Jens Lehmann dürfte ausnahmsweise einmal sehr froh gewesen sein, dass er erneut lediglich auf der Tribüne Platz nehmen durfte. Der deutsche Fußball-Nationaltorwart des FC Arsenal entging damit am Dienstagabend einer der größten Blamagen in der jüngeren Klubgeschichte der Gunners: Die Kanoniere gingen beim Londoner Lokalrivalen Tottenham Hotspur im Halbfinal-Rückspiel um den Ligapokal 1:5 (0:2) unter und verpassten nach dem 1:1 im Hinspiel den Finaleinzug.
Zu allem Überfluss lieferten sich die Arsenal-Profis Emmanuel Adebayor und Nicklas Bendtner noch auf dem Platz ein böses Gerangel, bei dem der Däne sich eine blutige Nase holte. „Arsenal im Krieg“, beschrieb die Daily Mail die Szene, die möglicherweise ein Nachspiel haben wird. Der englische Fußball-Verband FA will nach einer Analyse der TV-Bilder entscheiden, ob Adebayor und Bendtner gesperrt werden.
Der dritte Torwart Lukasz Fabianski musste spielen
Teammanager Arsene Wenger nahm die erste Pleite gegen die Spurs nach 21 Spielen ohne Niederlage dennoch auf die leichte Schulter. „Das Ergebnis ist zwar brutal, aber ehrlich gesagt ist der Ligapokal nicht der wichtigste aller Wettbewerbe“, sagte der Franzose. „Es ist fantastisch, im Endspiel zu sein. Dass wir es mit einem Sieg gegen Arsenal geschafft haben, steigert unsere Befriedigung noch“, meinte dagegen Tottenhams Teammanager Juande Ramos nach dem ersten Erfolg gegen den wenig geliebten Rivalen seit November 1999 und dem höchsten seit 25 Jahren.
Jermaine Jenas hatte den Torreigen an der White Hart Lane nach drei Minuten eröffnet. Ein Eigentor von Bendtner (27.) und die Tore von Robbie Keane (48.) sowie Aaron Lennon (60.) brachten die Spurs auf die Siegerstraße. Adebayor (70.) verkürzte, ehe Steed Malbranque den Endstand herstellte (90.).
„Meine Jungs waren nicht reif genug“
„Manche meiner Spieler sind einfach noch nicht so weit“, haderte Wenger mit seiner jungen Truppe. Der Trainer hatte - wie im Ligapokal üblich - auf zahlreiche Stammspieler verzichtet, darunter der Ex-Dortmunder Tomas Rosicky. Auch Torhüter Manuel Almunia durfte pausieren, stattdessen stand aber nicht Lehmann, sondern der dritte Keeper Lukasz Fabianski im Tor.
Wenger gab zu, in der Spieler-Auswahl danebengelegen zu haben. „Meine Jungs waren nicht reif genug“, sagte er über die unerfahrene Elf, von der er in der Liga aber „die richtige Reaktion“ erwartet.