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Deutscher Fußball-Bund Goldene Zwanziger-Jahre sind vorbei

11.03.2010 ·  Vordergründig geht es in der DFB-Präsidiumssitzung am Freitag um die Reform des Schiedsrichterwesens. Im Blickpunkt steht jedoch die Rolle des Präsidenten in der Schiedsrichteraffäre. Pünktlich zum Treffen der DFB-Führung muss sich Theo Zwanziger Vorwürfen der Günstlingswirtschaft erwehren.

Von Michael Horeni
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Theo Zwanziger schweigt. Erstmals, wenn auch viel zu spät, hat sich der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Schiedsrichter- und Verbandskrise die notwendige öffentliche Zurückhaltung auferlegt. Diese Woche verging tatsächlich ohne Interview, Pressemitteilung und Fernsehansprache des Präsidenten. Von einer anderen Lieblingsbeschäftigung aber konnte der oberste deutsche Fußballfunktionär nicht lassen: Zwanziger klagt mal wieder. Am Mittwochabend verkündete der DFB nach einem Interview Manfred Amerells, den ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter wegen übler Nachrede und Verleumdung anzuzeigen.

Der in der Affäre um angebliche sexuelle Belästigung seines von ihm abhängigen Kollegen Michael Kempter von seinen Ämtern zurückgetretene Amerell hatte zielgenau vor der DFB-Präsidiumssitzung an diesem Freitag in Frankfurt zum nächsten Schlag gegen den in Bedrängnis geratenen Zwanziger ausgeholt. Amerell wirft Zwanziger vor, Markus Wingenbach, einen Schiedsrichter seines Altendiezer Heimatklubs, in fragwürdiger Weise beim Aufstieg in die Bundesliga unterstützt zu haben.

„Ich stelle mir die Frage, ob er auch die ganze Wahrheit gesagt hat. Hat er auch gesagt, dass dieser Schiedsrichter nicht an erster Stelle stand? Er stand punktgleich an vierter Stelle mit einem weiteren Schiedsrichter, drei standen noch vor ihm. Es wurde ein Schiedsrichter nach oben katapultiert, der nicht an erster Stelle nach den Beobachtungskriterien stand. Da muss man auch sagen: Es haben andere Regeln gegolten, um den Mann nach oben zu bringen.“ Mit anderen Worten: Amerell wirft dem DFB-Präsidenten indirekt Amtsmissbrauch vor.

Zwanziger soll Altendiezer Klubkameraden protegiert haben

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entspricht es den Fakten, dass Schiedsrichter Wingenbach vom VfL Altendiez, als dessen stellvertretender Vorsitzender Theo Zwanziger agiert, noch im Sommer mit Hinweis auf das Leistungsprinzip nicht durchsetzbar gewesen war. Der DFB verweist auf einen Dreiklang aus Leistung, Perspektive und Regionalprinzip, der Wingenbach doch noch die Nominierung eingebracht habe. Auch in Bundesligakreisen ist aufmerksam registriert worden, wie engagiert Zwanziger die Karriere seines Klubkameraden angeblich schon länger begleitet.

Irritiert wurde dort zur Kenntnis genommen, dass der Präsident auf der Präsidiumssitzung am 15. Januar, bei der Wingenbachs Aufstieg bestätigt wurde, das Wort ergriffen und dabei erklärt habe, er sei stolz darauf, dass es ein Schiedsrichter aus seinem Verein bis in die Bundesliga geschafft habe. Schon im Sommer soll sich Zwanziger für Wingenbach stark gemacht haben.

Noch gibt es keine Opposition

Auf der mit Spannung erwarteten Präsidiumssitzung geht es vordergründig um die Reform des Schiedsrichterwesens. Im Blickpunkt steht jedoch die Rolle des Präsidenten in der Schiedsrichteraffäre und welche Konsequenzen der hochdekorierte Toleranzprediger aus seinem unglückseligen Handeln gegenüber einigen Unparteiischen ziehen wird. Die Bundesligaklubs gehen in diesen Tagen auf Distanz. Ligapräsident Reinhard Rauball erklärt Zwanziger zwar als „alternativlos“, was aber nicht als Rückendeckung der Profivereine zu verstehen ist, sondern als Zustandsbeschreibung, da im DFB derzeit keine Opposition erkennbar ist, die Zwanziger gefährlich werden könnte.

Die Liga steht auch seinem Plan für einen außerordentlichen DFB-Bundestag am 30. April ablehnend gegenüber, weil dadurch die Rolle des Präsidiums weiter geschwächt würde. Als Konsequenz aus dem Desaster erwarten Liga und Präsidiumsmitglieder den Abschied Zwanzigers von der „One-Man-Show“ und die Rückkehr zur jahrelang erfolgreichen Arbeit des DFB – dafür müsste der Präsident jedoch Fehler eingestehen und sich teilweise aus dem operativen Geschäft zurückziehen.

Auch aus den Landesverbänden, Zwanzigers Machtbasis, sind bisher keine Solidaritätsadressen zu vernehmen. Anders als noch in vorangegangenen Fällen, bei denen Zwanziger mit Rücktritt drohte, kann der Präsident auch nicht mehr auf Unterstützung von „höchsten politischen Kreisen“ verweisen. Die goldenen Zwanziger-Jahre jedenfalls sind vorbei.

Kritik an Reformplänen

Im DFB-Präsidium regt sich unterdessen Kritik an der Vorlage zur Reform des Schiedsrichterwesens. Trotz positiver inhaltlicher Veränderungen werde keine stärkere Transparenz und bessere Kontrolle geschaffen. Eine „politische“ Verantwortung gegenüber einem zuständigen DFB-Vizepräsidenten ist demnach nicht mehr vorgesehen, obwohl in der Satzung das Ressortprinzip festgeschrieben ist.

„Über eine bessere Kontrolle der Schiedsrichterführung müssen wir noch sprechen“, sagt der wegen fehlender Informationen in der Affäre von seiner Zuständigkeit für die Schiedsrichter zurückgetretene DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Verantwortlich für die Schiedsrichter soll nach den neuen Plänen nur noch einer im Verband sein: der Präsident.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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