Home
http://www.faz.net/-gtm-6vky0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Deutscher Fußball-Bund Zwanzigers Spiel mit den Kandidaten

04.12.2011 ·  Auch bei seinem Abschied sucht der DFB-Präsident den Alleingang. Kann er seinen Nachfolge-Kandidaten Erwin Staudt durchsetzen?

Von Michael Horeni, Berlin
Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (3)
© Wonge Bergmann Keine klare Linie zu erkennen: Theo Zwanziger

Sein Abschied war ein echter Zwanziger. Als der DFB-Präsident am Freitagabend das Mikrofon auf der Jahresfeier des Deutschen Fußball-Bundes ergriff, um die Nachricht vom Solo des Tages zu verkünden, wussten selbst engste Mitarbeiter und die wichtigsten Kräfte des Verbandes erst wenige Stunden, dass Theo Zwanziger für sich entschieden hatte, seine bis 2013 terminierte Amtszeit auf den Oktober 2012 zu verkürzen.

Bundestrainer Joachim Löw erfuhr von dem überraschenden Schritt Zwanzigers sogar erst nach der EM-Auslosung in Kiew von Oliver Bierhoff, der wiederum erst von DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach auf die Schnelle über den Rückzug des Präsidenten per Telefon informiert wurde. Da hatte Zwanziger wiederum der „Bild"-Zeitung, dem inoffiziellen Medienpartner des Präsidenten, schon längst sein erstes Interview zum Rücktritt gegeben. „Das ist so sein Stil, diese Entscheidung fast allein zu treffen", sagte Franz Beckenbauer über einen Präsidenten, der auch bei seinem Abschied lieber den Alleingang suchte.

Die letzte Aufgabe, für die sich Zwanziger - der ansonsten keine Herausforderungen als erster Mann des Verbandes mehr für sich zu erkennen glaubt - noch zuständig fühlt, ist die Regelung seiner Nachfolge. Die Signale jedoch, die der DFB-Präsident aussendete, ließen keine klare Linie erkennen. Generalsekretär Wolfgang Niersbach gilt zwar in Fachkreisen als aussichtsreichster Kandidat, aber eine eindeutige Festlegung vermied Zwanziger.

Von einem sorgfältig vorbereiteten und intern geregelten Übergang an der Spitze des größten Sportfachverbandes der Welt, wie man es angesichts eines angeblich langfristig geplanten Rückzugs eines Präsidenten nach dann acht Jahren Amtszeit vermuten und auch erwarten könnte, kann aber keine Rede sein. „Es gibt mehrere Kandidaten. Wir haben Persönlichkeiten im Präsidium, die das machen können. Dazu gehört sicherlich auch Wolfgang Niersbach", sagt der DFB-Präsident.

Gleichzeitig aber brachte Zwanziger auch einen zunächst unbekannten Kandidaten mit angeblich höchsten Qualitäten ins Spiel. „Ich bin seit einigen Monaten diesbezüglich mit einer Persönlichkeit im Gespräch, die ich für sehr geeignet halte. Einen Namen möchte ich aber noch nicht nennen", teilte Zwanziger in einem Interview auf der Homepage des DFB mit.

  1/3  
© dpa Zwanzigers Mann: Erwin Staudt

Am Sonntagnachmittag dann bestätigte der frühere Präsident des VfB Stuttgart, Erwin Staudt, dass er mit Zwanziger über dessen Nachfolge gesprochen habe. "DFB-Präsident zu sein ist eine der schönsten Aufgaben, die es in Deutschland gibt", gab Staudt seine Bereitschaft zu erkennen, das Amt zu übernehmen. Staudt war vor seiner acht Jahre währenden VfB-Präsidentschaft Deutschland-Chef von IBM.

Generalsekretär Niersbach äußert sich derzeit nicht in eigener Sache. In Verbandskreisen wird Zwanzigers Spiel mit einem Kandidaten, der bis Sonntag geheim war, als schädliches Manöver für Niersbach wahrgenommen, der von Franz Beckenbauer ausdrücklich für den Posten empfohlen wird. Zudem könnte Zwanziger schneller an Einfluss verlieren, wenn Niersbach ins Amt käme, statt eines von ihm alleine geförderten Kandidaten. Denn auch wenn Zwanziger als DFB-Chef geht, der Sportpolitiker Zwanziger bleibt dem Verband erhalten: als Exekutivmitglied des Internationalen Fußball-Verbands (Fifa) ist er bis 2015 gewählt, in der Uefa ist er bis 2013 in der Exekutive dabei.

Zwanziger weckte zudem Zweifel, ob Niersbach, der seinen Vertrag als Generalsekretär unlängst bis 2016 verlängerte, für einen Wechsel überhaupt zur Verfügung stünde. Er habe bei ihm schon im vergangenen Jahr vorgefühlt. "Da war er nicht sehr begeistert", sagte Zwanziger. „Er ist der klassische operative Mann, der sehr enge Kontakte in den professionellen Fußball hat, der wahnsinnig gut mit Sponsoren arbeiten kann. Er hat unglaubliche Stärken und wäre auch ein geeigneter Präsident."

Rauball fehlen einflussreiche Unterstützer - neben Beckenbauer

DFB-Vizepräsident Karl Rothmund hat sich am Sonntag schon für Erwin Staudt als Nachfolger von Theo Zwanziger ausgesprochen. „Staudt als Präsident und Wolfgang Niersbach als Generalsekretär, das wäre für mich eine Traumkombination."

Neben Niersbach und Staudt werden Reinhard Rauball, dem Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), die größten Chancen auf die Nachfolge eingeräumt. Rauball dürfte es bei den Amateurvertretern indes mindestens so schwer haben wie Niersbach. Bisher kamen alle DFB-Präsidenten aus dem Ehrenamt. Bei der Wahl haben die Landes- und Regionalverbände 172 Stimmen, der Profifußball 74.

Auch ein Wechsel von der Spitze der immer wieder miteinander konkurrierenden DFL zum DFB wird in Fußballkreisen kritisch gesehen. Zudem fehlen Rauball bisher einflussreiche Unterstützer wie Beckenbauer. „Er ist in meinen Augen der Beste. Er ist einer, der alles kann", sagte Beckenbauer in „Sky" über den 61 Jahre alten Generalsekretär. Niersbach sei auch bei der Fifa und Uefa "gern gesehen", das sei wichtig für den DFB.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

Jüngste Beiträge

Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche

Nicht gewonnen, nicht verloren

Von Peter Heß

Im Formel-1-Tempo sollte in der durch Korruptionsvorwürfe durchgeschüttelten Fifa aufgeräumt werden. Im Moment bewegt sie sich mit der Geschwindigkeit eines Motorrollers. Mehr 1