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Deutscher Fußball-Bund In dubio pro Theo

12.03.2010 ·  Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes heißt weiterhin Zwanziger. Präsidium und Vorstand stärken dem DFB-Chef den Rücken - einstimmig. „Theo gegen den Rest der Welt - das geht nicht“, zitierte Zwanziger auch seine Söhne.

Von Christian Kamp, Frankfurt
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Für Theo Zwanzigers Lächeln interessierte sich niemand. Die Kameras der Fotografen klickten erst, als der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu einem nachdenklichen Mienenspiel wechselte. Zwar rechnete niemand ernsthaft damit, dass Zwanziger seinen Rücktritt bekanntgeben würde bei dieser Pressekonferenz am späten Freitagnachmittag in einem Frankfurter Hotel. Mit Spannung erwartet worden war der Auftritt des in der Schiedsrichteraffäre schwer unter Druck geratenen Präsidenten nach den (planmäßigen) Sitzungen des DFB-Präsidiums und -Vorstands aber allemal. Und Zwanziger, das wurde schnell klar, hatte sich in der Bedrängnis für eine offensive Taktik entschieden: Er stellte nicht, wie mancher erwartet hatte, die Ergebnisse der Arbeitsgruppe zur Reform des Schiedsrichterwesens in den Mittelpunkt. Sondern er redete vor allem in eigener Sache - und das tat er in der dritten Person.

Die Gremien, so sagte Zwanziger, hätten sich „mit der Frage befasst: Wie ist die Situation des Präsidenten, wie stark ist er, hat er das Vertrauen des Vorstands und des Präsidiums?“ Die Antwort dieser kaum verklausulierten Vertrauensfrage fiel, sehr zu Zwanzigers Erleichterung, eindeutig und einstimmig zu Gunsten des ersten Mannes im Verband aus: „Ich habe von niemandem gehört, es wäre besser, wenn wir auf den Theo Zwanziger verzichten würden.“ Alle für Theo und Theo weiter für den DFB: Das war also im Kern das Ergebnis der Beratungen innerhalb der zuletzt in Unruhe geratenen deutschen Fußballfamilie. Während der Woche, in der sich der zuvor in der unappetitlichen Affäre um Amtsmissbrauch und sexuelle Belästigung im Schiedsrichterwesen so redselige Zwanziger auch medial zurückgehalten hatte, schien dieser Ausgang nicht immer sicher gewesen zu sein. In Zwanzigers wahrer Familie, so berichtete er, hätten ihm die eigenen Söhne eines klargemacht: „Papa, Theo gegen den Rest der Welt - das geht nicht.“

Rauball: „Die Liga steht 100 Prozent loyal hinter Zwanziger“

Hatte er also noch genügend Verbündete, die hinter ihm und seinem Führungsstil stehen? Je länger die Woche dauerte, desto deutlicher waren die Stimmen zu vernehmen, die sich für Zwanziger als Präsidenten aussprachen. Vor allem die klaren Voten von Franz Beckenbauer und Ehrenpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder, mit dem Zwanziger in der Vergangenheit schon manchen Strauß ausgefochten hatte, gaben die Tendenz vor, der sich am Freitag auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) anschloss. „Die Liga“, sagte DFL-Chef Reinhard Rauball, „steht 100 Prozent loyal hinter Zwanziger.“ Und er fügte ausdrücklich hinzu, dass das „aus Überzeugung“ der Fall sei und „nicht, weil es zur Beruhigung der Situation beiträgt“. Zwanzigers sehr persönliche Worte an die Delegierten dürften geholfen haben, dass er zumindest fürs Erste einigermaßen glimpflich aus der Angelegenheit kommen konnte.

Neben der - nun beantworteten - Frage nach Zwanzigers Zukunft standen Fragen nach Macht und ihrer Verteilung auf der Tagesordnung. In Bezug auf den früheren DFB-Funktionär Manfred Amerell und seine Tätigkeit im Schiedsrichterwesen sagte Zwanziger: „Es kann nie mehr sein, dass eine solche Machtfülle in der Hand eines einzigen Menschen liegt.“ Das sicherzustellen, liege in den Händen der Arbeitsgruppe um Herbert Fandel. Die Ergebnisse würden in der kommenden Woche endgültig zu Papier gebracht und sollen bei einem außerordentlichen DFB-Bundestag am 9. April in Frankfurt beschlossen werden. „Das Konzept ist gut angenommen worden. Ich habe ein gutes Feedback erhalten“, sagte Fandel, der designierte Nachfolger von Volker Roth als Schiedsrichter-Boss, der auf zwanzig DIN-A4-Seiten ein Konzept zur Reform des Schiedsrichterwesens ausgearbeitet hat.

Schließlich kündigte Zwanziger, der zuletzt für seine „One-Man-Show“ in die Kritik geraten war, auch in Bezug auf die eigene Rolle innerhalb des DFB Selbstbescheidung an. „Weniger Macht ist gut, weniger Öffentlichkeit ist gut, mehr delegieren ist gut. Ich will versuchen, das umzusetzen“, sagte er. Konkret wurde er dabei nicht - genauso wenig wie in der Frage, was er sich vorzuwerfen habe. In der Sache, das stellte Zwanziger noch einmal klar, hätte er nicht anders handeln können. Und weil auch Rauball nichts über die kritischen Anmerkungen verraten wollte, die Zwanziger für sein mitunter fragwürdiges Krisenmanagement mit auf den Weg bekam, blieb die öffentliche Aufarbeitung am Freitag unvollständig. Auf Zwanziger kommt die Aufgabe zu, seine erfolgreich verteidigte Stellung im Verband zumindest ein Stück weit neu zu definieren.

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