Home
http://www.faz.net/-gtm-73gdw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Der Trainer, die Medien und die Fans Im Preis enthalten

 ·  Von Peter Heß

Artikel Lesermeinungen (1)

Nehmen wir einfach an, Bruno Labbadia habe Recht und alle an ihn gerichteten Vorwürfe seien falsch. Das Verhältnis des VfB-Trainers zu seinen Stuttgarter Fußballprofis ist also in Ordnung, er fördert die Talente des Vereins und er hat ein Händchen für Auswechslungen. Dann müssen die kritischen Medienberichte und die Pfiffe der VfB-Fans ein riesengroßes Ärgernis für ihn sein und sein Gerechtigkeitsempfinden nachhaltig stören. Darauf mit einer Rede zu reagieren, wie sie der 46 Jahre alte Fußball-Lehrer nach dem 2:2 seiner Mannschaft gegen Bayer Leverkusen am Sonntagabend öffentlich hielt, ist zwar nachvollziehbar, aber dennoch falsch.

Trainer seien keine Mülleimer, keine Deppen, über sie dürfe nicht einfach die Unwahrheit verbreitet werden. Diese Verhältnisse führten dazu, dass es in Stuttgart die Trainer nur wenige Monate aushielten und dass man sich als Mitglied dieser Zunft frage, ob man den schweren Weg, den der VfB gehen müsse, mitgehen wolle oder sage: „Am A... geleckt.“

Bruno Labbadia machte auf der Pressekonferenz den Eindruck, als habe er die Ansprache vorbereitet. Lange blieb er ruhig, seine Stimme hob sich erst, als er den Allerwertesten ins Spiel brachte. Von einer Kurzschlusshandlung nach einer akuten emotionalen Überspannung wie damals bei Rudi Völler kann also nicht die Rede sein. Der damalige DFB-Teamchef hatte sich über eine gerade erfolgte Fernsehkritik aufgeregt und spontan den nächsten Moderator beschimpft.

Also - keine mildernden Umstände für Labbadia. Er wollte nach längerem Nachdenken etwas loswerden, aber er richtete seine Worte an alle - und damit zu 99 Prozent an die Falschen. Wenn Unwahrheiten in einigen Medien verbreitet werden, dann muss sich Labbadia direkt mit ihnen auseinandersetzen, gegebenenfalls juristisch. So wirkten die Hinweise darauf nur wie ein Jammern. Die Pfiffe des Publikums mögen ungerecht sein, gehören jedoch zum Berufsrisiko und werden durch die Höhe der Trainergehälter abgegolten. Trainer sind für manche Fans Mülleimer und Deppen, so bedauerlich das ist, aber das Abreagieren ist bis zu einem gewissen Maße im Honorar inbegriffen.

Dass Labbadia diese Unmutsäußerungen überhaupt so nah an sich rankommen lässt, wirft die Frage auf, ob er die richtige Konstitution hat, um langfristig erfolgreich als Trainer arbeiten zu können. Am Entlarvendsten ist aber Labbadias kaum verhüllter Hinweis, er könnte zurücktreten, wenn ihm die Öffentlichkeit weiterhin respektlos begegne. Davon seine Zukunft abhängig zu machen, ist wenig professionell. Entweder kann Labbadia den VfB-Sparkurs mittragen, dann muss er auch ohne Aufmunterung von außen seine Arbeit verrichten. Oder er sieht wegen der Geldknappheit keine Chance auf sportliche Erfolge, dann muss er gehen, bevor sein Ruf durch Niederlagen leidet. Denn Nachsicht kann kein Fußballtrainer erwarten, wenn die Ergebnisse nicht stimmen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1959, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Umfrage

Wer gewinnt das Champions-League-Finale 2013?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Schweres Erbe

Von Peter Hess

Gesiegt haben die Bayern früher schon, aber noch nie so schön wie in dieser Saison. Pep Guardiola ist um seinen Job als Nachfolger von Jupp Heynckes wirklich nicht zu beneiden. Mehr 3