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Deutsche Fußballfrauen Siebter Titel, siebter Himmel

11.09.2009 ·  Der deutsche Frauenfußball feiert seine Dominanz in Europa. Die finnischen Festspiele mit dem 6:2 im Finale gegen England sollen aber nur die Ouvertüre gewesen sein für die große Show in zwei Jahren. FAZ.NET-Spezial zum EM-Titel.

Von Christian Kamp, Helsinki
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Die Europameisterinnen kündigten sich mit Donnerhall an. Heftiges Trommeln dröhnte aus dem Fahrstuhlschacht, noch bevor sich die Tür zum obersten Stockwerk überhaupt geöffnet hatte. Dort, im Szeneclub „The Tiger“ im Zentrum von Helsinki, feierten die deutschen Fußballfrauen bis in die Morgenstunden ihr sportliches Tagwerk, den nunmehr siebten EM-Titel für eine Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Hoch oben über den Dächern der finnischen Hauptstadt ließ sich schon im Augenblick schwelgen und die Anspannung der drei Turnierwochen aus Köpfen und Körpern tanzen. Es war aber auch kein schlechter Ort, um den Blick schon mal ein bisschen in die Ferne schweifen zu lassen: zur Weltmeisterschaft in zwei Jahren in Deutschland.

Sie freue sich so sehr auf dieses Turnier, dass sie am liebsten „jetzt schon damit anfangen“ würde, hatte Simone Laudehr ein paar Stunden vorher gesagt, in den Katakomben des Olympiastadions. Und damit ausgesprochen, was viele der deutschen Spielerinnen empfunden haben dürften an diesem milden Spätsommerabend: Finnland 2009 war ein schönes Erlebnis, aber 2011, das soll noch einmal etwas ganz anderes werden: ein großes Fest des Frauenfußballs, mit vollen Stadien, prickelnder Atmosphäre und einem Weltmeister, der nach Möglichkeit Deutschland heißen möge.

„Wir waren immer mehr beflügelt von unserem Offensivspiel“

In Europa zumindest, das war am Donnerstag deutlich geworden, müssen die deutschen Frauen derzeit keinen Gegner fürchten. Das 6:2 im Endspiel gegen England war das höchste Finalergebnis der EM-Geschichte. Und auch wenn Bundestrainerin Silvia Neid nach diesem mitreißenden Spiel davon sprach, dass das Resultat am Ende etwas zu deutlich ausgefallen sei: Die Extraklasse der Deutschen war, vor allem in der letzten halben Stunde, für keinen der rund 16.000 Zuschauer im Stadion zu übersehen.

Deutsche Fußballfrauen: Siebter Titel, siebter Himmel

3:2 für Deutschland stand es nach den Toren von Birgit Prinz (20. Minute), Melanie Behringer (22.) und Kim Kulig (51.) sowie Karen Carney (24.) und Kelly Smith (55.), als die DFB-Auswahl beschloss, „nur noch nach vorne zu spielen“, wie Simone Laudehr sagte. Danach gab es kein Halten mehr. Zwei Mal Inka Grings (62. und 73.), die mit sechs Treffern Torschützenkönigin wurde, und noch einmal Birgit Prinz (76.) stellten den Endstand her. „Wir waren immer mehr beflügelt von unserem Offensivspiel“, schwärmte Silvia Neid angesichts des begeisternden Endspurts.

6:2, der fünfte kontinentale Titel in Serie, das 26. EM-Spiel ohne Niederlage – da mochte es ein bisschen verwundern, dass die Bundestrainerin davon sprach, dass es „sehr, sehr viel schwieriger“ geworden sei, sich durchzusetzen. Das Niveau, sagte Silvia Neid, sei „ausgeglichener und besser als noch vor Jahren“. Bei diesem Turnier war das allenfalls punktuell zu beobachten. Keine andere Mannschaft war in der Lage, eine ganze Halbzeit lang Dauerdruck auf Gegner und Tor auszuüben, keine andere konnte am Ende noch einmal derart zulegen. Wie schon die Wende im Halbfinale gegen Norwegen verdankten die deutschen Damen auch den klaren Erfolg gegen England nicht zuletzt ihrer konkurrenzlosen physischen Stärke.

Neid wollte mit ihren relativierenden Worten vor allem Stillstand vermeiden. „Wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen“, sagte sie, „sonst gehören wir irgendwann nicht mehr zu den Besten der Welt oder in Europa.“ An den Engländerinnen ließ sich trotz des deutlichen Resultats am besten festmachen, wie viel Fortschritt in wenigen Jahren möglich ist. Im Hinblick auf 2011 – und wohl auch darüber hinaus – soll es den deutschen Frauen deshalb an nichts mangeln. „Nachwuchsförderung ohne Ende“, versprach DFB-Präsident Theo Zwanziger für die kommenden Jahre. Und dass es in Doris Fitschen erstmals eine Managerin für die Frauen-Nationalmannschaft gibt, ist ein gutes Zeichen für eine weitere Professionalisierung der Strukturen.

Am 26. Juni 2011 beginnt das Unternehmen Weltmeisterschaft

Personell hat Silvia Neid gut daran getan, die nötige Verjüngung schon nach dem Titel von 2007 beim Weltturnier in China einzuleiten. Jugendliche Kräfte wie Kim Kulig oder Babett Peter haben sich bestens eingefügt, weitere werden folgen. Es sei unbedingt nötig, „auf der einen oder anderen Position junge Spielerinnen reinzubringen“, sagte Neid, um 2011 einen „schön breit gefächerten Kader“ zu haben. Aber auch die Erfahrenen werden ihr dabei weiter zur Verfügung stehen. Zwar erklärte die 31 Jahre alte Kerstin Stegemann nach 191 Länderspielen ihren Rücktritt aus dem DFB-Team. Birgit Prinz und Inka Grings aber machten deutlich, wie viel ihnen an der Heim-WM liegt. Sie wolle „noch eine Schippe drauflegen“ in den nächsten ein, zwei Jahren, sagte Grings.

Die finnischen Festspiele, darin waren sich alle einig, sollen also nur die Ouvertüre gewesen sein für die große Show in zwei Jahren. „Das war ein wichtiger Titel und eine tolle Vorbereitung auf die WM in Deutschland“, sagte Bundespräsident Horst Köhler, der die deutsche Delegation in Helsinki angeführt hatte. Von der „richtigen Botschaft“ sprach Zwanziger – und Tausende Fans am Freitagnachmittag beim Empfang am Frankfurter Römer bestätigten, dass sie in Fußball-Deutschland angekommen ist. Aber auch, wer tags zuvor von der Terrasse des „Tiger“ genau hingeschaut hatte, sah die Zukunft schon vor Augen. „Das neue Berlin“ war in einiger Entfernung auf einer roten Markise zu lesen. Dort, im Olympiastadion, beginnt für die deutschen Damen am 26. Juni 2011 das Unternehmen Weltmeisterschaft.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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