http://www.faz.net/-gtl-932wa

Regionalliga : Mia san Sechzig – zurück zu den Wurzeln

  • -Aktualisiert am

Wieder daheim: 1860 spielt im „Gründwalder“ Bild: dpa

1860 München hat mit seinem Abstieg wieder zu sich gefunden. Nach Jahren der Identitätssuche ist er nun in der Regionalliga wieder auf dem Weg zum volksnahen Traditionsverein.

          Auf der einen Seite versperrten die Polizisten den Weg, auf der anderen Seite eine Reihe von Einsatzwagen. Die in blau und weiß gekleideten Fans waren vor dem Stadion eingekesselt und mussten noch lange nach Schlusspfiff ausharren, ehe sie den Heimweg antreten durften. Aber sie ertrugen die Wartezeit gut, murrten höchstens leise. Und auch nicht wegen der Polizisten, sondern wegen des Spiels, des 0:1 im Regionalliga-Derby gegen die zweiten Mannschaft des FC Bayern.

          Die Anhänger des TSV 1860 München sind seit jeher leidensfähig, und sie haben gelernt, geduldig zu sein. Wobei sich das mit dem Leiden ein wenig relativiert hat in dieser Saison. Zwar haben die „Löwen“ am Sonntag durch das Tor von Fabian Benko zum zweiten Mal nacheinander verloren und zum dritten Mal insgesamt, aber die Situation ist nach 17 Spielen immer noch komfortabel. Sechs Punkte beträgt der Vorsprung auf den ersten Verfolger, die zweite Mannschaft des FC Ingolstadt. „Man kann nicht immer in der Sonne stehen“, sagte Trainer Daniel Bierofka, „man muss auch mal Regen verkraften können.“

          Die große Regenzeit hatten die „Löwen“ im Mai und Juni erlebt, als sie nach dem sportlichen Abstieg die Auflagen für die Dritte Liga nicht hatten erfüllen können, weil Investor Hasan Ismaik die erforderliche Zahlung verweigert hatte. Aber seit dem Auftakt in der Regionalliga schien für den Verein fast nur noch die Sonne, gelegentliche dunkle Wolken verzogen sich rasch wieder.

          Der TSV 1860 hat mit dem Abstieg wieder zu sich gefunden, zu seinen Wurzeln, und das hat nicht nur mit der Rückkehr ins Grünwalder Stadion zu tun, dieser maroden Spielstätte am Rande des ehemaligen Arbeiterviertels Giesing. Für Präsident Robert Reisinger bedeutet die Regionalliga Konsolidierung und die Chance, Sechzig „wieder näher zu den Menschen zu bringen, die diesen Verein lieben“. Jahrelang, eigentlich seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga 1994, hat der TSV 1860 versucht, mit dem FC Bayern mitzuhalten, statt sich bewusst abzugrenzen. Sportlich verlor Sechzig den Lokalrivalen nach dem Abstieg immer weiter aus den Augen, finanziell erst recht. Und die Liaison mit dem jordanischen Investor Ismaik schien dem Verein auch noch das letzte Stück der eigenen Identität zu nehmen.

          Zurück zum volksnahen Traditionsverein

          Ismaik ist zwar noch immer da, aber es ist ruhig geworden um ihn. Vor ein paar Tagen meldete er sich zum ersten Mal einmal seit Juni, aber nur um zu versichern, dass er weiter nicht daran denke, seine Anteile zu verkaufen. Bei den Fans scheint der Investor mittlerweile kein großes Thema mehr zu sein. Basis und Mannschaft sind zusammengerückt im Grünwalder Stadion. Da stört es auch erst einmal nicht, dass die Spielstätte höchstens noch die Anforderungen der Dritten Liga erfüllt, aber sich der Verein bei einer Rückkehr in die Zweite Liga eine neue Bleibe suchen müsste. In die Arena draußen in Fröttmaning können die „Löwen“ nicht mehr zurück, ins Olympiastadion vermutlich auch nicht.

          Löwen von der Leine: 1860 dominiert die Regionalliga Bilderstrecke
          Löwen von der Leine: 1860 dominiert die Regionalliga :

          Sechzig scheint nun wieder zu werden, was der Verein einmal war: ein volksnaher Traditionsverein. Romantiker sehnen sich in Zeiten der Globalisierung und eines überhitzten Marktes nach diesem ehrlichen Fußball, den in ihren Augen 1860 zeigt. Die „Löwen“ müssen keine Dolmetscher mehr beschäftigen für eine aus halb Europa und Südamerika zusammengekaufte Mannschaft, sondern die Spieler kommen nun fast alle aus Bayern. Die Fans, die nach der verlorenen Relegation gegen Regensburg die Nordtribüne in der Arena verwüstet hatten, benehmen sich zumindest bei Heimspielen gesittet.

          Das Derby am Sonntag war als Hochrisiko-Spiel eingestuft worden, auch weil in den vergangenen Jahren, als statt der ersten die zweite Mannschaft von Sechzig in der Regionalliga spielte, es bei den Duellen mit den Bayern fast immer zu Ausschreitungen gekommen war. Dieses Mal blieb es rund ums Stadion ruhig. Drinnen stichelte der Sprecher gegen die Bayern. Fans beschimpften die „Roten“ mit „Wir singen Scheiß-FC-Bayern“. Die kleine Schar gegnerischer Anhänger wehrte sich mit einer Rauchbombe. Derbycharakter kam nur einmal auf, als ein paar Minuten vor dem Ende der Sechziger Nicholas Helmbrecht den Bayern Franck Evina rüde umgrätschte – und das vor der Bank der Gäste. Dass der Übeltäter nur die Rote Karte bekam und nicht auch noch die geballte Wut des Gegners hautnah zu spüren, hatte er den Betreuern und Trainern der Bayern zu verdanken. Die schützten ihn vor ihren heranstürmenden Spielern – ganz derbyuntypisch.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Kaiserslautern weiter in großer Not

          2. Liga am Sonntag : Kaiserslautern weiter in großer Not

          Beim Einstand des neuen Trainers gegen Duisburg hat der FC St. Pauli seine sportliche Talfahrt nicht stoppen können. Arminia Bielefeld verpasst den Anschluss an die Spitzenplätze und Kaiserslautern den dritten Saisonsieg.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Besser mieten, kaufen, wohnen : So erstklassig sind Deutschlands 1-b-Städte

          Alle wollen nach Berlin, München oder Hamburg? Wer eine Immobilie kaufen will, sollte dort nicht länger suchen. Anderswo lässt es sich komfortabler wohnen – und viel mehr Geld verdienen. FAZ.NET zeigt die attraktivsten Städte abseits der Metropolen.

          Chaos bei den Liberalen : Die unklare Kante der FDP

          Die FDP wird in dieser Wahlperiode Opposition sein. Sagt Christian Lindner. Oder vielleicht, hoffentlich, unter gewissen Umständen doch regieren. Sagen andere in der Partei. Ja, was denn nun?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.