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David Beckham Amor steht wieder am Anfang

10.03.2010 ·  Rückkehr zu den Wurzeln: David Beckham darf mit dem AC Mailand dort vorspielen, wo er zum Weltstar wurde. Gut möglich, dass Old Trafford am Mittwoch die letzte große Bühne für ihn als Fußballprofi sein wird.

Von Christian Eichler
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Wo die Beckhams sind, ist immer eine Bühne. Victoria Beckham, die in Los Angeles verbliebene Fußballerfrau und Popsängerin a. D., trat am Sonntag bei einer Oscar-Party von Elton John im selbst entworfenen Abendkleid auf. Dabei musste sie sich allerdings über die Anwesenheit anderer B-Promis ärgern, vor allem die von Katie Price, der Mutter aller Boxenluder, die dereinst die Frechheit besessen hatte, im TV-Dschungelcamp anzudeuten, sie habe nicht nur etwas mit Formel-1-Fahrer Ralf Schumacher gehabt, sondern auch etwas mit „jemand viel Größerem“, mit David Beckham.

Die Sache erhärtete sich nie, denn Beckham gilt als vorbildlicher Ehemann, was er am Wochenende auf seiner Bühne, die nicht in Hollywood, sondern in Rom stand, auch bildlich demonstrierte. Nach dem 0:0 bei AS Rom mit dem AC Mailand, für das der Star-Kicker den Rest der Saison als Leihgabe von Los Angeles Galaxy bestreitet, entblößte er ein neues Bild-Tattoo (sein vierzehntes, nicht gezählt die zahlreichen Schriftzeichen), für das sich überraschenderweise auf dem linken Oberarm noch Platz gefunden hatte.

Es zeigt eine Darstellung seiner selbst als Amor, der die von ihm angebetete Psyche (alias Victoria) in inniger Umschlingung zum Himmel entführt, wo sie, dem antiken Drehbuch zufolge, in den Kreis der Unsterblichen aufgenommen werden dürfte. Vorbild ist ein Bild des Renaissance-Malers Francesco Francia, dessen Darstellung Beckham allerdings etwas zu freizügig war. Das im Original Unverhüllte der Angebeteten ließ er von der Nadel seines Tätowierers mit einem Tuch bedecken.

Der Ort, an dem er zum Weltstar wurde

Auf manche mag David Beckham mittlerweile wie eine lebende Landkarte diffuser spiritueller Botschaften wirken. Er selbst sieht sich immer noch vor allem als Fußballer. In dieser Rolle wird er an diesem Mittwoch (20.45/ FAZ.NET-Champions-League-Liveticker) eine Bühne betreten, wie er sie lange nicht hatte: Old Trafford in Manchester, wo er mit Milan einen 2:3-Rückstand aus dem Hinspiel wettmachen muss. „Es war ein sehr emotionaler Abend für mich in Mailand gegen United“, sagte er nach dem Champions-League-Hinspiel, „aber die Rückkehr nach Old Trafford wird es noch mehr sein.“ Sein alter Trainer Alex Ferguson schimpft schon über den erwarteten „David-Beckham-Medienzirkus“.

Es ist der Ort, wo Beckham in den ersten zehn Jahren seiner Karriere zum Weltstar wurde. Er ist dort seit 2003 nicht mehr aufgetreten. Damals schickte Ferguson den Mann fort, der einst als Junge aus Ost-London zu Manchester United gekommen war. Denn Beckhams globaler Vermarktungserfolg wurde irgendwann zur Last für Team und Trainer. Es folgten vier Jahre bei Real Madrid, das Beckham vor allem als globales Marketinginstrument eingekauft hatte, nicht so sehr als Fußballer. Als logischer Endpunkt dieser Entwicklung erschien 2007 der Wechsel nach Los Angeles, wo Beckham laut Liga-Chef Don Garber „Fußball in Amerika zum Phänomen gemacht hat“; sich selbst aber zu einem Fußballer im Vorruhestand.

In der Nationalmannschaft nur noch Teilzeitspieler

So war das zumindest, ehe ihn dort wieder der sportliche Ehrgeiz packte. Dank der Hilfe des AC Mailand, der ihn Ende 2008 in der Pause der amerikanischen Saison als Quartalsleihgabe nahm und in diesem Jahr sogar bis Mai behalten wird, gelang die Reanimation seiner Restfitness durch die Analysen und Programme des auf die Bedürfnisse älterer Profis zugeschnittenen „Milan Lab“, des klubeigenen wissenschaftlichen Instituts. So glückte ihm die Rückkehr ins englische Nationalteam, für das er 115 Länderspiele gemacht hat, mehr als jeder andere Feldspieler.

Derzeit gibt es allerdings eine angeregte Diskussion in der englischen Öffentlichkeit, ob man Beckham noch einmal mit zur Weltmeisterschaft nehmen soll. Der „Observer“ nennt ihn einen „Teilzeitspieler“, zu dem England „mindestens ein halbes Dutzend jüngere, schnellere, bessere Alternativen“ habe. Andere verweisen auf seine Erfahrung und auf die Option, die er als Einwechselspieler eröffne: in festgefahrenen Spielsituationen auf lange Bälle auf die langen Stürmer Crouch und Heskey umzuschalten. Für solche präzisen Zuspiele, ebenso wie für Ecken und Freistöße, ist Beckhams rechter Fuß immer noch einer der besten der Welt.

Auf Bewährung in Old Trafford

Mit fast 35 Jahren ist Beckham also in einer Lage wie damals, als er halb so alt war und ein Anfänger: Er muss im Old Trafford vorspielen. Dabei weiß er nicht mal, wie lange man ihn lässt. Klubtrainer Leandro setzte ihn in Rom nur in den letzten zwanzig Minuten ein. Nationaltrainer Capello ließ ihn beim 3:1 gegen Ägypten in Wembley am letzten Mittwoch neunzig Minuten auf der Bank.

Und schon sorgt man sich in der amerikanischen Liga, wo die Spieler derzeit mit Streik gegen ihre geringen Gehälter drohen (viele bekommen nur das Mindesteinkommen von jährlich knapp über 20.000 Euro, weniger als ein Tausendstel dessen, was Beckham einnimmt), darum, ob ihr Star wie vorgesehen Mitte des Jahres nach Hollywood zurückkehren wird. Nötig hat er es nicht. Wo ein Beckham ist, wird immer eine Bühne sein. Aber es ist gut möglich, dass Old Trafford die letzte für den Fußballer Beckham sein wird.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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