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Deutsch-britisches Verhältnis Eine gewisse Rivalität

22.08.2007 ·  Der Begriff „Freundschaftsspiel“ hat in den Augen deutscher Diplomaten in London in jüngerer Zeit eine ehrlichere Bedeutung gewonnen. Selbst das Wembley-Tor erscheint auf englischer Seite plötzlich in einem neuen Licht.

Von Johannes Leithäuser, London
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Der Begriff „Freundschaftsspiel“ hat in den Augen deutscher Diplomaten in London in jüngerer Zeit eine treffendere, womöglich ehrlichere Bedeutung gewonnen, sofern er auf die Begegnungen der englischen und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft angewendet wird.

Am Vorabend der jüngsten Begegnung beider Mannschaften im neuen Wembley-Stadion beteuerte der deutsche Botschafter Ischinger, das deutsch-britische Verhältnis, welches ja in der Vergangenheit auch immer von einer „gewissen Rivalität“ geprägt gewesen sei, habe sich vor allem dank der Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Jahr sehr deutlich ins Freundschaftliche gewendet.

Unerhörtes Eingeständnis

Kein anderes Ereignis, keine andere politische Initiative habe in England ein solch positives Echo gefunden wie die deutsche Gastgeberrolle für den Weltcup, stellte Ischinger anlässlich eines Empfangs in der deutschen Botschaft fest. Die Fußballverbandsfunktionäre beider Seiten nickten zustimmend, und ein britischer Ehrengast, der Staatsminister für Außenhandel Sir Digby Jones, bewies auf der Stelle, dass die vertrauensvolle Konzilianz der Engländer gegenüber den Deutschen offenbar tatsächlich stark gewachsen sein muss. Digby Jones verkündete, seiner Ansicht nach sei der Ball damals, beim dritten Tor der englischen Mannschaft im WM-Endspiel gegen die Bundesrepublik (Wembley 1966) „auf der Linie gewesen, aber nicht drüber“.

Vielleicht entsprang das unerhörte Eingeständnis Sir Digbys der Absicht, eine höfliche Gegengabe anzubieten für allerlei Forderungen, mit der er den Rest seiner Ansprache bestritt - schließlich ist der Staatsminister für Außenhandel ja nicht für Sportfragen, sondern für das Anwerben ausländischer, also auch deutscher Investoren zuständig.

Womöglich hatte Sir Digby zuvor aber auch bloß die jüngste Umfrage unter englischen Fußballfans gelesen, wonach die meisten schon lange nicht mehr den alten Sieg des Jahres 1966 im Sinn haben, wenn sie die Überlegenheit des englischen Fußballs über den deutschen belegen wollen, sondern sich zu diesem Zweck lieber an „den Sound von München“ erinnern. Dort besiegte das englische Team die deutsche Mannschaft 5:1, dieser Triumph ist erst sechs Jahre alt. Die Erhebung, die allerdings von einem Werbepartner des englischen Fußballverbands auf einer schmalen Basis von Befragten unternommen wurde, lieferte ein weiteres überraschendes Ergebnis: 54 Prozent der deutschen Fans sängen im Stadion ihre Nationalhymne, nur ein Drittel der englischen Fans stimmten in die britische Hymne ein.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent in London.

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