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Cristiano Ronaldo Manchester United kapituliert vor Real

12.06.2009 ·  Eine Traumrendite, aber das Gefühl der Ohnmacht: Denn ein neues Steuergesetz schwächt den englischen Fußball - und Ronaldo geht wohl für 80 Millionen Pfund zu Real. Gegen die Summen, um die es langfristig geht, ist das aber nur Kleingeld.

Von Christian Eichler
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Eine Rendite von 555 Prozent in sechs Jahren hätte mancher Anleger gern. Und doch ist der bevorstehende Verkauf von Cristiano Ronaldo, einst 12,2 Millionen, nun 80 Millionen Pfund teuer, „ein vernichtender Schlag“ für Manchester United – so sieht es der „Guardian“. Zwar dürfte Trainer Alex Ferguson viel Spielgeld in die Hand bekommen, um den Verlust zu kompensieren, etwa mit den Stürmern Valencia (Wigan) und Benzema (Lyon). Auch dass er die Fühler nach Franck Ribéry ausgestreckt hat, ist kein Geheimnis. Doch selbst der Bayern-Star zeigte zuletzt deutlich mehr Interesse an Spanien.

So droht Manchester, was der Wechsel Ronaldos anzudeuten beginnt: der Rückschritt von der 1a-Adresse des europäischen Fußballs auf eine Stufe, auf der man anderen den Vortritt lassen muss. Der mächtigste englische Klub hat binnen drei Wochen zwei deutliche Niederlagen kassiert – erst im Finale der Champions League gegen Barcelona, nun im Ringen um den „Weltfußballer“ gegen Madrid.

Obwohl United den Spieler unter Vertrag hat, war es nicht Herr des Verfahrens – ein Gefühl ungekannter Ohnmacht. Den Deal hatte Real Madrid bereits im letzten Jahr eingefädelt, in einem vertraulichen Vorvertrag wurde Ronaldos Jahresgehalt von rund acht Millionen Euro (plus Prämien und Bildrechte) vereinbart. Im letzten Sommer verhinderte United den Wechsel noch, im Winter polterte Ferguson gar, er werde „diesem Mob“ aus Madrid „nicht einmal einen Virus verkaufen“. Doch der damalige Real-Trainer Juande Ramos sagt, dass „jeder wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war“.

„Er bekommt beim gleichen Gehalt 25 Prozent netto mehr“

Noch vor zwei Wochen schloss United-Geschäftsführer David Gill einen Verkauf aus. Dann reichte am Mittwoch ein fünfzehnminütiges Telefonat. Perez rief Gill an: Das Geld sei da. Gill wählte die Nummer des Frankreich-Urlaubers Ferguson, und der Deal war durch. Kein Poker mehr, kein Zeitspiel, keine Tricks über die Medien – so rasch und reibungslos, wie der Vollzug kam, wirkte er wie eine Kapitulation.

Michel Platini, der Präsident der Europäischen Fußball-Union, kritisiert das Angebot als „exzessiv“ und diese Art von Transfers als „ernste Bedrohung für das Fairplay“. Vor allem aber sind sie eine Bedrohung für die englische Vormacht. Arsène Wenger, Trainer des FC Arsenal, sagte schon im Frühjahr voraus, dass England seinen Status als das Transferziel Nummer eins für ausländische Stars verlieren werde – wegen der aktuellen Pfundschwäche und der bevorstehenden Erhöhung des Spitzensteuersatzes.

Bisher beträgt der Satz oberhalb eines Jahreseinkommens von 37.400 Pfund vierzig Prozent. Im April 2010 wird er für Menschen, die über 150.000 Pfund verdienen (also praktisch alle Fußballprofis), auf fünfzig Prozent erhöht. In Spanien dagegen wurde 2005 ein Gesetz erlassen, das Steuererleichterungen für qualifizierte Zuwanderer vorsieht. So braucht Ronaldo in den ersten fünf Jahren nur 23 Prozent an Steuern zu bezahlen. „Er bekommt beim gleichen Gehalt wie in England 25 Prozent netto mehr“, rechnet der Spielerberater Jonathan Barnett vor und prophezeit: „Der neue Steuersatz wird es englischen Klubs viel schwerer machen.“

Vielzahl kleinerer Transfers innerhalb der Liga erwartet

Die meisten ausländischen Profi lassen sich Nettogehälter in die Verträge schreiben – so dass die Klubs deren zehnprozentige Steuererhöhungen ab 2010 übernehmen müssen. Der Agent Barry Silkman erwartet, dass „englische Klubs Probleme haben werden, diesen Sommer Spieler vom Kontinent zu kaufen“. Er erwartet stattdessen eine Vielzahl kleinerer Transfers innerhalb der Liga.

Madrid dreht am größeren Rad. Acht Jahre lang war Manchester der umsatzstärkste Klub der Welt, dann übernahm Real. Seit fünf Jahren ist Real nicht mehr unter den besten acht der Champions League, aber fast ebenso lang die Nummer eins der Umsatztabelle. Die Verpflichtung von Beckham 2003 öffnete die asiatischen Märkte, denn erfahrungsgemäß sind die meisten Fans in den neuen Märkten nicht vereins-, sondern starorientiert, sie folgen ihren Helden zu neuen Klubs. Wer die Stars und damit die Fans hat, wird sich den größten Anteil an den gewaltigen Fernseherlösen der nahen Zukunft sichern. Ronaldo bringt Real in die Pole Position des globalisierten Fußballs. United hat sie aufgegeben – gegen eine Wahnsinnssumme. Gegen die Summen, um die es langfristig geht, ist sie Kleingeld.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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