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Deutsche Fußball-Nationalmannschaft : Glanzvoll, aber noch nicht golden

Ziele im Visier: Bundestrainer Löw muss seine Amtszeit noch krönen Bild: dpa

Der DFB wird den Vertrag mit Bundestrainer Löw verlängern. Ob die Zusammenarbeit aber nach der WM fortgesetzt wird, bleibt offen. Noch ist die Ära zwar glanzvoll, nicht aber golden.

          Es ist nur eine Frage der Zeit, wann der Vertrag mit dem Bundestrainer nach dem letzten Qualifikationsspiel am Dienstag in Schweden für zwei Jahre verlängert wird. Die Unterschrift Joachim Löws unter eine Einigung bis zur Europameisterschaft 2016 wäre für DFB-Präsident Wolfgang Niersbach jedenfalls ein schönes Mitbringsel zum Bundestag des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) in der kommenden Woche. Die Vorgänge von vor ziemlich exakt vier Jahren, als sein Vorgänger ziemlich voreilig eine Vertragsverlängerung mit dem Bundestrainer verkündet hatte und damit den Anfang für eine monatelange öffentliche Diskussionen bis zur Weltmeisterschaft in Südafrika machte, sind Niersbach und Löw bis heute Warnung und Leitlinie genug.

          Ob Löw aber auch mit Vertrag in der Tasche tatsächlich Bundestrainer über die Weltmeisterschaft in Brasilien hinaus bleiben wird, ist jedoch genauso unsicher wie seine Zukunft damals im vertragslosen Zustand. Alleine der Erfolg in Brasilien im nächsten Sommer entscheidet über eine Verlängerung, nicht der gute Wille der Vertragsparteien in diesem Herbst.

          Trotzdem ist es richtig, sich zumindest der Form halber aneinander zu binden, selbst wenn im Vertragswerk schon ganz ausdrücklich Ausstiegsmöglichkeiten für Bundestrainer und Verband vorgesehen sein sollten, wie längst vermutet wird. Der größte Nutzen für den Bundestrainer bei einer Verlängerung selbst mit beschränkter Haftung liegt darin, dieses Thema frühzeitig öffentlich abzuräumen, um sich voll und ganz auf die WM konzentrieren zu können.

          Es lässt sich natürlich trefflich spekulieren, wie eine Weltmeisterschaft ausgehen müsste, damit sich beide Vertragspartner nach ihrer schriftlichen Willensbekundung in zehn Monaten auch tatsächlich voller Überzeugung in die weitere Zusammenarbeit in die Arme fallen. Reicht dafür das Viertelfinale - oder erst das Halbfinale oder gar das Finale? Und wäre der Titel nicht schon wieder zu viel des Guten?

          Glanzvoll, aber nicht nicht golden

          Wie auch immer: Schon heute lässt sich mit Gewissheit sagen, dass Löw in Brasilien mit acht Dienstjahren als Bundestrainer (und zudem zwei Jahren als einflussreicher Assistent) eine Ära des deutschen Fußballs entscheidend geprägt hat, die man glanzvoll, aber eben noch nicht golden nennen kann. Löw wird bei der WM jedenfalls so lange im Amt sein wie kein Bundestrainer seit Berti Vogts; und wenn er tatsächlich auch noch bis zur EM in Frankreich weiter machte, rückte er in Dimensionen eines Helmut Schön aus den sechziger und siebziger Jahren vor.

          Das Team um Löw mit Assistent Flick, Torwarttrainer Köpke und Manager Bierhoff geht im nächsten Jahr auf seine letzte gemeinsame Dienstreise. Im Schatten der Bundestrainer-Entscheidung würde der Verband gerne so geräuschlos wie möglich mit Flick auch den künftigen Sportdirektor präsentieren, der zuvor aber erst noch helfen soll, an Löws Seite die WM zu gewinnen. Bis heute weiß man aber gar nicht, welche Anforderungen und Aufgaben ein Sportdirektor künftig überhaupt übernehmen soll. Immerhin könnte Flick im Notfall, wenn es bei der WM krachend schief geht, auch als Aushilfs-Bundestrainer einspringen, bis der Verband einen Nachfolger gefunden hat, den er heute eigentlich gar nicht haben will.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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          Quelle: F.A.Z.

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