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David Villa Der Kleine wird zum Goldjungen

11.07.2010 ·  David Villa ist die Hoffnung ganz Spaniens. Er findet fast immer die Lücke zum Erfolg. Heute könnte ihm ein goldener Tag bevorstehen, der den goldenen WM-Pokal und als kleines Extra auch noch den goldenen Schuh verheißt.

Von Roland Zorn
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Er schießt einfach Tore und redet nicht lange darüber. Er macht seine Arbeit wie selbstverständlich und hilft den Kollegen, wo er kann. Er braucht nicht das Nachspiel im Glamour des Showbusiness, denn für ihn ist der Job nach neunzig Minuten getan. Er lebt und ackert für den Fußball - und das genügt ihm total. David Villa ist eine Art Nachfahre des großen Gerd Müller. Tor auf Tor zu erzielen ist ihm eine Selbstverständlichkeit. Dafür ist er da, deshalb wird er gebraucht, und darum haben ihn die Spanier in ihr Herz geschlossen. Der Mann, der für sein Land in 63 Spielen 43 Treffer erzielte und mit fünf Toren die Schützenliste der Weltmeisterschaft in Südafrika gemeinsam mit dem Niederländer Wesley Sneijder anführt, braucht keine Egotrips für seine besonders wertvollen Beiträge zum spanischen Gemeinschaftswerk. „Er ist“, preist ihn Iker Casillas, der Torwart und Kapitän der Seleccion, „einer der besten Torschützen der Welt, wenn nicht der allerbeste. Und doch ist er bei allen Toren und allem Lob für seine Leistungen immer bescheiden geblieben.“

Ein Nimmersatt ist dieser 28 Jahre alte Stürmer aus der nordspanischen Region Asturien nur bei der Arbeit in der Gefahrenzone. Das sollen an diesem Sonntag beim WM-Finale im Johannesburger Soccer City Stadium die Holländer am eigenen Leibe zu spüren bekommen. „El Guaje“ (“der Kleine“), wie der 1,75 Meter lange Angreifer in Spanien genannt wird, in seinem Tatendrang zu bremsen wird eine der anspruchsvollsten Aufgaben sein, die das Team von Trainer Bert van Marwijk zur eigenen Sicherheit zu lösen hat.

Natürlich, da ist auch noch das Duell zwischen Villa und Sneijder um den „Goldenen Schuh“ für den besten Torschützen des Turniers. Doch für diese persönliche Auszeichnung interessiert sich Villa allenfalls am Rande. „Als die WM begann“, stellt er unmissverständlich fest, „habe ich vom Weltmeistertitel und nicht von diesem Schuh geträumt. Im Finale zu stehen ist schon historisch. Aber wir wollen noch mehr Geschichte schreiben.“ Für ihn selbst ist es das erste große Endspiel seiner Laufbahn. 2008, als Spanien durch ein 1:0 über Deutschland in Wien Europameister wurde, konnte der EM-Schützenkönig (vier Treffer) an dieser Fiesta, weil verletzt, nicht teilnehmen. Nun aber bündelt er die Hoffnungen einer ganzen fußballverrückten Nation auf den ersten Weltmeistertitel für Spanien.

107 Tore in 166 Spielen für Valencia

Vielleicht ist es ein Glück für die Niederländer, dass Villa vermutlich auf seinen alten Stammplatz im Sturmzentrum zurückkehrt, von wo er gegen die Schweiz (0:1 im Gruppenspiel) und gegen Deutschland (1:0 im Halbfinale) als einzige Spitze nicht traf. Sollte ihn Trainer Vicente del Bosque indes auf der linken Seite im offensiven Mittelfeld einsetzen, dürfte Holland in Not sein. Dirk Kuyt, der Mann vom linken Flügel der Elftal, beschreibt den Offensivtrend dieser nicht allzu stürmisch verlaufenen WM so: „Die Spieler auf den Flügeln haben die Tore geschossen. Man muss nur auf Villa schauen. Er kommt jetzt meistens über links, kurvt nach innen und erzielt dann seine Tore.“

David Villa ist es gewohnt, aus allen Lagen zu treffen. Bewahrt sich der Spieler mit dem siebten Sinn für den Moment der Vollendung seinen Instinkt, kann er an diesem Abend auch einen innerspanischen Torrekord einstellen oder übertreffen. Raúl, der von Schalke 04 umworbene alte Real-Star, kam in 102 Länderspielen auf 44 Treffer. Da gilt für den Profi, der Raúl in der „Furia Roja“ abgelöst und auch dessen Rückennummer 7 übernommen hat, das alte Motto auf dem Weg zum 44. Volltreffer: Einer geht noch, einer geht noch rein. Schließlich hat sich Villa in seinen fünf Jahren beim FC Valencia den Schreckensruf einer Tormaschine erworben, wofür seine 107 Tore in 166 Spielen der Primera División eindeutig sprechen.

Vater und Großvater mussten im Bergwerk schuften

Dabei beschränkt sich Villa keinesfalls nur auf seine Spezialität; er hilft auch, wann immer nötig, in der Abwehr mit aus. Sein selbstverständlicher Fleiß gehört zu seinem Familienerbe, stammt dieser Stürmer de luxe doch aus einer Arbeiterfamilie, in der der Vater und der Großvater im Bergwerk schuften mussten. Sein Vater Manuel José hat den kleinen David immer wieder hungrig auf eine große Karriere gemacht. So nach einem im Alter von vier Jahren erlittenen Oberschenkelhalsbruch, bei dem sich sogar die Frage nach einer Amputation des rechten Beins gestellt hatte. José Manuel Villa aber brachte dem eingegipsten Filius David, so gut es ging, das Schießen mit links bei. Heute bedroht Villa die gegnerischen Torhüter beidfüßig. Seine Profilaufbahn führte über den asturischen Zweitligaverein Sporting Gijón und die Erstligaklubs Real Saragossa und FC Valencia steil nach oben. Beim FC Barcelona sind sie froh, einen wie ihn in diesem Sommer für 40 Millionen Euro und für zunächst vier Jahre verpflichtet zu haben.

Villa ist derzeit Spaniens größter Fußballschatz. Das wissen auch die Holländer, die den Torjäger an diesem Sonntag jagen werden. Doch der findet fast immer die Lücke zum Erfolg. Tut er das auch heute, könnte ihm ein goldener Tag bevorstehen, der den goldenen WM-Pokal und als kleines Extra auch noch den goldenen Schuh verheißt.

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