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Wie alles begann : Der lange Streit zwischen Zwanziger und Niersbach

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Im März 2012 wurde Wolfgang Niersbach (links) Nachfolger von Theo Zwanziger als DFB-Präsident. Bild: Picture-Alliance

Lange arbeiteten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach beim DFB vertrauensvoll zusammen. Nicht erst seit der DFB-Affäre um die WM 2006 sind sie Intimfeinde. Wie konnte es nur soweit kommen?

          Lange Jahre haben Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger beim DFB vertrauensvoll zusammengearbeitet. Warum es irgendwann zum Bruch kam, ist bis heute nicht ganz klar. Erste Risse im Verhältnis der beiden Fußball-Funktionäre zeigten sich erstmals vor knapp vier Jahren.

          Dezember 2011: Völlig überraschend kündigt Zwanziger auf der DFB-Weihnachtsfeier seinen Rücktritt vom Präsidenten-Posten an, der damalige Generalsekretär Niersbach wird als Nachfolger ins Spiel gebracht. Zwanziger aber favorisiert den ehemaligen Boss des VfB Stuttgart, Erwin Staudt.

          2. März 2012: Zwanzigers Plan geht nicht auf. Niersbach wird elfter Präsident in der Geschichte des DFB. Er sagt: „Der Präsident eines solchen Verbands kann kein Solist sein, er kann nur Kapitän dieser Mannschaft sein.“ Das wird Zwanziger nicht gefreut haben.

          April 2013: Zwanziger kritisiert den DFB für seinen Umgang mit dem von schweren Korruptionsvorwürfen belasteten ehemaligen Fifa-Präsidenten Joao Havelange: „Warum hat der DFB keinen Antrag auf Aberkennung der Ehrenpräsidentschaft für Havelange gestellt? Ich hätte mir gewünscht, dass der DFB ihn stellt.“

          September 2013: Und wieder meldet sich Zwanziger zu Wort. Er wirft dem DFB vor, nichts zu der Diskussion um unmenschliche Arbeitsbedingungen auf der WM-Baustelle in Katar zu sagen. „Es gibt als Funktionär nicht nur die schönen Seiten [...] Man hat auch eine gesamtpolitische Verantwortung, die sichtbar werden muss.“

          Oktober 2013: Niersbach kontert in der „Welt am Sonntag“ deutlich: „Im Fußball ist man doch vor Überraschungen nicht gefeit - und auch abseits der 90 Minuten muss man nicht alle Dinge verstehen können.“

          Juni 2014: Zwanziger ärgert sich darüber, dass Niersbach als ehrenamtlicher DFB-Präsident eine Betriebsrente kassiert und wirft ihm „Heuchelei“ vor. Man könne sich „doch nicht bei Hunderttausenden von Menschen, die unter Ehrenamt im Fußball etwas ganz anderes verstehen, aus der Kasse des DFB Vergütungen in einer deutlich sechsstelligen Größenordnung zahlen lassen.“

          Juni 2014: Der DFB distanziert sich geschlossen von Zwanziger. Das DFB-Präsidium weise die „offensichtlich persönlich motivierten und völlig haltlosen Aussagen auf das Schärfste“ zurück. Außerdem: Zwanziger füge dem Verband Schaden zu und vertrete die Interessen des deutschen Fußballs nicht angemessen. Daher fordere das Präsidium ihn auf, „von seinem Amt im Exekutivkomitee des Weltverbandes zurückzutreten“.

          Juni 2014: Auch Niersbach persönlich reagiert auf Zwanzigers Aussagen. Die Kritik komme „von einem Mann, der seit zwei Jahren in der Isolation ist.“

          Juni 2014: Was Zwanziger über die Rücktrittsforderung und die Kritik des DFB denkt? „Darüber kann ich nur lachen“, sagt er dem TV-Sender Sport 1.

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          Februar 2015: Auf Zwanzigers Wunsch prüft die Fifa-Ethikkommission das Verhalten des DFB in der Affäre um Niersbachs Betriebsrente.

          19. Oktober 2015: Zwanziger äußert angesichts der Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der WM 2006 Zweifel an der internen Aufarbeitung des DFB.

          23. Oktober 2015: In der Affäre um die dubiose Millionen-Zahlungen vor der WM 2006 erhebt Zwanziger schwere Vorwürfe gegen Niersbach. „Es ist eindeutig, dass es eine schwarze Kasse in der deutschen WM-Bewerbung gab“, sagte er dem „Spiegel“. Es sei „ebenso klar, dass der heutige Präsident des DFB davon nicht erst seit ein paar Wochen weiß, wie er behauptet, sondern schon seit mindestens 2005. So wie ich das sehe, lügt Niersbach.“

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