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Depressionen und Sport Buffon und Adriano auch

13.11.2009 ·  Der Selbstmord von Robert Enke hat auch internationale Fußballstars erschüttert, die sich nun zu Depressionen bekennen. Insider glauben dennoch, dass mit Tabu-Themen im Fußball nicht gebrochen wird.

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Der Selbstmord des deutschen Nationaltorhüters Robert Enke hat auch internationale Fußballstars erschüttert. Italiens Torwart-Legende Gianluigi Buffon etwa fühlte sich an eigene Erfahrungen erinnert. „Die Nachricht seines Todes hat mich so getroffen, dass ich in den Zeitungen nichts darüber lesen will“, sagte der Schlussmann von Juventus Turin.“ Der 31 Jahre alte Buffon hatte 2004 selbst für mehrere Monate unter Depressionen gelitten, wie er in seiner Biografie preis gab, die im vergangenen Jahr erschienen ist. „Wer unter Depressionen leidet, verliert das Gefühl für sich selbst, alles wird irrational“, sagte der Weltmeister von 2006. „Man muss den Mut finden, sich helfen zu lassen und um Hilfe zu bitten.“

Auch der brasilianische Stürmer Adriano wurde durch Enke an seine eigenen psychischen Probleme erinnert. „Ich habe das auch erlebt. Ich hatte außerdem Probleme mit Alkohol. Trinken war für mich eine Flucht, als ich nicht schlafen konnte. Es war ein Weg, um vor der Verantwortung zu fliehen.“ Der 27 Jahre alte Adriano spielt nach seinem Abschied von Inter Mailand bei Flamengo Rio de Janeiro. Er hatte im April seinen Vertrag mit Inter vorzeitig aufgelöst, um eine Auszeit vom Fußball zu nehmen.

„Sie können einen Spieler nicht zum Übermenschen aufbauen“

Um Spieler mit psychischen Problemen in Zukunft aus ihrer inneren Isolation zu befreien, denkt Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), über die Einrichtung eines zuständigen Gremiums nach. Dies solle mit „absolut vertrauenswürdigen Personen“ besetzt sein. Um die Defizite im Fußball aufzuarbeiten, könnten Psychologen und andere Spezialisten eingebunden werden, sagte Zwanziger gegenüber der „Bild“-Zeitung. „Es darf nur noch ein Tabu geben, und das ist die Würde des Menschen.“

Unterdessen haben die Nationalspieler um Kapitän Michael Ballack ein Abschiedsspiel für Enke, möglicherweise gegen Hannover 96, angeregt. „Es gibt erste Gedanken, aber eine Entscheidung ist nicht gefallen“, sagte DFB-Mediendirektor Harald Stenger. Vor dem letzten Länderspiel des Jahres am Mittwoch in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste wird die deutsche Mannschaft mit Trauerflor antreten. Vor der DFB-Zentrale in Frankfurt hängen die Fahnen auf halbmast. Das für diesen Samstag angesetzte Länderspiel gegen Chile war wegen der Trauer um Enke abgesagt worden. Am Sonntagabend wird die Nationalmannschaft im Stadion von Hannover 96 an der Trauerfeier für Enke teilnehmen. Erwartet werden 45.000 Gäste im Stadion, darunter Bundes-Innenminister Thomas de Maizière, Bundestrainer Joachim Löw, Teammanager Oliver Bierhoff, der ehemalige Teamchef Jürgen Klinsmann und viele weitere Fußballgrößen.

Gottesdienst und Trauerreden sollen zudem auf zwei Großleinwänden vor der Arena übertragen werden. Am Freitag erinnerte Enkes Witwe Teresa mit einer Traueranzeige an ihren Mann, in der ein Spruch des Schriftstellers und früheren tschechischen Staatspräsidenten Václav Havel zitiert wird: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

„Nur die Treuen haben ein Recht, jetzt zu trauern“

Trotz allen Innehaltens glaubt Corny Littmann, Präsident des FC St. Pauli, dass mit Tabu-Themen im Fußball nicht gebrochen wird. Littmann, der kein Geheimnis aus seiner Homosexualität macht, sagte, die Bereitschaft sei zwar da in den Vereinen, auch unter Journalisten, sehr sorgfältig mit diesen Themen umzugehen. „Aber es bleibt die nicht kalkulierbare Situation in einem Mannschaftsumfeld, es bleiben die nicht kalkulierbaren Reaktionen der gegnerischen Fans.“

Der Berliner Philosoph Gunter Gebauer, ein profilierter Kritiker des vermarkteten Sports, ist sogar der Ansicht, dass die Verwertungsmechanismen auch vor der Trauer um Enke nicht halt machen. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur sagte er: „Sie können einen Spieler nicht zum Übermenschen aufbauen, dann als Flasche verhöhnen, als Ware verhökern und erwarten, dass er dies ,sportlich' einsteckt.“ Gebauer warnte: „Wer Trauer pathetisch ins Bild setzt, profitiert noch einmal von ihm als Ware und von den emotionalen Reaktionen, die ein überfahrener Sportlerkörper auslöst.“ Gebauer erklärte: „Nur die Treuen haben ein Recht, jetzt zu trauern.“

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