Fußball ist für Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan ein Spiel ohne Grenzen. Vor einem Jahr sorgte der Milliardär aus Abu Dhabi für das Weltrekordangebot an den AC Mailand und seinen damaligen Mittelfeldstar Kaká, den er für 120 Millionen Euro oder mehr am liebsten nach England geholt hätte. In diesen Tagen war eine vermeintliche Sensation aus Spanien zu vernehmen, wo er angeblich eine Milliarde Euro zum Kauf von Real Madrid auf den Tisch legen wollte - der Scheich dementierte.
Die spektakulärsten Ideen bleiben bislang aufgrund von Umsetzungsproblemen noch reine Visionen eines märchenhaft reichen Mannes. Die Fußballoffensive des Scheichs ist allerdings alles andere als eine Fata Morgana und wird sich in nächster Zeit auf seine Hauptinvestition in der Premier League konzentrieren: Manchester City. Der Verein, den er im vergangenen Jahr für 260 Millionen Euro erworben und in den er bislang 230 Millionen Euro an privatem Geld für neue Spieler gesteckt hat, soll mit aller Macht titelreif gemacht werden und das langjährige englische Fußball-Oligopol von Manchester United, Arsenal, Chelsea sowie Liverpool sprengen.
Vor Weihnachten entließ der mit der sportlichen Entwicklung seines Vereins unzufriedene Scheich Mark Hughes als Trainer und verpflichtete den Italiener Roberto Mancini. Der gewann gleich seine ersten beide Spiele mit der neuen Mannschaft gegen Stoke City und am Montagabend mit 3:0 bei den Wolverhampton Wanderers. Mancini wartete mit einer Aussage auf, die ganz im Sinne des Vereinsbesitzers sein dürfte. „Wenn ich den Klub irgendwann einmal wieder verlassen sollte, dann will ich fünfmal die Meisterschaft und viermal den Pokal gewonnen haben“, sagte der 45 Jahre alte Mancini. Mit Inter Mailand holte er dreimal in Folge die Meisterschaft.
Wie nun das Gerücht zum angeblichen Interesse von Scheich Mansour an Real Madrid in die spanische Tageszeitung „AS“ gekommen ist, wird ungeklärt bleiben. Die Realisierung einer Übernahme ist so gut wie unmöglich, weil der spanische Rekordmeister nicht als Kapitalgesellschaft mit Anteilseignern, sondern als mitgliederbestimmter Sportverein organisiert ist. Die Vereinsstatuten untersagen ausdrücklich den Verkauf. Für Verhandlungen mit Aufkäufern müsste dieses Konstrukt komplett verändert werden, was aufgrund der Tradition der „Königlichen“ unwahrscheinlich erscheint. Womöglich ging es bei der Spekulation eher um eine knallige Schlagzeile in der nachrichtenarmen Jahreswendezeit, vielleicht sollte Stimmung für oder gegen die eine oder andere Seite gemacht werden.
Der massive Geldeinsatz der Scheichs in den Fußball wird nicht überall gutgeheißen - gerade bei denen, die alte Pfründe zu verteidigen haben. In der Finanzkrise sorgen die Petrodollar aus dem Nahen Osten jedoch für eine Abmilderung der Rezession. In England werden die neuen Besitzverhältnisse vor allem durch das Geld vom Golf bestimmt. Im Sommer kaufte ein Konsortium mit Sitz in den Emiraten den ältesten Fußballklub der Welt und setzte den bekannten Trainer Sven-Göran Eriksson als Sportdirektor ein. Notts County spielt in der vierten Liga und bewegt sich im oberen Tabellendrittel. Allerdings gibt es seit Wochen Zweifel an der Liquidität des Investors - der Verein wartet derzeit auf das versprochene Geld.
Der Sponsor aus Essen
Beim Tabellenletzten der Premier League aus Portsmouth ist ein Saudi-Prinz neuer Eigentümer, seit längerer Zeit kursieren Gerüchte um arabische Übernahmen der hochverschuldeten Klubs FC Liverpool und FC Everton. Bei der Rendite streben die Einkäufer im Dishdash eher nach Popularitätszuwachs und Unterhaltung als Gewinnen in englischen Pfund. Scheich Mansour sieht trotzdem ein „Geschäft“ - und er spielt in einer ganz eigenen Liga.
Mit seinem Vermögen im Hintergrund darf sich Manchester City getrost als reichster Fußballklub der Welt bezeichnen. Der 40 Jahre alte Scheich ist der Sohn des verstorbenen ersten Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate und Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi. Er ist mit einer Tochter des Regenten des Nachbaremirats Dubai verheiratet. Das Ölvermögen des Nahyan-Clans wird auf 600 Milliarden Euro geschätzt, womit derzeit auch das klamme Dubai unterstützt wird. Scheich Mansour hat Zugriff auf angeblich 17 Milliarden, seiner Familie gehören Anteile an Ferrari und Daimler. Und eine weitere persönliche Verbindung nach Deutschland schließt den Kreis wieder zum Fußball: Scheich Mansour ist Vorstandschef des Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi, dem der Anlagenbauer Ferrostaal (einst MAN-Gruppe) gehört. Seit diesem Monat sponsert das Essener Unternehmen Manchester City. Ob es eine sportliche Erfolgsgeschichte wird, muss sich noch herausstellen.
Aprilscherz!
Andy Andreasen (che82)
- 29.12.2009, 14:26 Uhr
Misimovic ein Aprilscherz?
Moe Low (dvk1986)
- 30.12.2009, 10:58 Uhr
Misimovic
Andy Andreasen (che82)
- 31.12.2009, 01:29 Uhr