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Deutsche Abwehr Verletzungen und Formschwächen

02.09.2010 ·  Die Abwehr der Fußball-Nationalmannschaft bereitet Bundestrainer Löw Sorgen. Einst galt Tasci als Mann der Zukunft, jetzt steht er nicht mal im Aufgebot. Auch Friedrich, Boateng und Aogo fallen aus. Nur Lahm und Mertesacker sind feste Größen.

Von Michael Ashelm
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Nachdem ihn der Bundestrainer vor drei Jahren erstmals in den Kader der Nationalmannschaft berufen hatte, schien sich die fußballerische Zukunft des jungen Serdar Tasci mehr als rosig darzustellen. „Er ist der kommende Mann und kommt meiner Idealvorstellung von einem Innenverteidiger sehr nahe“, befand damals Bundestrainer Joachim Löw. Der Aufstieg des Stuttgarter Profis zu einem Defensivspezialisten von internationalem Format hat sich aber bislang nicht in dem vermuteten Maße erfüllt - viel schlimmer für den Betroffenen: die Karriere hängt gewaltig.

Aktueller Tiefpunkt war Tascis Reservistendasein im Verein und die Nichtberücksichtigung für den Auftakt der Nationalelf in die Qualifikation zur Europameisterschaft. Der 23 Jahre alte Deutschtürke gehört am Freitag gegen Belgien (20.45 Uhr) nicht einmal mehr zur Gruppe der Ersatzspieler. Er ist nicht ein Gewinner, sondern einer der Verlierer des deutschen Aufschwungs.

Eklatante Formschwächen und viele Verletzungen

Tascis Fall hat nicht nur eine persönliche Dimension. Die Probleme des Spielers kennzeichnen zugleich die Schwierigkeiten in der Defensivabteilung der Nationalelf, wo schon seit längerem die personelle Konstanz fehlt. Entweder durchkreuzten eklatante Formschwächen einzelner Spieler oder Verletzungen die Einsatzpläne des Bundestrainers. Die Abwehrreihe erfuhr somit notgedrungen ständige Veränderungen.

Zur Weltmeisterschaft hatte Löw auch Glück, profitierte die Mannschaft im hinteren Teil doch im großen Maße von Arne Friedrich, dessen souveränes Auftreten in der zentralen Position zu einer der größten Überraschungen im Team zählte. Friedrich kam in den WM-Genuss, weil sich vor dem Turnier Allrounder Heiko Westermann verletzt hatte, während der Spezialist Tasci in der Bundesligasaison eine Bestätigung seines Talents schuldig geblieben war. Der Stuttgarter spielte bei der WM am Ende nur eine einzige Minute - im letzten Spiel um Platz drei.

Im Laufe des WM-Turniers setzte der Bundestrainer auf der linken Abwehrseite in Holger Badstuber, Jerome Boateng, Marcell Jansen und Dennis Aogo gleich vier Spieler ein, ohne zu einem besonderes Vertrauen aufgebaut zu haben. Einzig feste Größen im Abwehrverbund sind über die Jahre gesehen nur Philipp Lahm als rechter Außenverteidiger und der Innenverteidiger Per Mertesacker. Das ist auch diesmal wieder so.

Diesmal fallen Friedrich, Boateng und Aogo aus

Für die beiden Qualifikationsspiele erst in Belgien und dann in Köln gegen Aserbaidschan dreht sich das Besetzungskarussell in der Defensive munter weiter. Friedrich fällt wegen seines Bandscheibenvorfalls und der notwendigen Operation mindestens drei Monate aus, ebenso passen müssen die angeschlagenen Boateng und Aogo, während Tasci wegen fehlender Spielpraxis diesmal die Einladung in den erlauchten Kreis der besten Fußballer des Landes versagt blieb.

Dafür steht der ehemalige Schalker Westermann wieder zur Verfügung, der zur neuen Saison den Verein wechselte und beim Hamburger SV von Trainer Armin Veh gleich zum Kapitän ernannt worden ist. Seine ersten Saisonauftritte an der Seite des niederländischen Nationalspielers Joris Mathijsen wirkten überzeugend.

Jansen ist ein gutes Beispiel für den stetigen Wechsel

Auch Badstuber wäre ein Kandidat, um an der Seite von Mertesacker ein neues Innenverteidigerpärchen zu bilden, nachdem der junge Münchner beim FC Bayern von Trainer Louis van Gaal als Nachfolger des ausgemusterten argentinischen Nationalspielers Martin Demichelis auf eben diese Position gestellt wurde und dort vorerst das Vertrauen genießt.

Im Gegensatz zum 27 Jahre alten Westermann fehlen Badstuber allerdings noch die Erfahrungswerte - zudem ist der Neu-Hamburger torgefährlich. Und weil Löw bei den anfänglichen WM-Auftritten des jungen Münchners auf der linken Abwehrseite noch Schwächen erkannte, könnte dieser auch dort erst einmal leer ausgehen. Wohl eher dürfte Marcell Jansen nach jetzigem Stand den Vorzug erhalten, der sich selbst im Aufschwung begriffen sieht.

Ob Löw je eine eingespielte Abwehrreihe bekommt?

Jansen ist ein gutes Beispiel dafür, wie wechselhaft sich die Situation im Abwehrbereich der Nationalmannschaft darstellt. Er gehörte bei der Europameisterschaft 2008 zum festen Stamm, bis ihn schwächere Leistungen, aber vor allem Verletzungen aus dem Tritt brachten. Bei dem EM-Turnier vor zwei Jahren gehörte Christoph Metzelder noch als zweiter Innenverteidiger neben Per Mertesacker zur ersten Elf Deutschlands, bis er bei Real Madrid in der Versenkung verschwand. Bei Schalke 04 probiert der bald 30 Jahre alte Metzelder einen Neuanfang, im regelmäßigen Spielbetrieb wieder Fuß zu fassen. Sein erklärtes Ziel ist - natürlich die Nationalmannschaft.

Nicht nur wegen seines Alters dürfte sich aber Serdar Tasci konkretere Hoffnungen auf eine Rückkehr machen. Immerhin konnte er für den VfB Stuttgart am Sonntag gegen Borussia Dortmund sein Saisondebüt an der Seite von Khalid Boulahrouz und Georg Niedermeier geben - ohne der waskligen Schwaben-Abwehr freilich große Stabilität zu verleihen. Der Bundestrainer wird den Weg seines einstigen Lieblings mit Interesse verfolgen. Ob Löw je eine eingespielte Abwehrreihe bekommt, ist allerdings weiterhin fraglich.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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