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Der „Schuh-Krieg“ Auf eigenen Füßen

16.08.2006 ·  Wenn es um die Schuhe geht, sind die deutschen Ballkünstler empfindlich. Die Elitekicker wollen Schritt für Schritt ein fränkisches Monopol aushöhlen. Nun ist die Diskussion über's Schuhwerk neu entfacht. Eine Glosse von Roland Zorn.

Von Roland Zorn
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Die Einheitlichkeit der Verhältnisse ist noch nicht gefährdet. Im Adidas-Trikot nebst Hose und Stutzen werden die deutschen Fußball-Nationalspieler auch in Zukunft antreten. Man will ja nicht wie eine Bunte Liste des Fußballs daherkommen. Aber die Zeit, da sich so mancher Profi, der persönlich einem anderen Ausrüster verpflichtet ist, auch in den Schuhen des Herzogenauracher Sportartikelkonzerns die Füße vertreten mußte, scheint zur Neige zu gehen.

Die Konkurrenz und auch die im Zeitalter des Kommerzes aufgewachsenen Kicker lassen sich nicht mehr jedes Paar Schuhe anziehen, das ihnen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Einvernehmen mit seinem Generalausstatter überstreifen will.

Unternehmer in eigener Sache

Der eigennützige Freiheitsdrang hin zu dem proklamierten Ziel, auf eigenen Füßen und Stollen zu stehen, ist verständlich. Die eben noch nach allen Regeln der Harmonielehre wie die Weltmeister gefeierten DFB-Auswahlgrößen sind wenige Wochen nach dem nationalen Erweckungserlebnis WM wieder Unternehmer in eigener Sache - auch wenn es um Deutschland geht.

Schritt für Schritt sind sie dabei, ein fränkisches Monopol auszuhöhlen, das nicht zwangsläufig zur inneren Grundausstattung eines Nationalspielers gehören muß. Wer Bescheid weiß, wie schon in der Vergangenheit etwa das aus den Klubbegegnungen vertraute Schuhwerk eines anderen Herstellers so lange bearbeitet wurde, bis es dem vom DFB eingeforderten Kickstiefel des Vertragspartners aus dem Fränkischen zum Verwechseln ähnlich sah, kann die Forderung nach einem offenen Schuhmarkt nur unterstützen.

Machtkämpfe in der Übergangsphase?

Fußball als Individualsportart: In England, Italien, Frankreich, auch in Brasilien und Argentinien spielen die Stars längst in den Schuhen, die ihnen gefallen und von ihren Firmenpartnern exklusiv und lukrativ finanziert und vermarktet werden. Daß die schon früher von einigen Profis attackierte Uniformität des Nationalspieler-Outfits in Deutschland so lange eisern verteidigt werden konnte, überrascht deshalb fast mehr als der aktuelle Aufstand von Neu-Bundestrainer Löws Personal kurz vor dem ersten Länderspiel der Post-Klinsmann-Ära.

Er illustriert nebenbei auch wieder einmal, daß es in Übergangsphasen von einem Chef zum anderen wie in jedem Betrieb leicht zu Machtkämpfen, Kraftproben und Kompetenzstreitigkeiten kommen kann. Vor allem nach Wochen, die in ihrer himmlischen Sonn- und Feiertagsstimmung im Blick zurück unwirklich schön anmuten. Joachim Löw, einem nüchternen Badener mit Klinsmannschen Offensivfußballvisionen, wird der Aufbruch zu neuen Zielen schwergemacht. Ist es schon nicht leicht, dem Länderspiel gegen Schweden vier Tage nach dem Bundesligastart einen gehobenen Sinn abzuringen, kam nun noch der „Schuhkrieg“, ausgetragen nach Art eines Tarifkonflikts, hinzu.

Diskussionsbedarf

Ganz schön viel auf einmal, zumal da auch die Rutemöller-Diskussion zwischen dem Reformerlager um Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und dem eher konservativen DFB-Sportdirektor Matthias Sammer schwelt. Die Rückkehr des von Klinsmann ausgemusterten Trainerchefausbilders in den aktiven DFB-Trainerstab mutete jedenfalls nicht wie ein Fanal des Fortschritts an.

Daß an diesem Mittwoch in Gelsenkirchen überhaupt gespielt wird, muß unter den Umständen schon als Positivum betrachtet werden. Wer hätte das gedacht nach den Jubelfeiern in Stuttgart und Berlin zum Ausklang einer aus deutscher Sicht herrlich unbeschwerten Weltmeisterschaft?

Quelle: F.A.Z. vom 16. August 2006
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