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Deutsche Fußball-Bund Keine Torrichter in der Bundesliga

 ·  Der DFB setzt auf die Torlinientechnologie der Fifa - aber nicht vor der Saison 2013/14. Zudem bietet der Verband seinen Schiedsrichtern eine finanzielle Grundsicherung. Enttäuscht reagierte DFB-Präsident Niersbach auf das Ausmaß der Fifa-Affäre.

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© dpa Das spektakulärste Nicht-Tor der jüngeren Vergangenheit: Deutschland profitierte 2010 von dieser krassen Fehlentscheidung, doch die Engländer nahmen es mit Humor

Deutschlands Spitzen-Schiedsrichter erhalten ab sofort mehr Geld und von der Saison 2013/14 an technische Hilfe. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zahlt den Bundesliga-Referees künftig pro Spielzeit eine finanzielle Grundabsicherung. Der Mindestbetrag liegt bei 15.000 Euro für die Zweitliga-Schiedsrichter, die fünf Fifa-Schiedsrichter der Elite-Klasse erhalten das Maximum von 40.000 Euro. Insgesamt berappt der DFB pro Saison eine Million Euro.

„Das ist keine Revolution, aber eine Reform“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach am Samstag bei der Schiedsrichtertagung in Altensteig-Wart. „Das ist ein wunderbares Signal, über das wir sehr froh sind“, erklärte DFB-Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel. Es sei ein gutes Gefühl, dass der Verband den Weg der Professionalisierung mitgehe. „Profi-Schiedsrichter wird es aber auch künftig nicht geben. Das ist nicht gewollt, das machen wir nicht“, stellte Niersbach klar.

Neben den zusätzlichen Einnahmen dürfen sich die Unparteiischen ab sofort auch über eine bessere medizinische Betreuung bei den Spielen freuen. Künftig steht ihnen bei jedem Einsatz ein Physiotherapeut zur Verfügung. Die fünf Top-Verdiener sind Wolfgang Stark, Felix Brych, Florian Meyer, Manuel Gräfe und Deniz Aytekin. Fifa-Schiedsrichter und die Schiedsrichter der Bundesliga mit mehr als fünf Jahren Erfahrung erhalten 30.000 Euro. Alle anderen Bundesliga-Schiedsrichter bekommen 20.000 Euro.

Wie für die Zweitliga-Referees sind auch für die Fifa-Assistenten 15.000 Euro eingeplant. In der Bundesliga reduziert sich der Betrag auf 10.000 Euro und in der zweiten Bundesliga auf 2500 Euro. Unverändert bleiben die Spielhonorare. In der Bundesliga werden weiterhin pro Einsatz 3800 Euro bezahlt, in der zweiten Bundesliga 2000 Euro. Die Assistenten im Oberhaus erhalten ebenfalls 2000 Euro, die im Unterhaus 1000 Euro. Bei den vierten Offiziellen gibt es 1000 Euro bzw. 500 Euro. Laut Fandel werden in der kommenden Saison 22 Unparteiische im Oberhaus und 20 Schiedsrichter in der zweiten Liga zum Einsatz kommen.

Die vom Weltverband Fifa erlaubte Torlinientechnologie steht dann noch nicht zur Verfügung. „Der DFB und die Deutsche Fußball Liga sind für die Einführung. Aber das geht nicht vor der Saison 2013/14“, sagte Niersbach. Er machte unmissverständlich klar, dass der DFB in Zukunft ganz auf die Technik setzen werde. „Wir sind uns mit unseren Schiedsrichtern einig, dass wir, anders als die Uefa, nicht die Torrichter einführen werden“, erklärte er.

Auch Fandel sprach sich deutlich gegen das von der Europäischen Fußball-Union favorisierte System mit zwei Torrichtern aus. „Es gaukelt etwas vor, was es nicht halten kann: Fehlerlosigkeit. Da wird nur die Verantwortung von einem Menschen auf den anderen Menschen verlagert“, sagte Fandel. Niersbach rechnet allerdings nicht damit, dass die Torlinientechnologie im DFB-Pokal zum Einsatz kommt, weil sie für die Amateurvereine zu teuer ist. „Da geht es um die Einheitlichkeit des Wettbewerbes. Deshalb sehe ich das nicht“, meinte der DFB-Chef.

„Wir stehen zu den Stehplätzen“

DFB-Präsident Niersbach hat unterdessen erleichtert auf die Ankündigung von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich reagiert, die Stehplätze in den Fußballstadien nicht zur Disposition zu stellen. „Wir haben immer gesagt, wir stehen zu den Stehplätzen. Das ist unser unveränderter Standpunkt“, sagte Niersbach.

Er erwartet auf dem Sicherheitsgipfel am Dienstag in Berlin einen Schulterschluss zwischen allen Beteiligten. „Wir wollen keine Panik machen und keine Negativstimmung erzeugen. Aber die Situation ist ernst. Ich setze darauf, dass wir das gemeinsam in den Griff bekommen. Es müssen klare Bestimmungen herauskommen“, erklärte der DFB-Chef.

Er bekräftigte, dass auch künftig keine Pyrotechnik in den Stadien abgebrannt werden darf. „Da werden wir klare Verbotsschilder aufstellen und klare Antworten geben. Das sind Dinge, über die auch nicht diskutiert werden kann. Das hat mit Ordnung im öffentlichen Raum zu tun. Daran müssen sich alle halten“, sagte Niersbach.

Auch bei den Schiedsrichtern stand das Thema Sicherheit nach den diversen Vorfällen in der vergangenen Saison auf der Agenda. „Wir müssen transparent machen, wie wir verfahren. Wenn diese Feuergeschichten weiter stattfinden, muss auch abgebrochen werden. Das ist ein Mittel, was dem Fußball nicht guttut, aber ein klares Signal sendet“, sagte DFB-Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel.

„Es ist ein schockierender Fakt“

Niersbach zeigte sich zudem vom Ausmaß der Fifa-Korruptionsaffäre geschockt und reagierte enttäuscht auf die Reaktion von Fifa-Präsident Sepp Blatter. „Ich spreche für das gesamte DFB-Präsidium, wenn ich sage: Wir sind erschüttert. Es ist ein schockierender Fakt“, erklärte der DFB-Chef.

Die in den Akten der Staatsanwaltschaft Zug belegten und Mitte der Woche öffentlich gewordenen Schmiergeldzahlungen an hochrangige Fifa-Funktionäre haben Niersbach tief getroffen. „Diese Dinge, die über Jahre als Spekulation, als Gerücht, als Verdacht durch die Welt waberten, sind nun amtlich geworden. Man mag mich ruhig als naiv einstufen, aber bis zum Moment der öffentlichen Verkündung habe ich das nicht glauben können“, sagte er.

Wie Ligapräsident Reinhard Rauball und Fifa-Exekutivmitglied Theo Zwanziger ging auch Niersbach auf Distanz zu Blatter, der die Vorfälle verharmlost hatte. „Genauso schockiert bin ich über die Reaktion des Fifa-Präsidenten. Wenn nicht unbedeutende Entscheidungsträger der Fifa offensichtlich Geld kassiert haben und dann gesagt wird, es war damals nicht verboten, ist das eine Reaktion, von der wir als DFB uns nur total distanzieren können“, erklärte Niersbach.

Anders als Rauball wollte Niersbach den Fifa-Boss jedoch nicht zum Rücktritt auffordern. „Wenn so eine Situation passiert, ist zuerst der Betroffene gefragt. Die Frage nach einem Rücktritt kann nur der Betroffene selbst beantworten“, sagte Niersbach.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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