29.06.2005 · Dem spektakulären, angriffslustigen Stil der Brasilianer setzt der argentinische Nationalcoach Jose Pekerman im Confed-Cup-Finale einen nüchternen Plan entgegen, in dem der einzelne nichts bedeutet.
Von Michael EderWenn die Brasilianer trainieren, fühlt sich der Zuschauer wie bei einem Popkonzert. Die Fans feiern auf der Tribüne, und die Mädels kreischen, wenn Stars wie Ronaldinho über den Rasen stolzieren, der für diese Künstler kein Arbeitsplatz ist, sondern eine Bühne. Am Mittwoch im Finale des Confederations Cup treffen sie auf den Nachbarn aus Argentinien, schillernde brasilianische Ballartisten gegen eine unscheinbare argentinische Arbeitsgemeinschaft, der Starkult so fremd ist wie sonst kaum einer anderen Mannschaft im Turnier.
Der einzige Weltstar, den sie haben, Hernan Crespo vom AC Mailand, ist nicht dabei, die Stützen der Mannschaft wirken gegen Ronaldinho und Kollegen fast bieder, alles ruhige Zeitgenossen, nichts zu sehen vom Machogehabe, das den argentinischen Fußball nicht nur in der Ära Maradona geprägt hatte.
Die Pekermansche Nachwuchsschule
Javier Zanetti von Inter Mailand, 31 Jahre alt, hat im Halbfinale gegen Mexiko sein hundertstes Länderspiel absolviert, ein Verteidiger von Weltklasse, aber frei von Allüren und charismatischer Attitüde - also ganz nach dem Geschmack von Jose Pekerman. Der argentinische Nationaltrainer hat seine Mannschaft auf die Linie eingeschworen, die er schon als erfolgreicher Juniorentrainer verfolgt hatte: Der einzelne ist nichts, nur die Organisation, das Zusammenspiel, ist wichtig. Diesen Gruppenzwang kennen die meisten Spieler aus dem derzeitigen Kader seit vielen Jahren. Pekerman ist mit ihnen nicht nur einmal Weltmeister geworden: Dreimal - 1995, 1997 und 2001 - führte er argentinische "U20"-Teams zum Titel. Saviola, Riquelme, Aimar, Samuel, Sorin - sie alle sind durch die Pekermansche Nachwuchsschule gegangen. Seit vergangenem Oktober, als der erfolgreichste Nachwuchstrainer der Welt, der zuvor noch nie eine Erwachsenenmannschaft trainiert hatte, zum Nachfolger von Marcelo Bielsa aufstieg, geht die Arbeit weiter, auf höchster Ebene jetzt, mit einem einzigen Ziel: im nächsten Jahr die Weltmeisterschaft zu gewinnen.
Die taktische Ausrichtung der Argentinier basiert auf einem gleichberechtigten Zusammenspiel, auf einer Mannschaft ohne erkennbare Hierarchie. Die taktische Linie, sagt Pekerman, sei die gleiche wie bei allen seinen Vorgängern: "Eine starke Abwehr, dazu Stürmer, die Lücken reißen, und eine echte Nummer zehn als Organisator." Die "Zehn", das ist sein Lieblingsschüler Juan Roman Riquelme. Der Sohn eines Schuhputzers ist der Chef auf dem Platz, aber er gibt sich nicht so, er spielt meist gut, aber er spielt sich nicht auf.
Erst in der Provinz fand Riquelme Rückendeckung
Für Riquelme ist Pekerman ein Glücksfall. Nicht einmal der famose 3:1-Sieg der Argentinier in der WM-Qualifikation gegen Brasilien kurz vor dem Confederations Cup, als Riquelme zwei Tore vorbereitete, eines selbst erzielte und Argentinien damit frühzeitig zur Weltmeisterschaft schoß, sorgte für übertriebenen Jubel. Der brasilianische Trainer Parreira war danach der einzige, der Riquelme über alle Maßen lobte ("ein großer Künstler"), Pekerman nahm den Prestigesieg gewohnt bescheiden zur Kenntnis - wie Riquelme auch. Ein Künstler? Ja, aber einer, der nicht von sich aus strahlt, der den unsichtbaren Glanz der taktischen Brillanz braucht, mit der die Argentinier an guten Tagen spielen. Riquelme lebt auf dem Platz auch von der Unterstützung seines Trainers; seit Pekerman da ist, zeigen seine Leistungen steil nach oben. Daß er als kickender Popstar nicht taugt, hat sein mißlungenes Gastspiel beim FC Barcelona gezeigt, wo sie ihn vor zwei Jahren wegschickten. Erst in der spanischen Provinz, beim FC Villarreal, fand Riquelme die Rückendeckung, die er braucht, auf dem Platz und daneben.
Wenn die Argentinier in diesen Tagen in Deutschland trainieren, sich auf das Finale gegen Brasilien vorbereiten, haben die Zuschauer, sofern sie überhaupt vorgelassen werden, ihre liebe Mühe und Not, die Spieler zu identifizieren. Zanetti? Samuel? Teves, der die Argentinier mit acht Toren zum Olympiasieg in Athen schoß? Riquelme? Saviola, der nach seiner Roten Karte aus dem Spiel gegen Mexiko gesperrt ist? Da sind die wahren Experten gefragt, kreischende Mädels gibt es nicht, hier üben keine Popstars den glamourösen Umgang mit dem Ball, hier trainieren Fußballprofis "das reibungslose und zielstrebige Zusammenwirken aller Mannschaftsteile", wie Pekerman das organisatorische Grundrezept beschreibt, nach dem er Fußball spielen läßt.
Taktische Systeme hält er für zweitrangig, die letzte taktische Neuerung, pflegt er zu sagen, habe die holländische Schule vor dreißig Jahren kreiert. Nicht das System sei wichtig, so seine Überzeugung, sie ähnelten sich weitgehend, sondern die perfekte Vernetzung der Mannschaftsteile. Pekermans Stil ist der eines Architekten, am Reißbrett skizziert und auf dem Platz umgesetzt. Dem spektakulären, angriffslustigen Stil der Brasilianer setzt er einen nüchternen Plan entgegen. Er liebe mutigen Offensivfußball, sagt Pekerman. "Aber ich bin auch Realist genug, um das Ergebnis nicht aus den Augen zu verlieren."
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |