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Frauenfußball : Der FFC Frankfurt ist raus aus dem Nebel

Endlich wieder obenauf: Der FFC Frankfurt erreicht das Pokal-Halbfinale Bild: Huebner/Roith

„Heute haben wir das wahre Frankfurt gesehen“: Die FFC-Frauen stehen nach dem 3:1 gegen München im Halbfinale des DFB-Pokals der Frauen und retten einen verdorbene Advent. Trainer Bell hält ein Plädoyer für sein Team.

          Colin Bell war es nach dem 3:1-Sieg im Viertelfinale des DFB-Pokals der Frauen gegen Bayern München ein Anliegen, sich den Frust der vergangenen Wochen von der Seele zu reden. Der 53 Jahre alte Trainer des FFC Frankfurt zückte also einen Zettel aus der Jackentasche und zitierte einen Songtext einer seiner Lieblingsbands. „Weiter! Und aus dem Nebel schießt der Reiter! Höher! Schneller! Weiter! Und in das Feuer springt der Reiter. Weiter!“, las Bell die Zeilen der Koblenzer Band „Heldmaschine“ vor.

          Der Trainer fand die Zeilen passend für die Situation seines Teams. Die Niederlagen in den Bundesliga-Spitzenspielen in Wolfsburg und gegen die Bayern zu Anfang des Advents hatten seinem Team nicht nur die Vorweihnachtszeit, sondern das gesamte erste Halbjahr der laufenden Saison verdorben. „Wir waren wie im Songtext im Nebel. Wenn es neblig wird, dann muss man einfach weiter, und so mussten wir das auch“, sagte der Engländer, der bei der gemeinsamen Vereins-Weihnachtsfeier von Bundesligamannschaft und allen Nachwuchsteams am Freitagabend mit seiner Interpretation von Frank SInatras „My Way“ für Stimmung gesorgt haben soll.

          3-5-2 und andere Körpersprache

          Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Nach zwei Pokalniederlagen gegen die Bayern in den vergangenen Jahren gewann der FFC endlich mal wieder gegen seinen „Angstgegner“. Der in der Bundesliga auf Rang vier stehende FFC zeigte aber vor allem am Sonntag vor 1600 Zuschauern gegen den Tabellenzweiten die wohl beste Saisonleistung und schaffte mit dem Einzug ins Pokale-Halbfinale (der Gegner wird erst im neuen Jahr ausgelost) einen Befreiungsschlag nach den desillusionierenden Vorwochen.

          Taktische Grundlage dafür war abermals eine 3-5-2-Grundformation, die Bell seinem Team bereits in der zweiten Halbzeit bei der Bundesliga-Niederlage gegen die Bayern angeordnet hatte.

          Vor allem aber trat das Team mit einer ganz anderen Körpersprache und Entschlossenheit auf, wozu auch der Einsatz der rechtzeitig von ihrer Muskelverletzung wieder genesenen Mittelstürmerin Celia Sasic beitrug. „Wir haben unsere Lehren aus dem letzten Spiel gezogen. Wir haben jetzt verinnerlicht, dass wir nur mit hundertprozentiger Fokussierung und vollem Einsatz vom Anpfiff weg gegen die besten Gegner spielen können“, sagte die Spanierin Vero Boquete, die kurz vor dem Halbzeitpfiff das 1:0 erzielt hatte. Der Treffer war hochverdient, weil die Frankfurterinnen durch ihr auf fünf Frauen vergrößertes Mittelfeld den Bayern um deren vor zwei Wochen noch spielbestimmende Regisseurin Melanie Behringer den Schneid abkauften.

          Frühe Entscheidung

          Fast folgerichtig fiel die Entscheidung frühzeitig nach der Pause. Spielführerin Kerstin Garefrekes war zunächst mit einem Lupfer (48. Minute) und später per Kopfball (65.) erfolgreich. Die Vorarbeit hatte jeweils Spielmacherin Dzsenifer Marozsan geleistet, die nach schwächerem Beginn nicht nur offensiv Akzente setzte, sondern auch durch ungewohnt fleißigen Einsatz in der Defensivarbeit überzeugte. Auch deshalb gestattete der FFC dem Gegner nur einen Lattentreffer durch Nora Holstad sowie den Ehrentreffer durch Melanie Leupolz (80.).

          Collin Bell nutzte den Moment des Erfolgs, um ein Plädoyer für seine viel kritisierte Ansammlung an Nationalspielerinnen zu halten. „Es wird immer so getan, als hätte der FFC ein Anrecht auf Siege, dabei haben wir drei herausragende Gegner“, sagte er. „Hier wächst etwas heran, das ich mir von niemandem kaputt machen lasse. Wir sind eben Menschen und lernen aus Niederlagen. Manchmal muss man in die Fresse bekommen, aber dann muss man auch wieder aufstehen.“

          Wie lange bleibt Fishlock?

          Das tat der FFC unter anderem, weil die Mittelfeldarbeiterin Jessica Fishlock sich so sehr wie noch nie zuvor spielerisch wie verbal in eine Führungsrolle traute. Sie lenkte das Defensivspiel und kurbelte viele Gegenangriffe an. „Heute haben wir das wahre Frankfurt gesehen“, sagte sie voller Pathos.

          Fishlock könnte mit ihrer Leistung vom Sonntag eine der prägenden Spielerinnen der Saison werden. Ob sie allerdings am Ende auch die Ernte einfahren darf, ist fraglich. Bislang gilt ihr Vertrag nur bis April, weil sie anschließend wieder bei ihrem amerikanischen Klub Seattle Reign im Wort steht. „Da müsste noch verhandelt werden, damit ich bis Ende der Saison mitspielen dürfte“, sagte Fishlock. Sie schien dabei nicht abgeneigt, zumindest das in ihrer Macht stehende dafür zu tun.

          DFB-Pokal der Frauen, Viertelfinale

          Samstag, 20.12.2014:
          VfL Wolfsburg          - SC Sand                2:1 n.V. (1:1,0:0)
          1. FC Köln             - Turbine Potsdam        0:3 (0:0)
          Sonntag, 21.12.2014:
          1. FFC Frankfurt       - Bayern München         3:1 (1:0)
          SC Freiburg            - FSV Gütersloh          7:3 n.V. (3:3,0:3)

          Das Halbfinale wird erst im neuen Jahr ausgelost.

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