Der Confederations-Cup hat ahnen lassen, was im nächsten Jahr auf uns zukommt. Alle fiebern dem großen Fußballereignis entgegen. Deshalb haben wir dem WM-Standort Deutschland ein Zwischenzeugnis ausgestellt. Fest steht: Die Versetzung ins WM-Jahr ist nicht gefährdet.
Gastfreundschaft: Das Land der Sinnlichkeit
Wir können auch anders. Nämlich freundlich. Wir sind gar nicht nur effektiv, rational und pünktlich, wir sind auch: irrational, offenherzig, gastfreundlich. Ausländerfreundlich. "Die Welt zu Gast bei Freunden" ist das Motto der Weltmeisterschaft 2006. Deutschland möchte Gastlichkeit bieten, Deutschland möchte nicht auf ein zäh haftendes Klischee reduziert werden, Deutschland möchte schon gar nicht sinnenfeindlich und ausländerfeindlich sein. Ist es ja auch nicht. Wen man auch fragte und hörte in und aus Hannover, Frankfurt, Nürnberg, Köln, Leipzig, alle fühlen sich wohl zu Gast bei Freunden, denn auch wenn der Confederations Cup viel weniger als die Generalprobe für die ungleich größere WM ist, eines hat er geschafft: Alle, die nächstes Jahr zu uns kommen (einige kommen ja wieder), können sich auf ein weltoffenes, junges, modernes Deutschland freuen. Und was dieses Mal noch nicht klappte an Herzlichkeit, wollen wir nächstes Jahr nachholen. Die Politik kann machen, was sie will: Die Vorfreude auf die WM zerstört sie nicht.
Stadien: Fünf Selbstgänger
Natürlich hat niemand damit gerechnet, daß die fünf Spielorte ausgerechnet mit ihren Stadien durchfallen könnten. Bei Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro waren die Spielstätten so etwas wie ein Selbstgänger. Das Organisationskomitee hatte bewußt Städte und Stadien ausgewählt, die im nächsten Jahr nicht zur ersten WM-Wahl gehören werden. Kleiner, aber fein - das gilt für dieses Quintett als Kontrastprogramm zu Berlin, München, Dortmund und Co. Spannend war es allenfalls in Frankfurt: Dort wurde das Stadion erst kurz vor der Eröffnungsfeier fertig. Dafür hatte dieses "schönste Cabrio der Welt", so die Stadtväter, eine Sonderstellung - bis im nächsten Jahr in München gar "das schönste Stadion der Welt" (Beckenbauer) hinzukommt. Mitunter wirken einige dieser Multifunktionsarenen bei aller Perfektion und bei allem Glanz austauschbar. Eines haben sie gemeinsam: Hier herrscht auch bei halbvollen Rängen dank guter Akustik beste Stimmung.
Fans: Heitere Spiele
Der sogenannte zwölfte Mann, für wen auch immer er die Daumen gedrückt hat, gehört zu den großen Gewinnern des Turniers. Vieles sollte WM-Format haben beim Confederations Cup, die Zuschauer aber nicht. Der WM-Härtetest war als nationales Fußballfest ohne allzu großen Andrang aus dem Ausland annonciert worden. Ihre Partytauglichkeit stellten aber auch kleine, dafür besonders enthusiastische und farbenfrohe Fangruppen aus Mexiko, Australien oder Japan unter Beweis - ganz zu schweigen von den Griechen, die bei jedem Spiel ihrer Mannschaft in der Überzahl waren. Dazwischen positionierten sich die vielen deutschen Besucher, die auch bei Spielen ohne Klinsmann, Kahn und Co. ihr Fanherz verschenkten. Auch dieses Turnier profitierte bei über 85 Prozent Stadionauslastung und durchschnittlich über 35000 Zuschauern pro Spiel davon, daß sich bei Länderspielen eine andere Stimmung breitmacht als bei Bundesligapartien: entspannter, fröhlicher. Das kann heiter werden bei der WM.
