Es war nur eine zutiefst menschliche Reaktion, die Szabolcs Huszti am Samstag im Bundesliga-Spiel gegen Bremen zeigte. In einer turbulenten Partie hatte der Hannoveraner in der Nachspielzeit per Fallrückzieher den 3:2-Siegtreffer erzielt. Also zog sich der Ungar im Moment des Torglücks erst das Trikot aus, sprang über die Bande und versuchte, den Zaun zum jubelnden Fanblock zu erklimmen – was nicht ganz gelang wie gewollt.
Als er zum Anstoß zurück in die eigene Spielhälfte trottete, wartete aber schon Schiedsrichter Deniz Aytekin auf den Torschützen – und hatte eine böse Überraschung in der Hand. Für das Ausziehen des Shirts gab er Huszti die Gelbe Karte, für den Jubel auf dem Zaun eine weitere– macht in der Arithmetik der Fußballregeln Gelb-Rot, also Platzverweis.
Doppelte Strafe?
Aber darf der Schiedsrichter einen Spieler für einen Torjubel doppelt bestrafen? Ein Blick in die offiziellen Fußballregeln für diese Saison verschaffen Aufklärung.
In Regel 12 (Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen) steht auf Seite 88:
Zwar ist es einem Spieler erlaubt, seiner Freude nach einem Treffer Ausdruck zu verleihen, doch darf der Torjubel nicht übertrieben werden. Die FIFA gestattet Torjubel in angemessenem Rahmen. Zu unterbinden sind jedoch „choreografierte“ Jubelszenen, wenn dadurch zu viel Zeit verloren geht. Die Schiedsrichter sind angewiesen, in solchen Fällen einzuschreiten.
Ein Spieler wird verwarnt, wenn er:
- nach Meinung des Schiedsrichters mit provozierenden, höhnischen oder aufhetzenden Gesten jubelt,
- an einem Zaun hochklettert, um einen Treffer zu feiern,
- sein Hemd auszieht oder es über seinen Kopf stülpt,
- Kopf oder Gesicht mit einer Maske oder Ähnlichem bedeckt.
Aytekins Addition: Huszti zog sein Hemd aus – Gelb. Huszti kletterte am Zaun hoch – Gelb. Macht summa summarum: Gelb-Rot.
Weiter heißt es in den Regeln:
Das Verlassen des Spielfelds beim Torjubel ist an sich noch kein verwarnungswürdiges Vergehen, doch sind die Spieler gehalten, so rasch wie möglich auf das Feld zurückzukehren.
Huszti und Kollegen ließen sich viel Zeit. Doch Aytekin hätte die Chance gehabt, die „verlorene“ Zeit nachspielen zu lassen. Vielmehr aber pfiff er direkt nach Husztis Platzverweis – noch vor einem abermaligen Anstoß der Bremer – ab.
Und dann steht noch etwas im Regeltext:
Von den Schiedsrichtern wird erwartet, dass sie in solchen Situationen präventiv auf die Spieler einwirken und bei der Beurteilung des Torjubels gesunden Menschenverstand walten lassen.
Ohne gesunden Menschenverstand und Fingerspitzengefühl
Wenn nicht nach solch einem Tor zu diesem Zeitpunkt, wann sonst sollte ein Spieler seinen Gefühlen freien Lauf lassen dürfen? Fazit: Aytekin handelte strikt nach Regelwerk, daher kann man dem Schiedsrichter keinen Fehler unterstellen. So erklärte er Huszti sein Handeln auch, als er ihm die Karten vorhielt.
Doch das vielzitierte „Fingerspitzengefühl“, das sogar in den offiziellen Regeln unter „gesundem Menschenverstand“ beschrieben wird, ließ Aytekin eindeutig vermissen. Es war eine verpasste Chance. Huszti wird das heute verschmerzen können, nächsten Sonntag nicht mehr: Er fehlt dann in der nächsten Partie in Hoffenheim.
Eine "Straftat"
Christian Schmidt (chrissmith)
- 17.09.2012, 12:08 Uhr
Es war natürlich eine unsinnige Doppelstrafe.
Gyula Raj (rajgy)
- 16.09.2012, 16:20 Uhr
Warum gibt es diese Regel?
Alex Popa (apopa)
- 15.09.2012, 21:36 Uhr
Richtig oder nicht:
Gerhard Grell (EchtGrell)
- 15.09.2012, 21:32 Uhr
Der Schiri hat falsch gehandelt
Dieter Wimmer (w21927)
- 15.09.2012, 20:54 Uhr