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Deutscher Fußball Nicht gut genug für den Ballsaal

11.01.2012 ·  Bei der Wahl des besten Spielers und der besten Mannschaft der Welt blickt der Fußball ausnahmsweise mal nicht nach vorne. Und der deutsche Fußball ist aus internationaler Sicht derzeit nicht mehr als ein hübsches Zukunftsversprechen.

Von Michael Horeni
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© REUTERS Fußballer des Jahres: Lionel Messi ist zum dritten Mal in Folge zur Nummer eins der Welt erkoren worden

Bei der Wahl des besten Spielers und der besten Mannschaft der Welt blickt der Fußball ausnahmsweise mal nicht nach vorne. Das Einzige, was zählt, ist das, was tatsächlich auf dem Platz geschehen ist. Diese Krönung mit goldenem Ball ist kein Seismograph der Zukunft und viel mehr als die Hoffnung auf das nächste Spiel und das nächste Turnier, den alltäglichen Treibstoff des großen Geschäfts.

Seit gut zwanzig Jahren gibt es diese Auszeichnung nun, und man wird in dieser Zeit kaum einen Fehlgriff finden, sie ist ein getreuer Spiegel der Entwicklung des Fußballs. Lionel Messi ist am Montag zum dritten Mal in Folge zur Nummer eins der Welt erkoren worden, ebenso wie der Rekordtitelträger FC Barcelona. Messi & Barca also zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten: Damit ist auch eine goldene Epoche markiert.

Deutschland nur in der zweiten Reihe

Und wo bleiben die Deutschen? Der deutsche Fußball, der sich fünf Monate vor der Europameisterschaft so stark wie lange nicht fühlt, sitzt bei der Oscar-Verleihung des Fußballs weiterhin nur in der zweiten Reihe. Lothar Matthäus war 1991 der erste und letzte hochgeehrte Profi made in Germany, ein deutscher Klub hat es noch nie ganz nach vorne geschafft - und ob dies dem FC Bayern München (wem sonst?) in absehbarer Zukunft gelingt, ist doch arg fraglich.

Das deutsche Trio mit Mesut Özil, Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger landete diesmal in der Einzelwertung auf den Plätzen elf bis fünfzehn. In die Endausscheidung kamen sie nicht. Auch in die Weltauswahl schaffte es kein einziger Spieler der deutschen Nationalelf, die sich doch bestens befähigt fühlt, bei der EM in Polen und der Ukraine sowie zwei Jahre später bei der Weltmeisterschaft in Brasilien allen anderen voraus zu sein.

Nicht mehr als ein hübsches Zukunftsversprechen

Die Wahl von Zürich machte zu Beginn des EM-Jahres deutlich, wie weit und unsicher dieser Weg für Joachim Löws Team noch ist. Der deutsche Fußball ist aus internationaler Sicht derzeit nicht mehr als ein hübsches Zukunftsversprechen. Die Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften seit 2006 haben den Ruf zwar aufpoliert, doch ohne Titel und gebremst durch eine im internationalen Maßstab schwächliche deutsche Klubbasis ist das noch längst nicht genug für den Zürcher Ballsaal.

Die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine ist im Sommer daher die große und einzige Chance für deutsche Stars, um schon demnächst individuell in die absolute Spitzenklasse vorstoßen zu können. Es muss aber schon der Titel sein, um den ziemlich großen Graben zu überbrücken, der sich noch zwischen internationaler Wahrnehmung und deutschen Wünschen auftut. Aber selbst der EM-Gewinn wäre nur ein Anfang, um die auf Barcelona gründende spanische Dominanz auf allen Ebenen des Weltfußballs wenigstens ein bisschen zu erschüttern.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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