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Deutsche Frauen gewinnen Algarve-Cup : Auf der Suche nach der individuellen Klasse

Sitzfußball in Faro: Deutschlands Frauen im Kampf gegen Weltmeister Japan Bild: AFP

Die deutschen Fußball-Frauen gewinnen 3:0 gegen Japan und damit zum dritten Mal den Algarve-Cup. Trotzdem muss bis zur WM noch einiges besser werden.

          War das ein Warnschuss? Beim Algarve-Cup ist dieser Tage eine kleine Erfolgsserie zu Ende gegangen. Zwar hat sich das deutsche Frauenfußball-Nationalteam am Mittwoch durch ein 3:0 gegen Weltmeister Japan nach Toren von Nadine Keßler (47.), Anja Mittag (49.) und Dzsenifer Marozsan (61.) zum dritten Mal den Turniersieg bei der zehnten Teilnahme an dem prestigeträchtigen Vorbereitungsturnier an Portugals Atlantikküste gesichert.

          Aber im vorangegangenen letzten Gruppenspiel misslang Nadine Angerer am Montag etwas, was ihr im vergangenen Sommer noch so traumwandlerisch sicher gelungen war: Die 35 Jahre alte deutsche Nationaltorhüterin parierte einen Strafstoß einer Norwegerin ausnahmsweise nicht, nachdem die Spielführerin im Endspiel der EM im vergangenen Juli noch mit zwei abgewehrten Strafstößen gegen den selben Gegner zur Sieggarantin und anschließend gar bei den entsprechenden Wahlen zur besten Fußballspielerin Europas und der ganzen Welt avancierte. Nun aber musste die ab Ende März bei den Portland Thorns in den Vereinigten Staaten angestellte Schlussfrau den Ball aus dem Netz holen. Der Treffer erinnerte daran, dass sich die Europameisterinnen eben nicht allein auf Glanztaten ihrer Kameradin verlassen sollten, wenn sie weitere Spiele und Titel gewinnen wollen. Gegen Norwegen gelang es den zehn im Feld spielenden Kolleginnen ganz gut, sie drehten den frühen Rückstand in einen 3:1-Erfolg.

          „Wir brauchen individuelle Klasse“

          Silvia Neid dürfte es durchaus recht gewesen sein, dass Nadine Angerer nicht ein weiteres Mal ihren Nimbus der Unbezwingbarkeit aufrechterhalten konnte. Denn die Bundestrainerin sensibilisierte ihre Spielerinnen in den Tagen an der Algarve ohnehin dafür, dass in Hinblick auf die WM im Sommer 2015 auch andere wieder einen größeren Teil jener Verantwortung übernehmen müssen, die die routinierte Dienstälteste im Kader zuletzt auf ihre starken Torfrauschultern geladen hatte.

          Die Bundestrainerin hofft, dass sich zwei bis drei ihrer Feldspielerinnen dem Niveau ihrer Torhüterin anpassen und den Sprung aus dem Feld international brauchbarer Spielerinnen in die Weltklasse schaffen - was nach einem Kreuzbandriss für die talentierte Leonie Maier besonders schwer wird. „Wir brauchen zu unserer Teamstärke von der EM individuelle Klasse, wenn wir nach ganz vorne wollen“, sagt Silvia Neid. „So werden Spiele beispielsweise gegen Amerika entschieden.“

          Beim Algarve-Cup kam es nicht zum Spiel gegen die Vereinigten Staaten, weil die Amerikanerinnen nach zuvor 45 Spielen ohne Niederlage nach Niederlagen gegen Schweden und Dänemark lediglich Platz sieben erspielten. Von diesem Schwächeanfall dürfen sich die Deutschen freilich nicht blenden lassen. In den Staaten beginnt erst in drei Wochen die Spielzeit, zum WM-Turnier werden die Amerikanerinnen bestens vorbereitet ins Nachbarland Kanada reisen.

          Dort dürfte dem Favoriten entgegenkommen, dass trotz Protesten der europäischen Verbände wohl auf Kunstrasen gespielt wird. Die Umstellung auf das ungewohnte Geläuf ist für die DFB-Frauen, die die WM-Qualifikation nach bislang fünf Siegen und 40:0 Toren bereits so gut wie sicher haben, nicht die einzige Hürde auf dem Weg nach Kanada. Zudem lässt der europäische Terminkalender im Fall einer wahrscheinlichen Qualifikation eines oder gar zweier deutscher Teams fürs Champions-League-Finale 2015 kaum zwei Wochen Vorbereitungszeit. Entsprechend hat die Bundestrainerin an der Algarve an die Eigenverantwortung ihrer Spielerinnen appelliert. „Sie hat uns dafür sensibilisiert, dass wir mit einer anderen Situation als sonst vor Turnieren zurechtkommen müssen. Wir sollen uns beispielsweise darauf einstellen, selbstständig Ausdauereinheiten einschieben zu müssen“, sagt Lena Goeßling, die als Überraschungs-Dritte der Weltfußballerinnenwahl eine derjenigen ist, die zur Weltklassespielerin reifen soll. Mit anderen Worten: Die Vorbereitung auf die WM hat in Portugal begonnen.

          Korrektur: In einer ersten Version des Textes haben wir die Information transportiert, dass Nadine Angerer beim anstehenden Qualfiikationsspiel wegen des Saisonstarts in der amerikanischen Profiliga fehlen wird. Nadine Angerer wird aber fürs Nationalteam freigestellt. Wir bedauern den Fehler.

          Quelle: F.A.Z.

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