24.06.2005 · Kamera läuft: Sönke Wortmann begleitet die deutschen Fußballnationalspieler derzeit auf Schritt und Tritt. Der Regisseur arbeitet an einer Dokumentation, die den Weg der Nationalmannschaft bis zur WM in einem Jahr beschreiben soll.
Sönke Wortmann begleitet die deutschen Fußballnationalspieler derzeit auf Schritt und Tritt. Der Regisseur, der vor zwei Jahren den WM-Triumph von 1954 als "Wunder von Bern" verfilmt hatte, arbeitet an einer Dokumentation, die den Weg der Nationalmannschaft bis zur WM in einem Jahr als „Wunder von Berlin“ beschreiben soll.
„Wir leben in der Öffentlichkeit, also müssen wir sie auch bedienen“, sagt Teammanager Oliver Bierhoff zu diesem Projekt. Doch der Confederations Cup ist erst ein Test. Danach wird entschieden, ob Wortmann als Dauerbegleiter der DFB-Elf geduldet wird.
Mit wem von der Mannschaft liegen Sie denn auf dem Zimmer?
Die Zeiten sind vorbei. Ich habe mir sagen lassen, 1990 bei der WM wäre das letzte Mal gewesen, daß Spieler in Zweibettzimmern geschlafen haben.
Sie fühlen sich dem Kreis der Mannschaft aber voll zugehörig, tragen die gleiche Trainingskleidung wie die Nationalspieler, laufen mit Adiletten durchs Hotel.
Ja, jeden Tag fühle ich mich wohler. Als ich am ersten Tag ankam, war ich auch sehr erfreut, daß ich genauso eingekleidet wurde wie alle. Das hilft natürlich, ich will mich ja integrieren, deshalb ist das gut so.
Wie schafft man Nähe zu Spielern, wie schafft man Vertrauen mit der Kamera?
Übertragen auf den Fußball: Wir sind in der Warmlaufphase. Dehnübungen werden gemacht, leichte Läufe.
Um echte Emotionen einzufangen, müssen Sie die Mannschaft so unbemerkt wie möglich begleiten. Wie macht man sich mit einer Kamera von Tag zu Tag unsichtbarer?
In den Vorgesprächen mit Oliver Bierhoff fragte er auch, wie ich denke, am wenigsten zu stören. Meine Meinung: Wenn ich einmal die Woche da wäre, wäre ich sicherlich ein Störfaktor. Wenn ich jeden Tag dabei bin, wird es bald gar nicht mehr auffallen.
Und welche Signale geben Ihnen die Spieler?
Es hätte bisher nicht besser laufen können. Natürlich sind manche Spieler noch ein bißchen schüchtern - ich ja auch. Aber es wird von Tag zu Tag besser. Man kommt immer mehr ins Gespräch.
Auch von Ihrer Seite muß das Projekt ja funktionieren, nicht nur für die Mannschaft.
Wenn ich das Gefühl hätte, daß ich im Weg bin, dann würde ich freiwillig aufhören. Es kann ja für viele Spieler der Höhepunkt ihrer Karriere sein, dazu noch im eigenen Land, entsprechend groß ist der Druck. Ich würde jeden verstehen, der sagt, diesmal nicht. Wenn es nicht zustande käme, wäre ich nicht sauer. Es ist natürlich auch eine Chance für die Spieler, wenn sie Vertrauen haben, daß es etwas Gutes werden könnte. Dann hätten sie irgendwann einen Film in der Hand, den sie ihren Enkeln zeigen könnten.
Gibt es nicht schon genug Beiträge, die Fußball thematisieren? Was können wir mehr erwarten von der Dokumentation?
Die tägliche Berichterstattung stößt an Grenzen, weil Kameras in gewisse Bereiche nicht reindürfen. Zum Beispiel während der Pause in der Kabine. Ich glaube aber, daß von Zuschauerseite ein enormes Interesse besteht, zu wissen, wie es dort zugeht. Bisher kamen Rainer Bonhof oder Michael Skibbe nach der Halbzeitpause aus der Kabine und sagten: "Wir werden das jetzt fortsetzen und hinten ein bißchen sicherer machen." Das war's dann auch. Wenn ein Film zeigen könnte, wie das entscheidende Tor von Lukas Podolski im Viertelfinale vorher von Klinsmann in der Kabine vielleicht mit ein paar Hinweisen vorbereitet wurde, also der Trainer sagt: "Lukas, paß mal auf, so und so, und dann machst du den Ball rein", wäre das eine unglaubliche Vertiefung des Fußballsports, den wir alle sehr lieben.
Ist die Nationalelf hinter den Kulissen vielleicht viel normaler, als uns das die vielen tollen Bilder der Werbung und Medien transportieren?
Auch in der Normalität liegt eine große Kraft.
Sie selbst haben in der dritten Liga gespielt. Gibt es Unterschiede, was sich dort und hier in der Kabine abspielt?
