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Confed-Cup in Brasilien Probleme, Pannen, Proteste

 ·  Wer den Confed Cup in Brasilien als Maßstab für die WM 2014 nimmt, der wird sich auf ein heikles Turnier einstellen müssen. Bei der Generalprobe hakte es an vielen Stellen.

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© AP Vergrößern Confed-Cup 2013: Vorfreude auf die WM sieht anders aus

Joseph Blatter und Jerome Valcke hätten es ahnen können: Der Confed Cup 2013 stand schon bei seiner Auslosung unter keinem guten Stern, als damals, an einem Novembertag in São Paulo, ausgerechnet ein brasilianischer Starkoch in den falschen Topf griff und die eigentlich kinderleichte Auslosung von zwei Gruppen zu einem Fiasko geriet, bei der Fifa-Generalsekretär Valcke den Überblick verlor. Und vor den Toren des Kongresszentrums hatte die Menschenrechtsorganisation „Rio de Paz“ mit lautstarken Protesten die Sicherheitsbeamten genarrt.

Schon damals gab der Internationale Fußball-Verband (Fifa) kein gutes Bild ab. Der Eindruck setzte sich dann beim Turnier in Brasilien fort. Gewalttätige Proteste gegen die Fifa und ihren Gigantismus sowie Demonstrationen gegen die Regierung waren die Begleiterscheinungen des Turniers. Fifa-Präsident Blatter ging darauf in Rio de Janeiro zwar ein, als er erstmals Verständnis für die sozialen Unruhen äußerte. Die Proteste gegen die Fifa aber ignorierte er.

Sportlich war der Confed Cup 2013 der bislang beste seiner Art. Die teilnehmenden Teams reisten mit all ihren Topstars an, die Zeiten, in denen B-Mannschaften mit unmotivierten Kickern aus der zweiten Reihe lustlos bei einem belanglosen Sommerturnier auftraten, sind endgültig vorbei. Die Spieler von Tahiti verliehen dem Turnier einen im positiven Sinn exotischen Anstrich. Der Rest der Teilnehmer nahm das Turnier als das, was es wirklich war: eine ideale Gelegenheit, die Bedingungen vor Ort ein Jahr vor der WM zu testen.

„Fifa-Standards für die Metro“ gefordert

Organisatorisch muss das Gastgeberland des WM-Turniers 2014 allerdings noch einiges verbessern. Lästige Probleme an den Geldautomaten mit ausländischen Kredit- oder EC-Karten verärgerten viele Touristen, weil sie oft gar kein oder nur wenig Bargeld bekamen. Wer der Landessprache nicht mächtig ist, für den ist jede Suche nach Informationen ein kleines Abenteuer. Daran ändern auch nichts die in den Spielorten aufgestellten Hinweisschilder zu den Stadien. Viel zu kleine Flughäfen, nur wenige Direktverbindungen zwischen den einzelnen Orten und bisweilen horrende Hotelpreise in den Austragungsstädten verhageln die Freude an einem Aufenthalt in Brasilien.

Es ist nur schwer vorstellbar, dass die teilweise viel zu spät begonnenen Bauarbeiten an den Flughäfen, Autobahnen und anderen Verkehrsinfrastrukturprojekten innerhalb der nächsten zwölf Monate tatsächlich fertig werden. Die demonstrierenden Brasilianer nehmen das mit Galgenhumor zur Kenntnis: „Wir wollen Fifa-Standards nicht nur für die Stadien, sondern auch für die Metro“, schreiben sie auf ihre handgemalten Protestplakate.

Die teilweise gewalttätigen Demonstrationen haben den Confed Cup geprägt und den Blick von teilweise sehr ansehnlichen Spielen abgelenkt. Den Ablauf des Turniers haben sie zwar nur am Rande gestört, wenn es zu Problemen bei der An- und Abreise zum Stadion kam. Die Protestbewegung, die sich während des Confed Cup etabliert hat, wird sich aber während der nächsten zwölf Monate verfestigen. Gelingt es der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff nicht, durch überzeugende politische Konzepte und konkrete Projekte den brasilianischen Wutbürger zu überzeugen und mitzunehmen, könnten die Demonstrationen auch zu einer Begleiterscheinung des WM-Turniers werden. Ihr Versprechen, das Land werde eine „großartige WM“ ausrichten, wird da nicht ausreichen.

Touristen brauchen starke Nerven und ein gutes Konzept

Die Proteste haben schon jetzt Auswirkungen auf „Brasil 2014“. Viele Touristen, die in diesen Wochen ihre Entscheidung treffen, ob sie denn zur WM fliegen wollen oder nicht, sind durch die Bilder von brennenden Autoreifen und fliegenden Molotow-Cocktails abgeschreckt worden. Den Brasilianern selbst blieben zerstörte Stadtviertel und eindeutige Graffiti auf den Mauern: „Fifa go home“. Die Nachfrage nach den Karten wird dennoch riesig sein. Die Stadien beim Confed Cup waren gut besucht, das bevölkerungsreiche Brasilien verfügt allen Protesten zum Trotz über eine ausreichend zahlungskräftige Mittelschicht, die sich um die Karten riss. Vor dem Finale zwischen Brasilien und Spanien betrug der Preis für eine Eintrittskarte nach lokalen Medienberichten auf dem Schwarzmarkt bereits rund 2000 Euro.

Auf die 32 Mannschaften, die im kommenden Jahr um den WM-Titel kämpfen, kommen wie auf die reisewilligen Fans enorme logistische Herausforderungen zu. Brasilien ist ein riesiges Land. Reine Flugzeiten von mitunter drei, vier Stunden für einen Flug von einem Spielort zum anderen sind keine Seltenheit. Dazu kommen die nicht nur in den Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro komplizierten und langwierigen Anfahrten zu den Flughäfen. Wer in Brasilien innerhalb des Landes reisen will, braucht das Flugzeug. Per Auto und Bus sind die Strecken einfach zu lang. Es geht durch verschiedene Klima- und Zeitzonen, und es wartet eine bisweilen drückende Luftfeuchtigkeit. Wer das Abenteuer WM 2014 plant, braucht starke Nerven und ein gutes strategisches Konzept.

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