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Der Maestro ist wieder da Auch ohne erste Geige will Dirigent Trapattoni schön spielen lassen

26.07.2005 ·  Des Maestros Mission in Stuttgart beginnt mit einer groß angelegten Fahndung: „Wir suchen unsere Form, wir suchen noch neue Spieler, und wir suchen für einige Spieler noch die richtige Position.“

Von Richard Leipold
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Neulich erst hat Giovanni Trapattoni sich bei seinen alten Freunden aus München in Erinnerung gebracht. "Ich habe Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge herzlich grüßen lassen, das hätte ich mir fast sparen können", sagt der höfliche Herr, der neuerdings den VfB Stuttgart trainiert. Trapattoni wird seine früheren Vorgesetzten schon an diesem Dienstag wiedersehen. Die Stuttgarter treten im Halbfinale des Premiere-Ligapokals beim FC Bayern München an.

Was für eine hübsche Fügung. Beim ersten Pflichtspiel in der Allianz-Arena werden sich noch mehr alte Bekannte begegnen. Bayern-Trainer Felix Magath trifft auf die Stuttgarter, die er vor einem Jahr Richtung München verlassen hat. Genug Gesprächsstoff ist also vorhanden, selbst wenn das Treiben auf dem Rasen so nichtssagend ausfallen sollte wie in den beiden Vorrundenspielen am Samstag in Düsseldorf.

Des Maestros dritte Mission

Dort hatte Trapattoni eine Mängelliste erstellen müssen. Trotz des 4:3 im Elfmeterschießen gegen Hertha BSC gebe es "viel zu verbessern". Des Maestros dritte Mission in Deutschland (nach zwei Aufenthalten in München) beginnt mit einer groß angelegten Fahndung. "Wir suchen unsere Form, wir suchen noch neue Spieler, und wir suchen für einige Spieler noch die richtige Position." Viel Arbeit für den "Mister", den manche mit einem Dirigenten vergleichen, nicht nur weil er so wunderbar mit den Armen herumfuchtelt, wenn sein Ensemble auf dem Rasen aus dem Takt gerät.

Mit ihren Fehlern können junge Menschen den 66 Jahre alten Fußball-Lehrer noch immer in Rage bringen. Dann redet er, wie es ihm gefällt: auf deutsch, auf Italienisch oder in einer Mischung aus beidem. Journalisten, die häufiger mit ihm zu tun haben, nennen seine Sprache "Trapattonisch" und fügen zur Beruhigung hinzu, diese Sprache lasse sich relativ leicht lernen.

Zuviel Angst

Nach der schwachen Leistung gegen Hertha beklagte Trapattoni das fehlende Selbstvertrauen einiger Spieler. "Wenn ich ihnen sage: geh, dann müssen sie nach vorne gehen. Aber manche gehen einfach nicht, weil sie noch zuviel Angst haben." Diese Angst müßten sie überwinden, auch wenn die vergangene Saison "Spuren hinterlassen hat". Ob solcher Befunde blicken seine Zuhörer skeptisch, für einen Augenblick desillusioniert drein. Doch Trapattoni gibt sogleich Entwarnung. "Keine Angst, ich mache das schon." Über den Sachverstand hinaus schätzten die Stuttgarter sein hohes Ansehen. Dieses Renommee speist sich nicht nur aus den neunzehn Titeln, die er gewonnen hat; Trapattoni besitzt die Autorität eines Weltmannes. Nie haben die Stuttgarter einen international so hochdekorierten Trainer unter Vertrag gehabt. Auf ausländische Spitzenspieler von großen Vereinen übt der VfB prompt eine größere Anziehungskraft aus als zuvor. Die Position, die nach dem Abschied Kevin Kuranyis frei wurde, sehen die Stuttgarter besser besetzt als zuvor. Trapattoni vermochte den dänischen Stürmerstar Jon Dahl Tomasson, der zuletzt beim AC Milan beschäftigt war, für die Schwaben zu gewinnen.

Obwohl die Stuttgarter auf dem Fußballplatz noch keinen harmonischen Eindruck hinterlassen haben, hält der vorerst bis 2007 verpflichtete Dirigent an seinem Ziel fest. "Wir wollen ein gutes Orchester sein." Die Kunst des Trainers bestehe darin, "im Rahmen der Möglichkeiten ein Spektakel zu bieten", sagt Trapattoni. Noch ist er von diesem Anspruch weit entfernt.

Nach dem Weggang des Spielmachers Hleb suche er noch nach einer ersten Geige, sagt der Italiener. "Aber es kommt auf die Mannschaft an, auf das konkrete Spiel. Das gefällt mir am deutschen Fußball." Beim FC Bayern hat er vor ein paar Jahren als Meisterdirigent gewirkt - erst im Ligapokal und am Ende der Saison in der Bundesliga. Als besonders glanzvoll sind diese Titel nicht in Erinnerung. Doch Trapattoni glaubt ästhetischen Ansprüchen genügen zu können. "Seien Sie versichert: Wir können auch schön spielen."

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