28.03.2011 · Der Sport wird seit langem als eine subtile Art der Außenpolitik benutzt, China hat Costa Rica jetzt ein Fußballstadion für mehr als achtzig Millionen Dollar geschenkt. Die Aktion ist Teil einer weltweiten wirtschaftlichen Offensive der Großmacht.
Von Martina FarmbauerPing-Pongdiplomatie ist ein eingeführter politikwissenschaftlicher Begriff. Historisch beschreibt er die Annäherung der Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China zu Beginn der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts: Den Tischtennis-Begegnungen folgten politische Gespräche. Der Sport wird seit langem als eine subtile Art der Außenpolitik benutzt, groß war darin nicht nur, aber besonders die DDR. Sportler werden deshalb auch mitunter als Diplomaten im Trainingsanzug bezeichnet.
Auch für China spielt der Sport eine große Rolle, um sein Selbstbewusstsein zu stärken und seine weltweiten Ziele zu verfolgen. Zum Beispiel in Mittelamerika. Es war ausgerechnet Oscar Arias, der Friedensnobelpreisträger aus Costa Rica, der den Pakt mit der autoritären Großmacht einging. Und er tat dies so zielstrebig und pragmatisch, wie sich sonst China auf seine ökonomischen Eroberungszüge macht. Der damalige costa-ricanische Präsident beendete 2007 die langjährigen diplomatischen Beziehungen mit dem von China als abtrünnige Provinz bezeichneten Taiwan und schloss ein Freihandelsabkommen mit dem asiatischen Riesen. Quasi als Dank für den Seitenwechsel, so sehen das die Menschen in Costa Rica, hat ihr Land von China ein neues, hochmodernes Fußballstadion für mehr als achtzig Millionen Dollar bekommen, das am Samstag mit einem Spiel gegen China (2:2) eröffnet worden ist.
Das einzige Land in Mittelamerika, das auf der Seite Chinas steht
„Ein Nationalstadion ist etwas, das die Chinesen zu bauen verstehen - und womit sie werben können“, sagt Daniel Erikson, Mitglied des Washingtoner Thinktanks „Inter-American Dialogue“. Costa Rica ist das einzige Land in Mittelamerika, das auf der Seite Chinas steht, alle anderen sind noch mit Taiwan verbündet. Die Chinesen wollen nicht nur weitere Länder Zentralamerikas für sich gewinnen, ihr Engagement ist Teil einer weltweiten wirtschaftlichen Offensive vor allem in Afrika und Lateinamerika. Sie dient dazu, sich den Zugang zu Rohstoffquellen zu sichern, neue Absatzmärkte zu schaffen und Verbündete zu suchen.
China ist inzwischen der zweitwichtigste Handelspartner des mittelamerikanischen Landes nach den Vereinigten Staaten. Drei Milliarden Dollar beträgt das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern. 6,2 Milliarden Dollar hat China seit 2007 in Costa Rica investiert. Es geht um langfristige Handelsabkommen, gewaltige Infrastrukturprojekte und Aufbauhilfe. So sollen die Chinesen in Costa Rica auch eine wichtige Straße bauen - so wie sie das neue Fußballstadion mit eigens dafür eingeflogenen chinesischen Arbeitern errichtet haben. „Wir müssen bei all der Begeisterung zugeben, dass wir nicht fähig sind, ein solches Stadion zu errichten“, sagt José Fernando Araya, der für die costa-ricanische Tageszeitung „La Nación“ über die Nationalmannschaft berichtet. „Es dauert ja schon bis zu zwei Jahre, bis eine Straße oder Brücke repariert ist.“
Die glorreiche Generation
Bei der Stadioneröffnung gegen China enttäuschte die costa-ricanische Nationalmannschaft und konnte einen 2:0-Vorsprung durch Tore von Álvaro Saborío und Rándall Brenes nicht halten. Eine Gelegenheit, sich dem Anlass entsprechend zu präsentieren, haben ihre Teamkollegen noch, am Dienstag gegen Argentinien. Dann soll auch Lionel Messi mit von der Partie sein, so dass es so oder so ein Fußballfest geben könnte für Costa Rica, das 1990 in Italien zum ersten Mal bei einer WM dabei war und prompt ins Achtelfinale kam. 2002 in Japan und Südkorea überstanden die Costa Ricaner die Vorrunde nicht, ebenso wenig wie 2006, als sie das Eröffnungsspiel gegen Deutschland bestritten.
Das Erreichen der zweiten Runde mag der größte sportliche Erfolg in der Geschichte der costa-ricanischen Nationalmannschaft sein (die Spieler der glorreichen Generation waren zur Premiere des Stadions komplett eingeladen), das 2:4 gegen Gastgeber Deutschland 2006 war das bis heute medial meistbeachtete Ereignis in ihrer Geschichte. Statt ein paar interessierten Landsleuten und einem überschaubaren Medienaufgebot in der Heimat verfolgten 70.000 Zuschauer im Stadion und zwei Milliarden an Fernsehschirmen in der ganzen Welt das Geschehen in der Münchner Arena. So viel Aufmerksamkeit haben die „Ticos“ danach nicht mehr bekommen, auch weil sie an der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika in der Relegation gegen den späteren WM-Halbfinalisten Uruguay knapp vorbeischrammten und stattdessen Honduras zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder zu einem Auftritt bei der Weltmesse der Besten kam.
Ziel ist die Weltmeisterschaft 2014
Costa Rica will im Fußball seine Vormachtstellung auf dem Isthmus wiedererlangen und sich für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien qualifizieren. Deshalb hat eine Erneuerung der Mannschaft stattgefunden mit erfahrenen Spielern wie Bryan Ruiz, der mit Twente Enschede im vergangenen Jahr die niederländische Meisterschaft gewann, und dem Kern der U-20-Mannschaft, die bei ihrer WM 2009 in Ägypten den vierten Platz belegte. Dazu gehören Spieler wie Esteban Alvarado, der seit dieser Saison ebenfalls in Holland spielt, bei AZ Alkmaar, und Diego Madrigal von Cerro Porteño in Paraguay.
Der costa-ricanische Verband FCF (Federación Costarricense de Fútbol) holte einen Trainer aus einer der führenden Fußballnationen: den Argentinier Ricardo La Volpe, der von 2002 bis 2006 Mexiko trainiert hat. Wie das 2:2 gegen China zeigte, kann es jedoch noch eine Weile dauern, bis das neue Stadion ein Symbol für alte Stärke wird.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |