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Veröffentlicht: 18.06.2017, 16:12 Uhr

U-21-Auswahl bei EM in Polen Schaulaufen für die A-Nationalmannschaft

Auf insgesamt acht Spieler muss U-21-Cheftrainer Kuntz wegen des Confed Cups verzichten. Doch davon lässt sich die deutsche U-21-Auswahl nicht beirren und hat bei der EM in Polen auch die Weltmeisterschaft 2018 im Sinn.

von , Krakau
© dpa Alles ist auf die WM 2018 ausgerichtet: U-21-Trainer Stefan Kuntz.

Nadiem Amiri gehört in seinem Klub, der TSG 1899 Hoffenheim, nicht zu denen, die immer mitreden wollen. Der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler mit den afghanischen Familienwurzeln liefert auf dem Platz verlässliche Argumente für seine Einstufung als einer der am Ball besten und handlungsschnellsten deutschen U-21-Nationalspieler. Wenn einer wie er kurz vor dem Start der deutschen Mannschaft in das Europameisterschaftsturnier mit fester Stimme sagt: „Wir wollen den Titel holen“, spiegelt das die Überzeugung des gesamten Teams. Noch thronen die deutschen Europameister aus dem Jahr 2009 über allen U-21-Aufgeboten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die davor und danach auf dem Weg zum Gipfel früher oder später ihr Ziel verfehlt haben.

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Das war 2015 zuletzt jene U 21, die in Tschechien als Mitfavorit galt und im Halbfinale mit einer 0:5-Niederlage gegen Portugal krachend scheiterte. Dass bei dem Turnier in Polen, das für Deutschland am Sonntag in Tychy mit dem Spiel gegen die Tschechische Republik beginnt, ein Triumph wie vor acht Jahren, damals unter der väterlichen Anleitung des jetzigen DFB-Sportdirektors Horst Hrubesch, möglich ist, erscheint auf den ersten Blick zumindest zweifelhaft. Schließlich gehören acht Spieler, die jung genug wären, in Polen dabei zu sein, zum Kader der A-Nationalmannschaft, die zeitgleich in Russland beim Confederations Cup im Vorprogramm zur WM den Weltmeister Deutschland repräsentiert.

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Das Handikap, bei den Spielen in Tychy und Krakau auf Stammkräfte wie Niklas Süle, Matthias Ginter, Leon Goretzka oder Timo Werner verzichten zu müssen, beklagt der U-21-Cheftrainer Stefan Kuntz dieser Tage mit keiner Silbe. „Letztlich ist alles der WM 2018 untergeordnet“, sagt der 54 Jahre alte Saarländer, „und das Ziel der U 21 ist es, A-Nationalspieler auszubilden.“ Kuntz lässt sich auch nicht auf Vergleiche mit den großen Vorgängern des Jahres 2009 um die späteren Weltmeister Manuel Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira und Mesut Özil ein. Das passt zu dem Motto, das der Trainer seinem Team um den Wolfsburger Mannschaftskapitän Maximilian Arnold vorgegeben hat: „Schreibt eure eigene Geschichte!“.

Sie verspricht für die Elite der jungen deutschen Fußballprofis schon in den Spielen gegen Tschechien (18. Juni), Dänemark (21. Juni) und Italien (24. Juni) spannend genug zu werden, da es in der Gruppe C wie in den beiden anderen Gruppen des Turniers für zwölf Mannschaften keinen hohen Favoriten und keinen krassen Außenseiter gibt. Nur die drei Gruppenersten und der beste Gruppenzweite schaffen die Nadelöhr-Qualifikation für das Halbfinale am 27. Juni, dem drei Tage später in Krakau das Endspiel folgt.

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Die in ihrer Qualifikationsgruppe von Sieg zu Sieg geeilten Deutschen können die Fünf-Etappen-Reise bis zum Finale schaffen, wenn sie Glück haben und sich ihre spielerische Klasse auch zum Ende einer strapaziösen Saison durchsetzt. „Wenn die Spieler das Ziel haben, die EM zu gewinnen, schließt sich das Trainerteam dem an“, sagt Kuntz, der mit der A-Nationalmannschaft 1996 in England zum Europameister aufstieg.

Dabei ist der in seiner Zeit als Spieler des 1. FC Kaiserslautern im Zweifel zum Optimismus neigende Angreifer nicht frei von Sorgen, wenn er an die Verteidigungskraft in seinem Kollektiv denkt. Seit Dienstag weiß Kuntz, dass sein Abwehrchef Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen) die Reise nach Polen wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel nicht mitmachen kann. Da auch Tahs Kompagnon Niklas Stark (Hertha BSC) wegen einer Ermüdungsreaktion im rechten Fuß beim Trainingslager in Grassau am Chiemsee an keinem Mannschaftstraining beteiligt war, erscheint dessen Einsatz zur Turnierpremiere gegen die Tschechen zumindest zweifelhaft. Kuntz bewahrt sich bis auf weiteres seine Zuversicht in dieser Personalie und sagt: „Wir brauchen Niklas, denn er ist nicht nur ein glänzender Organisator unserer Defensive, sondern als stellvertretender Kapitän auch ein Wortführer unserer Mannschaft.“

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Ähnliche Sorgen wie um die bestmögliche Besetzung der Innenverteidigung plagen den Trainer nicht, wenn er auf sein Prunkstück, das offensive Mittelfeld, schaut. Dort, wo das Spiel gesteuert, beschleunigt und auf den Weg zum Torerfolg gebracht wird, kann Kuntz wie sein Weltmeisterkollege Joachim Löw aus einem Überangebot schöpfen: Er hat die Qual der Wahl zwischen dem Neu-Bayern Serge Gnabry, dem Schalker Max Meyer (beide gehörten 2016 zu den olympischen Silbermedaillengewinnern von Rio de Janeiro), den Neu-Dortmundern Mahmoud Dahoud und Maximilian Philipp, Amiri, dem Freiburger Janik Haberer, dem Berliner Mitchell Weiser und dem Mainzer Levin Öztunali – lauter gestandene Bundesligaprofis. Kuntz weist darauf hin, dass er womöglich auch „Bauchentscheidungen“ treffe, wenn es um Nuancen beim Besetzungspuzzle gehe. „Für uns“, hebt Kuntz als Advokat des Teamgeistes hervor, „zählt der mannschaftliche Erfolg. Da ist derjenige, der nur eine Minute spielt, genauso wichtig wie ein anderer, der alle Spiele mitmacht.“ Gut gesagt und richtig vorhergesagt, wenn sich alle, die es angeht, daran halten.

Erfahren und klug genug, sich gemeinsam stark zu präsentieren, ist das deutsche U-21-Aufgebot, das insgesamt auf 1211 Erstligaeinsätze kommt und damit den Europameistern von 2009 (916) weit voraus ist. Die Erwartungen an die jungen und doch schon etablierten Größen der Bundesliga sind andererseits auch höher geschraubt als früher. Heute ist eine EM der besten europäischen Nachwuchskräfte ein medial komplett ausgeleuchtetes Event, das diesen Fußballsommer neben dem Confed-Cup mitbestimmt. Darin eine eigene Geschichte schreiben zu können, dürfte für die deutschen Eleven Anreiz genug sein, sich mit Leib und Seele in den Kampf um den ersten Preis zu stürzen.

© dpa, reuters Deutschland will beim Confed Cup Experimente wagen

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