15.06.2007 · David Beckham zelebriert seinen Abschied von Real Madrid, ohne nachzutreten. Am Sonntag kann er seine europäische Karriere noch einmal mit einem großen Titel krönen, um dann als Fußballdarsteller nach Hollywood zu gehen.
Von Christian EichlerSchönes Wochenende! David Beckham braucht man es nicht zu wünschen, er hat es gewiss. Diesen Samstag kommt zur Feier des 81. Geburtstags von Elisabeth II. die „Queen’s Birthday Honours list“ heraus, die Liste derjenigen, die bald zum Ritter geschlagen werden. Sollte der Name des künftigen Sir David dort noch nicht stehen, so wird er spätestens auf der Wunschliste erwartet, die Tony Blair, ein erklärter Fan des Fußballers, zu seinem Abschied als Premierminister erstellen darf. Schon am Sonntag aber erwartet Beckham seine ganz persönliche Krönung. Es fehlt nur noch ein Heimsieg gegen Real Mallorca, und er hätte am letzten Tag seiner vier Jahre in Madrid doch noch einen Titel gewonnen.
Von so einem Abschied träumt man. Vor fünf Monaten wollte ihn Real nicht mehr, so wie ihn vier Jahre zuvor Manchester United nicht mehr gewollt hatte. Es war eine Demütigung für das Glamour-Ego des schönen David, und so sah der Gang ins Fußball-Entwicklungsland Kalifornien, zu LA Galaxy, wie eine Flucht aus. Doch der Wind hat sich gedreht, die Fähnchen im Wind auch – es scheint, als kapierten alle, dass es ohne Beckham langweiliger wird. Von Madrid bis London half er wie kein anderer, täglich Sportzeitungen und Sportteile von zwanzig und mehr Seiten zu füllen. Zuletzt bekam er wieder gute Presse. Englands Nationalteam holte ihn zurück, Real wollte ihn nun auch wieder.
„Das Schiff ist abgefahren“
Trainer Fabio Capello, der ihm Anfang des Jahres noch verkündet hatte, er werde „kein Spiel mehr für Real machen“, und dem Beckham mit zuletzt starken Leistungen wohl den Job gerettet hat, erklärte nun: „Ich wäre glücklich, wenn er bliebe.“ Präsident Ramón Calderón, der den Engländer zuvor als „durchschnittlichen Schauspieler auf dem Weg nach Hollywood“ diffamiert hatte, sprach diese Woche plötzlich davon, Beckham umzustimmen und aus dem Vertrag mit Galaxy herauszukaufen. Dieser sieht Einnahmen von 250 Millionen Dollar über fünf Jahre vor. Doch ist der Großteil dieser unglaublichen Summe nur eine vage Hochrechnung der Vermarktungserlöse des Weltstars auf dem amerikanischen Werbe- und Medienmarkt. Zahlen der amerikanischen Spielervereinigung zeigen, dass Beckham bei Galaxy ein Garantiegehalt von lediglich knapp fünf Millionen Euro jährlich verdienen wird – eine Summe, die Real für eine zusätzliche Saison in Madrid nun verdoppeln wollte. „Doch das Schiff ist abgefahren“, sagte Galaxy-Manager Alexi Lalas.
Beckham bestätigte das bei seinem großen Auftritt am Donnerstag. Ohne gegen Real oder die Real-Bosse nachzutreten, genoss er sichtlich seine letzte Pressekonferenz in Spanien – wie ein aus dem Bett geworfener Liebhaber, den die wankelmütige Geliebte plötzlich zurück unter die Decke locken will; und der nun schon eine andere hat. „Sonntag wird mein letztes Spiel für Real sein“, sagte er. „Ich habe eine Entscheidung getroffen, und ich bereue sie nicht.“
Weltstar der Standardsituation
Wird er sie bald bereuen? Nach 15 Jahren bei den beiden größten Klubs der Welt wechselt er zu einem Team, das mit sechs Punkten aus acht Spielen derzeit das zweitschlechteste der Major League Soccer ist. Auch Lothar Matthäus ging im Frühjahr 2000 über den Atlantik und wurde im letzten Moment von Bayern München für unentbehrlich gehalten – so dass er noch für zwei Partien gegen Real blieb. Bei den mediokren New York MetroStars fiel er dann nur durch englische Wortschöpfungen auf. Wenige Monate später ruinierte er seinen Ruf als Spieler bei der blamablen EM 2000 vollends, und so begann der einst weltbeste Fußballer eine Trainerkarriere auf dem Nebengleis, deren vorerst letzte Station die Entlassung als Assistenztrainer in Österreich wurde.
Aber Beckham ist anders. Er ist nicht der Weltstar des Fußballs, einer Zeit und Raum weit umfassenden Spielkunst. Er ist der Weltstar des Schnipsel-Fußballs, des kurzen, separierbaren und reproduzierbaren Ausschnitts des Spieles, den man Standardsituation nennt. So wurde er der passende Held für die reizüberfluteten, ungeduldigen Zapper-Hirne der modernen Mediennutzer-Generation.
Das „Holzklassensyndrom“ droht nicht
Deshalb ist er in Amerika perfekt aufgehoben, wo man kein Gespür für die leisen Schwingungen und Strömungen eines Spiels hat und deshalb mit Fußball bisher nichts anfangen konnte; wo man im Football und Baseball um zwei, drei sehenswerte Aktionen herum stundenlange Übertragungen bastelt – und wo man es versteht, aus ein, zwei bekannten Gesichtern und ein, zwei Gags einen ganzen Hollywood-Film zu drehen. All das ist wie gemacht für den Fußballdarsteller Beckham.
Dabei darf er der Held der Heimat bleiben. Nationaltrainer Steve McClaren hat ihn reuig zurückgeholt und ihm auch auf dem pazifischen Außenposten einen Platz im englischen Kader zugesichert. Dass das Pendeln über Zehntausende Flugmeilen zwischen Kalifornien und Europa, allein von August bis November für sechs Länderspiele, nicht gesund wäre, dafür fanden englische Blätter schon die passenden Experten. Einer stuft den künftigen Dauerflieger in die „Hochrisikokategorie für venöse Thrombosen“ ein – jene Gefahr, die der Volksmund „Holzklassensyndrom“ getauft hat. Gut, dass sich Beckham die erste Klasse leisten kann.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |