21.12.2009 · Günther Oettinger wollte in Südafrika während der Fußball-WM ein „Deutsches Haus“ einrichten - als Kontaktbörse für Firmen. Doch das Vorhaben ist gefloppt. Das Haus wird seine Tore wohl nie öffnen, wie die F.A.Z. erfuhr. Für den Steuerzahler eine zusätzliche Belastung.
Von Michael AshelmWas mit einer guten Idee im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika begann, wird für eine deutsche Förderinitiative wohl als Blamage enden - und zusätzlich wieder einmal den Steuerzahler belasten. Im Mittelpunkt der Affäre steht der scheidende Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger (CDU). Der hatte vor zwei Jahren bei einer Reise ins Land des WM-Ausrichters ein Projekt zur Chefsache erklärt, das heimischen Unternehmen als Kontaktbörse und zur Eigenwerbung am Kap dienen sollte. Dafür wollte das Bundesland mit Hilfe von Sponsoren während des Turniers auf dem Gelände der Deutschen Internationalen Schule Johannesburg für sechs Wochen ein „Deutsches Haus“ als Begegnungsstätte für Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft einrichten. Fast 1000 Unternehmen aus Baden-Württemberg haben heute Geschäftsbeziehungen nach Südafrika. Eine engere Kooperation mit der stärksten Volkswirtschaft Afrikas sei erstrebenswert, heißt es. Doch wie die F.A.Z. erfuhr, wird das „Deutsche Haus“ in Johannesburg seine Pforten wohl nie öffnen. Offiziell bestätigt das Staatsministerium derzeit nur: „Das Projekt steht auf dem Prüfstand.“
Mehr als 1 Million Euro dürfte der Flop das Land am Ende kosten. Anders als Oettinger vorgegeben hat, konnte bislang nicht ein einziger Sponsor zur Finanzierung gewonnen werden. Die Wirtschaftskrise hat da nur marginalen Einfluss. Das Budget war ursprünglich mit rund 3 Millionen Euro umrissen worden. Die Staatskasse alleine würde auf den bisher angefallenen Kosten sitzenbleiben. Abgeschrieben werden müsste die Miete für den Veranstaltungsort über 300.000 Euro. Alle Ausstiegsklauseln im Vertrag sind inzwischen hinfällig, das bestätigt der Vorstand der Deutschen Schule Johannesburg.
Hinzu kommen Ausgaben für Werbeagenturen, Broschüren, Konzepte, Präsentationen und Informationsreisen. Noch im Oktober hatte der baden-württembergische Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie den Geschäftsbereich des Staatsministeriums, Wolfgang Reinhart, in Südafrika im Namen des Regierungschefs für die Idee des „Deutschen Hauses“ geworben. Aber schon damals zeichnete sich der Reinfall ab.
Die Zuständigkeiten wurden hin- und hergeschoben
Längst war das gutgemeinte Projekt in die Mühlen des schwergängigen Beamtenapparats geraten. Der zuerst beauftragte externe Vermarktungs- und Veranstaltungsprofi hatte sich da schon wegen des Schlingerkurses freiwillig verabschiedet. Die Zuständigkeiten wurden hin- und hergeschoben. Ein erfahrener Beobachter spricht von „Dilettantismus“. Und eine von der Bundesregierung mitbegründete Organisation trägt zum schlechten Bild bei, das man nun vor allem bei den Partnern in Südafrika abgibt. Die zwischenzeitlich an Bord geholte Marketinginitiative „Deutschland - Land der Ideen“ sollte dem Projekt zur ersten Fußball-WM auf dem Schwarzen Kontinent einen entscheidenden Anstoß geben und für die wichtigen Sponsorenverträge sorgen.
Der dort inzwischen verabschiedete Geschäftsführer, einst auch Chef der erfolglosen Leipziger Olympiabewerbung, machte zwar große Versprechungen und glänzte durch redegewandte Präsentationen. Der Ertrag lag allerdings bei null. Statt sich mit den vorhandenen Möglichkeiten intensiv zu beschäftigen, seien durch ihn neue hochtrabende Pläne aufgekommen, verbunden mit einer Budgeterweiterung, ist zu hören. Sein Nachfolger will heute gar nicht mehr viele Worte über die Kooperation verlieren.
Die Antwort des Staatsministeriums auf die kleine Anfrage der baden-württembergischen Landtags-SPD im vergangenen Jahr zur Finanzierung des „Deutschen Hauses“ lässt den alles verantwortlichen Oettinger heute mehr als unglücklich aussehen. Ende Mai 2008 hieß es: „Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es, das Projekt mit Gewinn abzuschließen.“ Davon ist man so weit entfernt wie Stuttgart von Johannesburg auf der Weltkugel. Spätestens wenn Stefan Mappus (CDU) zu Beginn des neuen Jahres Oettinger im Amt des Regierungschefs folgen wird, dürfte das Projekt eingestellt werden. Wie zu hören ist, würde sich der neue Ministerpräsident trotz seines Fußball-Faibles nämlich kaum ein Negativthema seines Vorgängers aufladen.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 22 | 33 | 49 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 22 | 23 | 46 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bayern München | 22 | 35 | 45 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 22 | 1 | 36 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 22 | 3 | 34 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 22 | -2 | 26 | ![]() |
| 11. | ![]() |
Hamburger SV | 22 | -10 | 26 | ![]() |
| 12. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 22 | -11 | 25 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 22 | -6 | 24 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Köln | 22 | -13 | 24 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 22 | -12 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 22 | -12 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 22 | -17 | 18 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 22 | -20 | 18 | ![]() |