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Deutsche Nationalmannschaft Jammern war gestern

20.06.2010 ·  Gegen Ghana soll wieder gejubelt werden: Die deutsche Nationalelf bewahrt nach der Pleite gegen Serbien die Ruhe. Und Bundestrainer Löw sowie Kapitän Lahm verbreiten vor dem „Endspiel“ gegen Ghana Zuversicht.

Von Michael Ashelm, Erasmia
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Am Tag danach zeigte sich ein sehr entspannter Bundestrainer. Er sei am Morgen mit einem guten Gefühl aufgewacht, sagte Joachim Löw und vermittelte demonstrativ den Eindruck, dass die WM-Mission der deutschen Mannschaft problemlos weiterlaufen könnte. „Von so einem Spiel lassen wir uns nicht aus der Ruhe bringen oder nervös machen. Die Mannschaft ist psychisch nicht labil. So komisch es klingt, aber aus solch negativen Erfahrungen lassen sich viele positive Erkenntnisse ziehen.“ Die wärmende Wintersonne und der blaue Himmel über dem Teamhotel passten zur Gemütslage des ersten Mannes bei der Nationalelf.

Es hatte etwas von einer Erklärung zur Lage der Fußball-Nation, als der Bundestrainer am Samstag im Quartier bei Pretoria über die Situation der Mannschaft informierte. Mitgebracht hatte Löw mit Philipp Lahm seinen wichtigsten Spieler auf dem Platz – und der Kapitän folgte seinem Vorgesetzten auf ganzer Linie.

Nach der Enttäuschung vom Freitag und den hängenden Köpfen von Port Elizabeth entwickelte das Team über Nacht ein sicheres Gefühl, doch genug Qualität und Substanz für das erste Duell der Duelle bei dieser WM zu besitzen, um das Achtelfinale ansteuern zu können.

„Hundert Prozent - wir kommen weiter“

Oliver Bierhoff war schon nach dem Schlusspfiff in der Kabine aufgefallen, dass die Niederlage die junge Mannschaft wohl nicht allzu sehr belasten würde. „Ich habe Wut und Enttäuschung gesehen, aber keine Resignation“, berichtete der Manager. Gestern dann wiederholte Lahm dreimal, wovon jeder in der deutschen Fußballelf überzeugt sei. „Hundert Prozent – wir kommen weiter“, sagte der kleine Außenverteidiger vom FC Bayern.

Für ihn als neuen Spielführer, für die ganze Mannschaft und den Bundestrainer wird das dritte Gruppenspiel am Mittwoch gegen Ghana zu einer ersten ernsten Bewährungsprobe werden. Glaubt man den ersten Aussagen und Analysen aus dem Innern der Nationalelf, scheint das Team trotz seiner Jugendlichkeit und seiner zum Teil mangelnden Erfahrung gerüstet zu sein für diese Extremsituation und den Kampf ums Erreichen des Achtelfinals.

Gut präpariert ins Spiel gegangen?

Es besteht die einheitliche Meinung, dass selbst die 0:1-Niederlage gegen Serbien mit dem Platzverweis für Miroslav Klose doch am Ende positiv zu bewerten sei. „Wir haben hier 60 Minuten dominiert“, sagte Löw. Direkt Beteiligte wie der defensive Mittelfeldspieler Sami Khedira vertreten eine ganz ähnliche Meinung wie der Bundestrainer. „Trotz Unterzahl haben wir uns Torchancen erarbeitet. Wir haben gezeigt, dass wir der Aufgabe gewachsen sind“, behauptete der Mann aus Stuttgart.

Das Ergebnis des Spiels bleibt allerdings negativ. Zudem gibt es einige Auffälligkeiten. Gerade die erfahrenen Profis im deutschen Kader mit den meisten Länderspielen in ihrer Bilanz hatten gegen Serbien einige unglückliche Momente. Klose ging nach seiner ersten Gelben Karte zu riskant in den Zweikampf, der für ihn dann das bittere Aus bedeutete. Lukas Podolski verschoss den Strafstoß. Im Fall von Klose und den anderen Verwarnungen stellt sich heute die Frage, ob die deutsche Mannschaft gut präpariert in dieses Spiel mit dem Unparteiischen Alberto Undiano gegangen ist.

