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Deutscher Meister 1959 Ein umstrittener Elfmeter brachte den Titel

28.06.2009 ·  Vor 50 Jahren wurde Eintracht Frankfurt nach einem Finalsieg gegen Kickers Offenbach zum ersten und bisher letzten Mal deutscher Fußballmeister. Im Römer feiern die Meister von '59 den Jahrestag des denkwürdigsten aller Derbys.

Von Hartmut Scherzer
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Der Bundespräsident hieß Theodor Heuss, der Bundeskanzler Konrad Adenauer, der Berliner Bürgermeister Willy Brandt und der deutsche Fußballmeister Eintracht Frankfurt. Das waren die wichtigsten Amts- und Titelträger des Jahres 1959 in der zehn Jahre alten Bundesrepublik. Die Alte Oper war eine von Sprengung bedrohte Ruine. Frankfurt hatte noch keine Skyline, keine U-Bahn, keine Ampeln. Den Verkehr regelten Polizisten auf Kanzeln.

Zu ihnen zählte das heute 83 Jahre alte Eintracht-Faktotum Kurt E. Schmidt. Einmal versah er seinen Dienst sogar mit zwei Eintracht-Fahnen. Das war nach dem 5:3-Sieg in der Verlängerung über die Offenbacher Kickers im spannendsten aller Endspiele zwischen Kriegsende und Gründung der Bundesliga am 28. Juni 1959, einem Sonntag.

50.000 jubelnde Menschen

Am Sonntag feiern die Meister von ’59 und der unterlegene Nachbar den fünfzigsten Jahrestag des denkwürdigsten aller Derbys. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hat aus diesem Anlass zu einem Empfang in den Kaisersaal des Römer eingeladen wie damals ihr Vorgänger Werner Bockelmann. Die Meistermannschaft zeigte sich auf dem berühmtesten deutschen Balkon vor 50.000 jubelnden Menschen.

Die Frankfurter gerieten über die erste und bis heute einzige deutsche Meisterschaft schier aus dem Häuschen. Am Montag nach dem Spiel landete die Mannschaft in einer kurzerhand auf den Namen „Eintracht“ umgetauften Propellermaschine auf dem Flughafen. Es folgte ein einzigartiger Festzug mit der Meisterschale. Die mit Girlanden geschmückte „Adenauer-Diesellok“ zog drei Salonwagen vom Sportfeld zum Hauptbahnhof. Dort übernahmen zwei sechsspännige Brauereiwagen den Transport der Helden durch jubelnde Menschenmassen zum Römer. Rund eine Viertelmillion Frankfurter war auf den Beinen.

Die Eintracht, angeführt von Alfred Pfaff, Richard Kress, Istvan Sztani und Dieter Lindner, spielte damals den bezauberndsten Fußball aller Oberligen, wurde nach einer Serie von 28 Spielen ohne Niederlage unter dem zu Saisonbeginn von Offenbach nach Frankfurt gewechselten Trainer Paul Oßwald süddeutscher Meister und schoss sich mit Kantersiegen durch die Endrunde. Ganz klar: Die Frankfurter Filigran-Techniker betraten gegen die Kämpfernaturen aus Offenbach als hoher Favorit vor 76.000 Zuschauern das Berliner Olympiastadion.

Helle Aufregung in der Verlängerung

Die Eintracht musste auf ihren Mittelläufer Ivica Horvath verzichten. Der jugoslawische Weltklassespieler war während der Endrunde an Tuberkulose erkrankt. „Das war für uns eine Katastrophe“, erinnert sich Lindner, heute Ehrenspielführer, damals zwanzigjähriger Jungspund. Auch die Kickers mussten auf ihren gesperrten Stopper Helmut Sattler verzichten. Während der Fuchs Oßwald nur den ebenfalls erst zwanzigjährigen Friedel Lutz vom Verteidiger zum Mittelläufer machte und Hans Eigenbrodt in die Mannschaft berief, krempelte Kollege Bogdan Cuvaj die Mannschaft um.

Schon nach 13 Sekunden stand es 1:0 durch Sztani, nach 22 Minuten 2:2: Ausgleich durch Berti Kraus (7. Minute), abermalige Führung durch Ekko Feigenspan (13.), wiederum Ausgleich durch Helmut Preisendörfer (22.). Dabei blieb es bis zum Schlusspfiff. Die Verlängerung brachte sofort helle Aufregung. Mittelläufer Heinz Lichtl holte den pfeilschnellen Kress im Strafraum von den Beinen. Schiedsrichter Asmussen aus Flensburg pfiff Elfmeter – eine bis heute in Offenbach nicht akzeptierte Entscheidung. „Ich habe den Ball gespielt und Kress überhaupt nicht berührt“, schwört Lichtl heute noch.

„Ich habe mich um die Früchte der Meisterschaft gebracht“

Seit 50 Jahren, glaubt Lindner, leide Offenbach unter dieser Niederlage. Auch wenn Freundschaft beide Endspiel-Mannschaften verbindet, ist die Eintracht seitdem ein Feindbild der Kickers. Von der Meistermannschaft Loy, Höfer, Eigenbrodt, Weilbächer, Lutz, Stinka, Kress, Sztani, Feigenspan, Pfaff, Lindner sind Höfer, Eigenbrodt, Kress und Kapitän Pfaff tot. Von der Endspiel-Elf der Kickers – Zimmermann, Waldmann, Schultheiß, Keim, Lichtl, Wade, Kraus, Nuber, Gast, Kaufhold, Preisendörfer – lebt nur Letzterer nicht mehr.

Istvan Sztani, der nach dem Volksaufstand geflohene Ungar, ärgert sich heute noch, dass er nach dem Endspiel zu Standard Lüttich wechselte. „Ich habe mich um die Früchte der Meisterschaft, die tollen Europa-Pokalspiele bis zum legendären Glasgower Endspiel 1960 gegen Real Madrid, gebracht.“

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