Die fußballerischen Dienste des inzwischen 36 Jahre alten David Beckham werden in Amerika nicht sehr hoch geschätzt. Die Leistungsbilanz des Engländers seit 2007 ist schwach. Er steht an diesem Sonntag in seiner fünften Saison zum allerersten Mal im Finale um die amerikanische Klubmeisterschaft der Major League Soccer (Montag, 3 Uhr MEZ gegen Dynamo Houston). Sein Beitrag zum sportlichen Erfolg der Mannschaft in all den Jahren? Elf Tore. Halb so viel wie die Zahl der Gelben Karten, die er sich in derselben Zeit eingehandelt hat.
Kein Wunder, dass Grant Wahl, Fußball-Experte der einflussreichen Zeitschrift „Sports Illustrated“, schon 2009 in seinem Buch „The Beckham Experiment“ die Enttäuschung so auf den Punkt brachte: Der Mann mit der Nummer 23 habe zwar „erfolgreich Trikots verkauft und als prominentes Aushängeschild gedient“, aber fußballerisch sei sein Aufenthalt in Amerika schlichtweg eine „sagenhafte Katastrophe“.
Das Buch hinterließ übrigens bei amerikanischen Fußballanhängern aus einem anderen Grund nachhaltigen Eindruck. Es zeigte, dass der eloquente, aber meistens zurückhaltende Landon Donovan das Spektakel rund um den Star der Mannschaft so sehr leid hatte, dass er seinem Unwillen freien Lauf ließ.
Beckham war ständig auf Achse - zuerst nur zu Spielen mit der englischen Nationalmannschaft und zu lukrativen Werbeterminen. Dann hielt er sich ganze Winter lang beim AC Mailand auf, wo der Fußball weiterrollte, während er in Nordamerika ruhte. „Wenn jemand mehr als das Doppelte erhält als irgendjemand sonst in der Liga“, kritisierte der Kapitän der amerikanischen Nationalmannschaft, „dann können wir zumindest erwarten, dass der zu jedem Spiel erscheint. Zeige dich und trainiere hart. Zeige dich und spiele hart.“
Die Attacke aus den eigenen Reihen erwischte Beckham auf dem falschen Fuß, aber sie stachelte ihn offensichtlich an. Seine Leistung in der ablaufenden Saison war immerhin so gut, dass ihm die Liga die Ehrenauszeichnung „Comeback-Spieler des Jahres“ verlieh.
Nachdem er aufgrund einer in Mailand erlittenen Achillessehnenverletzung 2010 fast komplett ausgefallen war, steuerte er in diesem Sommer endlich ein Pensum bei, das seiner Entlohnung von 6,5 Millionen Dollar besser entsprach. Mit 15 Torvorlagen war er zweiterfolgreichster Vorbereiter und wurde ins Allstarteam gewählt.
Die amerikanischen Jahre haben auf seinem Körper deutliche Spuren hinterlassen: den erschöpften Jesus mit Dornenkrone, der auf dem Weg zum Kreuz zu Boden gesunken ist - das Souvenir eines Tätowierers aus Los Angeles aus dem Jahr 2010. Ein paar Monate später wusste David Beckham, wie die Anspielung an das Martyrium des Messias weitergeht: mit dem Bild von drei Cherubim, die einen Mann aus einem Sarkophag heben.
Die Figuren mit den kleinen Flügeln - das sollen seine Söhne Brooklyn, Romeo und Cruz sein: „Ab irgendeinem Zeitpunkt werden meine drei Jungs sich um mich kümmern müssen. Und das tun sie in diesem Bild.“ Also sprach der Spielmacher der Los Angeles Galaxy, der die stete Verwandlung seines Körpers in eine Litfaßsäule vorantreibt: „Alles, was ich trage, hat eine Bedeutung.“ Dass solche Darstellungen einen Zug ins Vermessene haben, ist das Beckham-Konzept des Fußballers als Selbstdarstellungsikone.
So wie im Sommer vor vier Jahren, als der damals berühmteste Fußballer der Welt seinen Wechsel von Real Madrid in die zweitklassige amerikanische Profiliga begründete: Er wolle den Fußball in den Vereinigten Staaten auf ein höheres Niveau heben und „Teil der Geschichte sein“. Vor ein paar Wochen, als seine Berater das Gerücht streuten, dass er mit Paris St-Germain verhandele, war das der Beweis, dass seine pure Existenz noch immer für Schlagzeilen gut ist. In einem gestelzten Englisch schob er nach: „Ich habe viele Angebote erfahren.“ Darunter wohl auch eine Offerte der Galaxy, wo man ihm wohl für das nächste Jahr 8,6 Millionen Dollar zahlen würde.
Wenn man nach den reinen Zahlen geht, scheint sich das wirtschaftliche Risiko, das Los Angeles Galaxy und Major League Soccer mit der Verpflichtung von Beckham 2007 eingegangen sind, übrigens gelohnt zu haben. So verzeichnete man ligaweit nicht nur einen leichten Anstieg beim Eintrittskartenverkauf. Einen großen Teil der Gehaltskosten spielte die Mannschaft zwischendurch bei gutdotierten Auftritten in Asien und Ozeanien ein. Das erstaunlichste Zwischenergebnis erzielte der Klub vor ein paar Tagen, als Details zu einem neuen regionalen Fernsehvertrag bekannt wurden. Er spielt mit 5,5 Millionen Dollar pro Saison das Zehnfache der abgelaufenen Vereinbarung ein.
Gleichgültig, ob Beckham in den Staaten weiterspielt oder nach Europa zurückkehrt: Er könnte dem amerikanischen Fußball so oder so langfristig erhalten bleiben. Denn bei den Verhandlungen 2007 sicherte er sich das Recht zu, nach seiner Karriere im großen Stil in einen Klub von Major League Soccer zu investieren. Die Liga expandiert und plant derzeit die Aufstockung auf 20 Mannschaften. Für Selbstdarsteller ist da viel Platz.