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David Trezeguet Am Ende steht River

Der Spieler ist Weltmeister auf dem langen Weg in die Rente, der Klub der erfolgreichste Argentiniens, aber zum ersten Mal in seiner Geschichte zweitklassig: Wie es David Trezeguet zu River Plate in Buenos Aires verschlug.

© AFP Vergrößern Heute: Der wahrscheinlich prominenteste Profi der argentinischen zweiten Liga

Daniel Passarella weiß nicht so recht, wohin mit den Händen: Erst versucht der Kapitän der argentinischen Fußball-Weltmeistermannschaft von 1978 den „Heilsbringer" aus Frankreich zu umarmen, doch David Trezeguet scheint die körperliche Nähe des Präsidenten von River Plate nicht zu behagen. Also bricht Passarella den Versuch ab. Er belässt es bei der obligatorischen profanen Trikotübergabe und versteckt die Hände in den Hosentaschen.

Die Szene macht deutlich: Sie müssen erst noch zusammenfinden, die beiden Weltmeister aus zwei so unterschiedlichen Epochen des Fußballs. Zum Ende seiner langen Karriere findet der in Buenos Aires aufgewachsene Trezeguet noch einmal zurück zu seinen Wurzeln. Seine ersten Fußballspiele absolvierte der mittlerweile 34 Jahre alte Stürmer bei CA Platense, einem Vorortklub aus dem Großraum Buenos Aires. Trezeguet ist zwar in Frankreich geboren, sein Vater aber ist Argentinier, der selbst als Fußballprofi in Argentinien sein Geld verdiente.

Verblichener Glanz in der Primera B

Das Fußball-Schicksal hat die beiden Weltmeister im Dezember zusammengeführt. Passarella ist auf der Suche nach einem Weg aus der sportlichen Krise des argentinischen Traditionsklubs, Trezeguet versucht sich einen Jugendtraum zu erfüllen. Er sei immer Fan von River Plate gewesen, versichert er artig. Und im Gegensatz zu vielen Profis, die dieses Trikot des zweitpopulärsten argentinischen Klubs nach den Boca Juniors trugen, nimmt man ihm das sogar ab.

EURO 20Einst: Siegtorschütze für „Les Bleus“ im EM-Finale 2000 gegen Italien © picture-alliance / dpa Vergrößern Einst: Siegtorschütze für „Les Bleus“ im EM-Finale 2000 gegen Italien

David Trezeguet ist nach Buenos Aires zurückgekommen, um dem Verein in der dunkelsten Epoche seiner Geschichte etwas Würde und Stolz zurückzugeben. Nach dem Absturz in die zweite Liga befinden sich die River-Fans in so einer Art Dauer-Depression. Weltmeister Trezeguet sorgt dafür, dass die große weite Fußball-Welt in die argentinische Provinz und den tristen Alltag der „Primera B Nacional" Einzug hält. Hier, wo die Stadien bisweilen den Charme einer Bezirkssportanlage haben, ist so viel - wenn auch schon verblichener - Glanz eine Sensation.

Sein erstes Liga-Tor am Wochenende zum 3:0-Endstand gegen Independiente Rivadavia ist den argentinischen Zeitungen eine dicke Schlagzeile wert, ebenso wie die Knöchelverletzung, die sich der wahrscheinlich prominenteste argentinische Zweitliga-Profi aller Zeiten im gleichen Spiel zuzog. „Ein Tor für River zu schießen, ist einfach einzigartig", sagt Trezeguet und seine Augen leuchten dabei.

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Wenn er über den Fußball in seiner zweiten Heimat spricht, dann wird schnell klar, dass es ihm nicht um Geld geht. Das hat River Plate schon lange nicht mehr. Als der Klub vor ein paar Monaten abstieg, verkauften sie ihr letztes Juwel, Erik Lamela, an den AS Rom, um zumindest den Neuaufbau finanzieren zu können.

Die Erfüllung eines Jugendtraums

Geld verdient hat David Trezeguet beim AS Monaco, Juventus Turin und bei Baniyas SC in Abu Dhabi vermutlich mehr als genug. Zum Karriereende wollte Trezeguet noch einmal etwas Außergewöhnliches machen: „Alles, was ich seit dem ersten Tag meiner Rückkehr nach Argentinien erlebe, ist etwas Besonderes." Es handelt sich um das, wovon ein fußballbegeisterter Teenager in Argentinien träumt: einmal für Boca oder River spielen. Es ist die Erfüllung eines Jugendtraumes mit 34 Jahren. Verstehen kann das nur, wer selbst in Argentinien aufgewachsen ist.

Beim 3:0-Sieg über Independiente Rivadavia ist vieles so, wie es sich die River-Fans wünschen. Das Estadio Monumental ist gut gefüllt, es ist ein lauer Sommertag, und alle Kameras sind auf den Star gerichtet. Irgendwann am Abend, als Trezeguet seinen Interviewmarathon nach seinem ersten Treffer absolviert hatte, nahm ihn Passarella in den Arm. Herzlich willkommen, in Buenos Aires.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 20.02.2012, 17:20 Uhr

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