Im Prinzip war es bei Westfalia Herne genauso in der Kabine wie jetzt bei der Nationalmannschaft. Es ist nicht so, daß viel rumgeschrieen wird. Es läuft ruhiger ab. Das Donnerwetter in der Halbzeitpause, von dem Reporter immer sprechen, ist eher selten.
Wieviel Männertraum wird denn im Film noch übrigbleiben?
Ich glaube, da bleibt genug übrig. Die Franzosen haben 1998 so einen Film gedreht: Da kriegt Zidane die Rote Karte, steht alleine in der Kabine und denkt, das Leben ist nicht gerecht. Ein so emotionales Bild kann man im Spielfilm kaum schaffen.
Was hat Sie in das Projekt reingezogen?
Eine Mischung aus mehreren Gründen. Künstlerisch ist es eine große Herausforderung, einen Dokumentarfilm über so einen intimen Bereich zu machen. Dann bin ich natürlich als Ex-Fußballer emotional berührt. Beruflich könnte das einer der Höhepunkte meiner Laufbahn sein. Wenn es dazu kommt.
Wie und wann wird entschieden?
Das hängt von dieser Erfahrung hier ab. Ich werde nach dem Confed Cup ein kleines Video zusammenschneiden und zeigen. Das wird aber nicht bewertet, entscheidend ist: Bin ich im Weg oder nicht?
Sie sind ein großer Fußballfan. Was passiert mit Ihnen, wenn Sie mit der Kamera in der Hand das Projekt professionell vorantreiben müssen?
Ich muß mich zur Ruhe zwingen, das ist mir klar. Wenn die ein wichtiges Tor schießen, darf ich nicht aufspringen und die anderen herzen, sondern filmen, wenn die sich herzen. Mal gucken, wie das klappt.
Was dürfen Sie preisgeben vom Innenleben, was wollen Sie sehen für den Film?
Das ist ein bißchen learning by doing. Die Spieler sind das nicht gewohnt, ich habe das noch nicht gemacht. Aber die Aufgabenstellung ist, niemanden bloßzustellen. Es soll ein sehr emotionaler Film werden, der nicht das Ziel hat, einen Fehler nach dem anderen zu dokumentieren.
Wo dürfen Sie hin, wo bleiben Sie ausgeschlossen?
Ich darf überall hin.
In die Zimmer?
Da müßte ich vorher fragen. Ich möchte jetzt auch nicht Schweinsteiger beim Duschen filmen, zumindest nicht ungefragt. Ich darf in die Kabine, bin bei den Mannschaftsbesprechungen dabei, im Bus und auf der Ersatzbank. Ich hoffe, ich werde nicht eingewechselt.
Ein toller Traum.
Ich habe sehr früh aufgehört, mit 21 Jahren, weil ich erkannt habe, daß ich nicht gut genug war im Fußball. Aber es hat mich noch Jahre später berührt. Noch vor zehn Jahren habe ich geträumt, daß ich in der Nationalmannschaft bei Berti Vogts spiele mit der Nummer sechs. Interessant, daß man 15 Jahre nach seinem letzten Pflichtspiel so etwas noch träumt.
Wird im Film die Mannschaft als Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen, oder kann es sein, daß sich beim Projekt Hauptdarsteller herauskristallisieren?
Das kann tatsächlich passieren, da schreibt die Realität das Drehbuch. Wenn Podolski Torschützenkönig wird und es uns ins Finale trägt, dann wird er automatisch im Mittelpunkt stehen. Ich freue mich über Überraschungen.
Für Filmemacher hat ein Happy- End nicht den allergrößten Reiz. Für Sie persönlich wäre aber der WM-Titel wohl am allerschönsten?
In diesem Falle schon, klar. Dafür bin ich zu sehr emotional auf Seite der Spieler. Erst recht, wo ich sie jetzt kenne. Und was nützt es mir, wenn die Deutschen früh ausscheiden und wir bei der WM Paraguay gegen die USA sehen. Deutschland gegen England, Deutschland gegen Brasilien, Holland oder Italien - das sind die Klassiker. Deswegen muß man vorher natürlich gegen Paraguay gewinnen, damit es dazu kommt.
Sagen Sie dann auch: Wir sind Weltmeister?
Ja. Mir imponiert, wie der Bundestrainer den ganzen Betreuerstab mit ins Boot nimmt. Für ihn sind alle wichtig - und das stimmt auch. Das fängt beim Busfahrer an.
Was, wenn das Projekt doch nicht zustande kommt?
Dann werde ich die Zeit anders genießen - in Deutschland mit der WM. Ich werde in jeden Fall in diesen vier Wochen keinen Kinofilm drehen.
Das Gespräch führten Michael Ashelm und Michael Horeni.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 21 | 32 | 46 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 21 | 35 | 44 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 21 | 22 | 43 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 21 | -1 | 33 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 21 | 0 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
Hamburger SV | 21 | -8 | 26 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 21 | -2 | 25 | ![]() |
| 12. | ![]() |
1. FC Köln | 21 | -12 | 24 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 21 | -6 | 23 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 21 | -12 | 22 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 21 | -11 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 21 | -11 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 21 | -14 | 18 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 21 | -20 | 17 | ![]() |