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Veröffentlicht: 31.07.2017, 08:39 Uhr

Steuer-Affäre in Spanien Die Uhr tickt für Ronaldo

In der Steuer-Affäre wird es ernst für Cristiano Ronaldo. Ihm droht eine Gefängnisstrafe. Doch es gibt einen Ausweg für den Star von Real – unter einer Bedingung.

von Hans-Günter Kellner, Madrid
© EPA In der Bredouille: Cristiano Ronaldo und das liebe Geld.

Wenn Cristiano Ronaldo in der Champions League zum schnellen Spurt antritt, scheint es, er habe Feuer unter den Schuhen. Die orangefarbene Sohle unter dem sonst grau gehaltenen Schuh blitzt mit jedem Trippelschritt hell auf. Hunderte Millionen Zuschauer haben das zum Beispiel im jüngsten Finale der Champions League gesehen, als der Portugiese beim 4:1 gegen Juventus Turin zweimal für Real Madrid traf. Darüber freuen sich nicht nur die Fans, sondern auch der Hersteller der bunten Stiefel, der Ronaldo fürstlich entschädigt. 24 Millionen Euro jährlich soll Ronaldo angeblich inzwischen von seinem Ausstatter dafür erhalten. Die Schuhe könnten dem Portugiesen jetzt aber auch eine Geldbuße in Millionenhöhe oder sogar eine Gefängnisstrafe einbringen. Das Untersuchungsgericht hat ihn an diesem Montag in Madrid zur Aussage vorgeladen.

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Denn Ronaldos Schuhe interessieren schon seit einiger Zeit nicht nur Fans, sondern auch die spanische Steuerfahndung. Die Millionenverträge mit seinem Ausrüster gehören zu den Bildrechten, die der Stürmer eigentlich in Spanien versteuern müsste, findet das Finanzamt. Tatsächlich habe er die Einnahmen aber jahrelang in Steueroasen verschoben – und zwar in betrügerischer Absicht, so der Vorwurf. 14,7 Millionen Euro habe er zwischen 2011 und 2014 dem Fiskus so vorenthalten, weshalb die Finanzbehörde den Fußballer bei der Staatsanwaltschaft wegen Steuerhinterziehung angezeigt hat. An diesem Montag kommt es jedoch noch nicht zur mündlichen Verhandlung. Ronaldo sagt lediglich hinter verschlossenen Türen im Rahmen des Ermittlungsverfahrens aus, weshalb die 200 Medienvertreter, die sich akkreditieren lassen wollten, wohl kaum etwas erfahren werden, wenn nicht Ronaldo selbst im Anschluss eine Erklärung abgibt.

Komme es jedoch zu einem Prozess, drohten Ronaldo fünf bis sieben Jahre Gefängnis, schätzt Carlos Cruzado. Er ist Chef der Gewerkschaft der Steuerbeamten – und Fan von Real Madrid. Immerhin habe Lionel Messi vom FC Barcelona für die Hinterziehung von „nur“ 4,1 Millionen Euro schon eine Freiheitsstrafe in Höhe von 21 Monaten bekommen. Urteile von unter zwei Jahren werden in Spanien allerdings zur Bewährung ausgesprochen. Bei einer Haftstrafe von fünf Jahren wäre der Gang in die Zelle für Ronaldo hingegen unausweichlich.

© Opinary

Doch bei Steuervergehen sehen die spanischen Gesetze einen Ausweg vor: Gibt der Beschuldigte die Straftat zu und zahlt die hinterzogenen Steuern nach, bleibt es bei einer Verurteilung zu einer Geldstrafe – im Falle Ronaldos sieben bis neun Millionen Euro, schätzt Cruzado. Allerdings darf der Superstar mit seiner Reue nicht lange warten: Die Frist für einen Deal mit der Staatsanwaltschaft laufe Ende August ab, den hinterzogenen Betrag von fast 15 Millionen Euro müsse er sogar schon in dieser Woche nachzahlen. Für den Finanzbeamten Cruzado hat das einen bitteren Beigeschmack. Der Gesetzgeber gebe Finanzdelikten damit den Anstrich von „Gentlemen-Vergehen“, von denen man sich freikaufen könne, während jeder Kleindealer in Spanien mit hohen Gefängnisstrafen rechnen müsse.

Cruzado glaubt allerdings nicht, dass Ronaldo schon an diesem Montag reinen Tisch macht. Er werde wohl bei seiner bisherigen Strategie bleiben und behaupten, er habe immer alles richtig versteuert und nie die Absicht gehabt, Steuern zu hinterziehen. Dagegen steht die Ansicht von Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft: Schon die Konstruktion über Briefkastenfirmen in Steueroasen weise auf die strafbare Absicht hin, die Einnahmen zu verschleiern, heißt es aus der Steuerbehörde. Diesen Streit in einer mündlichen Verhandlung auszutragen birgt für Ronaldo jedoch ein großes Risiko. Denn ein Deal mit der Anklage zur Vermeidung einer Haftstrafe ist nur vor dem Prozess, allerdings nicht mehr im Verhandlungssaal möglich.

47784530 © AFP Vergrößern Kollege Lionel Messi vom FC Barcelona hat seine Strafe bereits erhalten.

Aber auch wenn Ronaldo die Gefängniszelle erspart bliebe: Das Stigma des Vorbestraften würde er nicht mehr los. Dieses Schicksal würde er mit Messi wie auch mit Javier Mascherano vom FC Barcelona teilen. Auch gegen Pepe, Fábio Coentrão, Ángel di María oder Radamel Falcao laufen ähnliche Ermittlungen. Der Imageverlust ist enorm. Viele Fans in den Internetforen meinen, Ronaldo soll seine Steuern zahlen und den Verein verlassen, wenn denn jemand eine Ablösesumme von 180 Millionen Euro bezahlen will. Auf Solidarität können Steuerhinterzieher im Krisenland Spanien kaum noch zählen.

Für die Kinder seien die Stars Idole, sie müssten mit gutem Beispiel vorangehen, meint Fußballfan Cruzado traurig und hält das Beispiel von Martin Ödegaard dagegen. Der Norweger war 2015 im Alter von 17 Jahren zu Real Madrid gewechselt. Spanische Rechtsanwälte wollten ihm ein ähnliches Steuersparmodell vermitteln wie Ronaldo. Sein Sohn werde sowieso viel Geld verdienen, antwortete sein Vater und Berater Hans Erik. Es sei moralisch fragwürdig, mit dem Ziel der Steuervermeidung Firmengeflechte in Steueroasen aufzubauen, während die Leute auf der Straße ihre Rechnungen nicht bezahlen könnten.

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