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Der Jubilar Klose Tod oder Gladiolen

03.07.2010 ·  Stürmer Miroslav Klose bestreitet im Viertelfinale gegen Argentinien (16 Uhr) sein 100. Länderspiel. Er will nun Rekorde brechen. Und blickt schon voraus auf EM-Spiele 2012 in Polen.

Von Michael Horeni, Kapstadt
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Dass Miroslav Klose ein verlässlicher Torjäger für die Nationalelf ist, kann man sich leicht ausrechnen. An diesem Samstag macht er mit dem Viertelfinale gegen Argentinien (16 Uhr/ FAZ.NET-WM-Liveticker) sein 100. Länderspiel, fünfzig Tore hat er schon geschossen: Macht rein statistisch in jedem zweiten Spiel einen Treffer. Auch die Gegenprobe stimmt bei der Weltmeisterschaft: Im ersten Spiel ein Tor gegen Australien, dann eine persönliche Nullnummer mit Platzverweis gegen Serbien, dann wieder kein Tor gegen Ghana, aber im Achtelfinale ein Treffer gegen England - zwei aus vier, das ist Kloses aktuelle WM-Quote. Dass er nun auch noch ein unvergesslicher Torjäger werden kann, ist ebenfalls nicht schwer herauszufinden. Zwölf Tore hat er nun schon bei drei Weltmeisterschaften erzielt, nur Ronaldo mit 15 Treffern, der Franzose Just Fontaine und Gerd Müller liegen in der Achtzig-Jahres-Wertung seit dem ersten Turnier von 1930 noch vor ihm.

Da nun zum Jubiläum gegen Argentinien die größten Ziele nicht mehr in unerreichbarer Ferne liegen, hat sich Klose vorgenommen, gleich mit den beiden höchsten Auszeichnungen nach München zurückzukehren, die der Fußball an Stürmer zu vergeben hat. Klose möchte Weltmeister werden und Welt-Torjäger Nummer eins als Zugabe gleich dazu. Das werde beides nicht leicht, sagt er. Natürlich nicht. Aber auf der Ersatzbank in München hat er zumindest das zielstrebige Leitmotiv seines Klubtrainers hautnah mitgekriegt und nach Südafrika mitgenommen. „Jetzt ist alles möglich - frei nach Louis van Gaal: Tod oder Gladiolen“, sagt nun auch Klose.

In Kapstadt hob Bundestrainer Joachim Löw am Freitag vor der internationalen Presse zu einer Laudatio auf seinen wichtigsten Stürmer an, dem womöglich sein langjähriger Partner Lukas Podolski an der linken Seite gegen Argentinien fehlen wird. „Hundert Länderspiele, das spricht für seine Qualität“, sagte Löw. „Was ihn über die Jahre ausgezeichnet hat, ist zudem ein hohes Maß an Selbstkritik und Bescheidenheit.“ Man weiß tatsächlich nicht, worüber man bei Miroslav Klose in diesen Tagen mehr staunen soll: über seine Ausdauerleistung oder über seine Rückkehr zur Höchstform im Rekordtempo.

Großes Ziel Polen

„Hundert Länderspiele ist eine unglaubliche Zahl“, sagt selbst der Jubilar staunend über eine Marke, die im deutschen Fußball zuletzt Jürgen Kohler erreicht hat - vor mehr als zwölf Jahren. „Davon habe ich als Kind geträumt.“ Aber zu einem Zeitpunkt, der zum Rückblick geradezu einlädt, nimmt der Stürmer mit der wiedergewonnenen Anerkennung lieber schon neue Ziele in den Blick. Mit 32 Jahren soll die Weltmeisterschaft in Südafrika, die am Samstagabend für Klose und Kollegen schon zu Ende sein könnte, jedenfalls nicht das letzte große Turnier seiner neunjährigen DFB-Karriere gewesen sein.

„Mein großes Ziel ist die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Ich bin in Polen ja geboren, habe dort Verwandte und liebe das Land und die Leute. Es wäre schön, dort noch einmal ein großes Turnier zu spielen“, sagt der im schlesischen Oppeln geborene, im pfälzischen Blaubach-Diedelkopf aufgewachsene und beim 1. FC Kaiserslautern groß gewordene, immer heimatverbunden gebliebene Stürmer. Er hat zuletzt auch ein Haus gebaut in Blaubach-Diedelkopf, wo er nach seiner Karriere wieder leben möchte. Aber das kann und soll noch etwas dauern. „Das Schöne ist, dass ich noch nicht am Ende bin. Ich fühle mich fit und kann noch einige Tore machen.“

Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit für einen Torjäger, der trotz der üblichen Krisen in der Nationalmannschaft immer wieder die Erwartungen erfüllte. Gerade zuletzt wuchsen die Zweifel in den Medien, aber auch in Teilen des Teams, immer stärker, ob er es diesmal noch schaffen würde, der Mannschaft mit seiner Erfahrung, Dynamik und Torgefahr wie einst 2006 und 2002 zu helfen. Löw vertraute ihm, Klose ließ nicht locker - blindes Verständnis, das nun belohnt wurde. „Ich wusste, was ich kann. Ich wusste immer, dass ich auf den Punkt fit bin. Ich wollte es nur mir beweisen.“ Wobei man hinzufügen darf: Der Rest des Fußball-Landes freut sich mit über dieses so unerwartet erfolgreiche Jubiläum des Stürmers mit dem großen Kämpferherzen.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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