Sicherheit: Unverhältnismäßig
Strenge Kontrollen sind bei großen Turnieren unumgänglich. Allerdings sollte vor den Toren der Fußballwelt die Verhältnismäßigkeit stimmen. Das rechte Maß ist noch nicht überall gefunden. Insofern ist der besonders weltoffene Fußballstandort Köln aufgefallen. Bei zwei von drei Spielen dort sind sogenannte Flitzer von der Tribüne auf den Rasen gestürmt und haben Körperkontakt zu Spielern gesucht. Die Störer waren letztlich harmlos und wollten nur im Fernsehen "auftreten" oder eine Wette gewinnen. Diesem Defizit an Ordnung standen überaus penible Kontrollen in einer Zone gegenüber, die nur akkreditierten Personen zugänglich sind, die vor Turnierbeginn einer polizeilichen Sicherheitsprüfung unterzogen wurden. Als Bundesinnenminister Schily vor dem Spiel Tunesien gegen Deutschland mit dem Hubschrauber gelandet war, durfte sich rund um den Eingang zur "Vip-Lounge" zehn Minuten lang niemand mehr von der Stelle rühren, bis der Politiker und sein Gefolge im Stadioninneren verschwunden waren. Gut, daß Schily nicht mitgespielt hat, sonst hätte der Flitzer, der während der Partie auf den Platz lief, vielleicht den Minister und nicht Torwart Jens Lehmann umarmt.
Zuschauerservice: Bier ohne Schaum
Fußball muß einem sehr lieb sein, daß er so teuer sein darf. 50 Euro fürs Plätzchen weit oben, macht als Familie 200 Euro. Plus Gebühr, Parken, Eis, Getränke. Der Service dafür? Man darf rein ins Stadion. Wieder raus. Glücklich die Branche, deren Kunden mit so wenig zufrieden sind. Kostendämpfend wirkt, daß man in der Pausenschlange eh nur eine Bestellung schafft. Amerikanisches Sponsor-Bier. Aus Flaschen wird es liebevoll von Fachkräften in Becher umgefüllt. Es hilft, den Schankvorgang und die einsetzenden chemischen Prozesse genau zu beobachten. Mit etwas Expertise läßt sich ausmachen, welcher Bruchteil der Becher auch nach Wiedererreichen des Sitzplatzes noch einen Rest Schaum tragen könnte. Na ja, beinahe. Bier mit Schaum kann man an 364 Tagen im Jahr trinken. Und wenn man 2006 vielleicht beim Vorrundenknüller Togo gegen Costa Rica auf sein Ticket schaut? Auf dem etwa ein Preis von 100 Euro steht? Dann dran denken: Spaß haben! Das Geld ist sowieso jetzt schon abgebucht.
DFB-Öffentlichkeitsarbeit: Mehr Fan-Nähe!
Die Wirkung der deutschen Mannschaft und ihres mehr als 25köpfigen Betreuerstabes in der Öffentlichkeit spielt für Jürgen Klinsmann im Hinblick auf die positive Grundstimmung zur WM eine zentrale Rolle. "Freundlich, selbstbewußt, nicht brav, aber korrekt", so schwebt Teammanager Oliver Bierhoff das Erscheinungsbild vor. Allen voran der Bundestrainer versuchte zu Beginn des Turniers in den Medien überschwenglichen Optimismus zu verbreiten, etwas zu penetrant, was er im Laufe der Tage durch mehr Realismus korrigierte. Das gesamte Team ist bemüht, sich seinem Publikum etwas mehr zu öffnen als in der Vergangenheit und den Medien die Berichterstattung zu erleichtern. Die täglich vom Fernsehen übertragene Pressekonferenz aus dem Lager der Nationalelf soll in dieser Form auch im nächsten Jahr stattfinden. Noch mehr Fan-Nähe täte allerdings gut, hat sich der Verband beim Confederations Cup doch nur zu einem öffentlichen Training durchringen können - vormittags am Werktag, auf einem Platz in der Provinz. Das wird dem Interesse nicht gerecht.