und aller Welt vorzuheucheln, sie würden sich so
schrecklich verantwortlich fühlen, nur um dadurch als moralisch
korrekt zu gelten?
Ich dachte immer dafür hätten wir schon Politiker...
Da alles, was der DFB jetzt in Auschwitz macht, auf Zuruf geschieht, ist es nur noch die Hälfte wert.
Mehr Bedeutung als nur ein schlechtes Gewissen
Bei allen Vorbehalten, die man mit Recht gegen einige
Äußerungen des Zentralrates der Juden vorbringen mag (und
durchaus vor dem Hintergrund, dass mancher Jude in Deutschland sich eine
andere Vertretung wünschen würde) ist der Vorschlag eine gute
Idee und bedarf durchaus einer "quasi-offiziellen" Stellungnahme.
Dass jeder fünfte Jugendliche nicht weiß, was Auschwitz
überhaupt ist, ist frustrierend. Das schlechte Gewissen für
das dritte Reich wird über die Generationen weitergereicht, aber
keine konkreten Informationen, aus denen man lernen könnte.
Jedenfalls offensichtlich nicht in allen Teilen der Bevölkerung.
Die Nationalmannschaft dürfte auch in denjenigen Teilen, die mit
Auschwitz nichts anzufangen wissen, einen hohen Einfluss haben. Ein
Besuch in Auschwitz wäre ein wichtiger Beitrag, das Thema wieder
breiter zur Sprache zu bringen.
Schuldgefühle und Entschuldigungen sind keine Aufgaben meiner
Generation. Aber darauf zu achten, dass so etwas nie wieder passieren kann.
"Herr Slater" Tatsächlich bezog ich mich auf...
...eine sehr konkrete Umfrage des Stern ("Jeder fünfte
jüngere Deutsche kennt Auschwitz nicht") mit dem besagten
Ergebnis. Lesen Sie sie doch einmal nach, bevor Sie mich über die
Kenntnisse der Schüler belehren. Vielleicht würden Sie dann
auch eine etwas andere Perspektive zum Rest meines Beitrags finden.
Was genau möchten Sie mir mit Ihrem Rest sagen? Dass der DFB damit
alles in seiner Macht stehende getan hat, um Jugendliche darauf
aufmerksam zu machen? Dass wir jetzt sagen können "gut, besser
wirds nicht"? Finde ich nicht. Problematiken müssen bewusst
gemacht werden, die Schüler müssen erfahren, was Auschwitz war
und Sie wiederum mussten erfahren, dass die Schüler es nicht
wissen. Wie Sie sehen, sind wir auf einem guten Weg.
Ich denke, es ist wichtig zu wissen, was diese Demokratie wert ist, und
es gibt kein grundsätzliches Anrecht darauf, im Zusammenhang mit
Fußball nicht mit soetwas behelligt zu werden. Manchmal gibt es
Sachen, die wichtiger sind als Trainingszeiten.
"Herr Bethe" Jeder Schuler weiss, was in Auschwitz passierte ...
... es mag wohl sein, das jeder 5. Schuler denkt, Auschwitz geht mich nichts an, das ist moglich ... im Ubrigen ist es ein europaisches Fussballturnier und keine geschichtlich-politisches Fussballveranstaltung, ausserdem haben DFB-Bedinstete in Israel das Holocaust-Museum besucht. In Deutschlands Nationalelf spielen viele, die entweder auslandische Eltern haben, oder im Ausland geboren wurden, die dann eingedeutscht wurden und das gilt auch fur alle anderen Nationalteams.
Glaubt den der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, wirklich,
dass er sich mit dieser Erinnerungsforderung bei irgendjemanden noch Freunde macht? Wäre es nicht wirklich besser, eine Erinnerungskultur in diesem Land ohne ständige Beeinflußung Betroffener bzw. von Vertretern Betroffener entwickeln zu lassen? Die Reaktionen der breiten Öffentlichkeit auf die Zwickauer Mordserie zeigen doch eindeutigf, dass in diesem Volk eine vorhandenen Abscheu gegen den Nationalsozialismus vorhanden ist. Bedarf es dann noch immer weiterer Ermahnungen?
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 09.03.2012 13:47 Uhrnachvollziehbarer Wunsch / gute Diskussion
Ich halte diesen Wunsch im Gegenteil zu der oben geäußerten
Meinung für gut nachvollziehbar und finde die Diskussion auch
vollkommen angemessen. Zugestandenermaßen will ich mich gar nicht
fragen, ob schon einmal eine deutsche Fußballnationalmannschaft in
Ausschwitz gewesen ist, weil ich einfach befürchte, dass dies noch
nie der Fall war.
Hier hätte ich mir auch von Seiten der FAZ gewünscht, diese
Frage zu recherchieren. In meinen Augen wäre es sehr
wünschenswert, eine solche Frage, die Herr Graumann aufwirft, mit
diesen Recherchen zu verbinden.
Selbst wenn dies schon einmal der Fall gewesen sein sollte, was ich mir
nicht vorstellen kann, hielte ich es auch gerade jetzt für eine
gute Geste, dies gerade auch mit dieser sehr populären Mannschaft
noch einmal zu tun, gerade auch im Angedenken an Julius Hirsch.
sich gegenüber der sport-bild dafür auszusprechen, was die nationalmannschaft zu tun habe, ist absolut deplaziert. wenn sich die mannschaft entscheidet, im ehemaligen KZ auf den holocaust aufmerksam zu machen, ist das gut und löblich. aber der zentralrat hat in der angelegenheit nix zu melden (ja, die äußerung des vorsitzenden hat für mich quasi-offiziellen status).