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Veröffentlicht: 26.02.2013, 23:59 Uhr

Copa del Rey Ronaldo ist der König von Barcelona

In einem einseitigen Clásico siegt Real mit 3:1 in Barcelona und zieht ins Finale des Pokals ein. Ronaldo ist der überragende Spieler des Abends. Barca ist erstaunlich weit vom bisherigen Glanz entfernt.

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© AP/dpa Der Lieblingsfeind Nummer eins ärgert Barcelona: Cristiano Ronaldo

So ratlose Gesichter gab es im Camp Nou lange nicht. In einem erstaunlich einseitigen Clásico setzte sich Real Madrid mit 3:1 in Barcelona durch und steht im Endspiel des spanischen Pokals. Der überragende Cristiano Ronaldo mit einem Doppelpack (12. Minute/Foulelfmeter/57.) und Raphaël Varane (68.) trafen für die Gäste, Jordi Alba (89.) gelang nur noch der Ehrentreffer. Da konnte es sich Madrid-Trainer José Mourinho sogar leisten, schon vor dem Abpfiff entspannt lächelnd in die Kabine zu gehen.

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Obwohl die beiden Schwergewichte des Weltfußballs in der spanischen Primera División 16 Punkte in der Tabelle trennen, hatten sie zuletzt mehr gemeinsam als ihnen lieb sein konnte. Denn sowohl dem katalanischen Tabellenführer Barcelona nach einem 0:2 beim AC Mailand als auch dem hinterherhechelnden Rivalen aus Madrid wegen des 1:1-Heim-Unentschiedens im Hinspiel gegen Manchester United droht in der Champions League bereits im Achtelfinale das frühe Aus.

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Barca, das nach dem 1:1 vor vier Wochen im Hinspiel ein torloses Remis zum Einzug ins Halbfinale gereicht hätte, begann betont offensiv. Nicht einmal zwei Minuten waren gespielt, da zischte ein Drehschuss von Lionel Messi knapp am linken Pfosten vorbei. Doch schon wenig später wurde es ruhig im Camp Nou, weil der Lieblingsfeind Nummer eins groß aufspielte: Ronaldo.

Der Portugiese zog auf der rechten Seite auf und davon, drang in den Strafraum ein, wackelte mit einem doppelten Übersteiger Gerard Pique aus - und ließ sich vom ungelenken Abwehrmann mit dem ausgefahrenen Bein foulen. Der Elfmeter durch Schiedsrichter Alberto Undiano Mallenco war unstrittig. Der Gefoulte selbst trat an und schob souverän ein. Und schon stand fest: Barcelona hält wieder nicht dicht. In den vergangenen zwölf Spielen gab es immer ein Gegentor.

Barcelona's Messi reacts as he leaves the pitch after their Spanish King's Cup semifinal second round soccer match against Real Madrid in Barcelona Was war da nur los? Lionel Messi und Barcelona finden nie zu ihrem Spiel © REUTERS Bilderstrecke 

Die Katalanen reagierten ohne Trainer Tito Vilanova, der sich zur Behandlung seiner Krebserkrankung noch bis mindestens April in New York aufhält und weiter von Jordi Roura vertreten wird, verunsichert. Kaum konnten sie ihr gefürchtetes Tiki-Taka-Spiel aufziehen. Zudem nahm ihnen Real durch geschicktes Verteidigen, an dem sich auch die guten Deutschen Mesut Özil und Sami Khedira rege beteiligen, jede Gefährlichkeit.

Einzig ein Freistoß von Messi sorgte für Gefahr. Der kleine Argentinier zielte aber aus 18 Metern nicht genau genug und verpasste seinen 18. Treffer im Clásico, der ihn zum gemeinsamen Rekordhalter mit dem großen Alfredo di Stefano gemacht hätte. Nach der Pause änderten sich die ungewohnten Kräfteverhältnisse nicht. Schüsse von Fabio Coentrao für Real (50.) und Sergio Busquets für Barcelona (52.) entschärften die Torhüter jeweils ohne große Mühe.

Ronaldo und Varane machen alles klar

Danach betrat wieder der König der Königlichen die Bühne in Barcelona. Nach einem Befreiungsschlag von Khedira enteilte Angel di Maria Abwehrspieler Carles Puyol. Als der Spanier den Argentinier doch eingeholt hatte, rutschte er jedoch aus. Zwar wehrte Torwart Jose Manuel Pinto di Marias Schuss noch ab. Doch Ronaldo stand richtig, nahm den Abpraller mit der Brust an und schob den Ball an Alba vorbei aus fünf Metern ins Tor.

Dieses 0:2 bedeutete, dass Barca noch drei Treffer hätte schießen müssen. Doch der junge Varane, der schon im Hinspiel zum 1:1-Endstand eingeköpft hatte, stand nach einer Özil-Ecke hoch in der Luft und ließ Pique und Puyol wie geschrumpfte Riesen aussehen. Sein Kopfball schlug unhaltbar unter der Latte zum 0:3 ein. Bevor Alba noch das Ehrentor auf Vorlage von Andres Iniesta gelang, spielten die Hausherren den Rest der Spielzeit ungewohnt uninspiriert herunter.

Ist das der Anfang vom Ende einer Ära?

Das Spiel hinterlässt angesichts des drohenden Ausscheidens in der Champions League Fragen: Erwischte Barca nur einen (weiteren) schlechten Tag oder ist das der schleichende Anfang vom Ende einer Ära, in der die Katalanen zum Leitbild des schönen wie erfolgreichen Fußballs wurden? Schon am Samstag könnte es eine Antwort geben: Dann empfängt Real in der Liga Barca zum nächsten Clásico.

Quelle: FAZ.NET

 

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