Fünf wichtige Spieler gehen vorbelastet in die Partie

Im Nachhinein wurde dessen lockere Hand an der Brusttasche zwar angeprangert. Doch eine Durchsicht der Arbeitsproben des Spaniers hätte gezeigt, wie schnell der Schiedsrichter Verwarnungen gegen Spieler ausspricht. Bei der U-20-WM 2007 verteilte er im Finale zehn Gelbe Karten. In der heimischen Primera Division hält er mit 815 Verwarnungen in 170 Spielen den einsamen Rekord unter den Kollegen – 19 Gelbe Karten zeigte er allein in den vergangenen zwei Partien in Spanien.

Ebenso wenig wusste die Mannschaftsleitung gestern mittag, von welcher Runde an die Gelben Karten gestrichen würden. Eine Auskunft beim Internationalen Fußballverband hätte erbracht, dass dies erst vom Viertelfinale an der Fall ist. Fünf wichtige Spieler gehen vorbelastet in die Partie gegen Ghana: Lahm, Schweinsteiger, Özil, Khedira und Cacau.

Kloses Zweikampfverhalten, Podolskis Elfmeterpanne

Einige der eigenen Unzulänglichkeiten wie Kloses zu forsches Zweikampfverhalten sprach der Bundestrainer am Samstag zwar an. Doch insgesamt sieht er keinen Grund zur Sorge. Auch die Elfmeterpanne Podolskis kommentierte Löw äußerst gelassen. „Gut, dass er die Verantwortung übernommen hat, schlecht, dass der Ball nicht hinein ist ins Tor. Bis Mittwoch müssen wir ja keine Elfmeter mehr schießen, den nächsten wird dann vielleicht Bastian Schweinsteiger übernehmen.“

Mit aller Deutlichkeit verteidigte Löw Schweinsteigers jungen Münchner Kollegen Holger Badstuber, der auf der linken Abwehrseite in einigen Situationen überfordert wirkte und mitverantwortlich war für die Entstehung des Gegentreffers. Das serbische Tor sei aus einer Verkettung von Fehlern entstanden, sagte der Bundestrainer. Er deutete an, an Badstuber als Stammkraft auf der linken Abwehrseite weiter festhalten zu wollen. „Er ist eines der größten Talente, die wir haben. Er wird im nächsten Jahr noch eine großartige Entwicklung nehmen“, sagte Löw über den jungen Münchner.

Lahm rudert nicht zurück: „Die meiste spielerische Qualität“

Zugleich rechtfertigte er seine Marschroute, nach dem Platzverweis von Klose in der 37. Minute mehr als eine halbe Stunde vergehen zu lassen bis zur Einwechslung frischer Kräfte. Auf einen Schlag nahm Löw in der 70. Minute dafür den spielfreudigen Özil und Müller raus. „Wir haben in dieser Phase gut gespielt und gedrückt. Ich wollte erst mal das zweite Tor vermeiden“, sagte er. Özils Herausnahme begründete der Bundestrainer mit seinem persönlichen Eindruck von der Bank, dass sich der zentrale Mittelfeldspieler aus Bremen an vorderster Front aufgerieben hätte. Ernüchtert musste Löw wenig später aber feststellen, dass die frischen Kräfte wirkungslos blieben.

Ist das also noch die Mannschaft, welche vor der Niederlage am Freitag so bejubelt wurde und so viel versprach für das Turnier? Kapitän Lahm hatte vor Serbien behauptet, dass diese Nationalelf die beste sei, in der er bislang gespielt habe. Jene selbstbewusste Einschätzung wollte er auch gestern nicht zurücknehmen. „Ich empfinde das weiter so. Das ist die Mannschaft, welche die meiste spielerische Qualität hat.“

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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