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Confed-Cup-Bilanz Ein Sieg auch für Südafrika

29.06.2009 ·  WM-Gastgeber Südafrika hat viele Sympathien gewonnen. Wer die Generalprobe für das Fußball-Weltspektakel 2010, miterlebt hat, ist von dieser bunten und lauten Zweiwochenshow fast täglich überrascht worden.

Von Roland Zorn, Johannesburg
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Alle reden vom Wetter. Auch der Bundestrainer. Joachim Löw, atmosphärisch noch nicht so recht auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika eingestimmt, flog am vergangenen Mittwoch für ein paar Tage nach Südafrika und begann auf seiner Inspektionstour rasch zu frieren. „So bitterkalt, wie es in Bloemfontein (dem Austragungsort des ersten Confederations-Cup-Halbfinales) war, das hat mich schon überrascht, das hatte ich nicht erwartet.“

Nun, da der Badener wieder daheim im sommerlichen Freiburg ist, weiß auch er, dass sich die Deutschen, falls überhaupt für die WM qualifiziert, im kommenden Jahr warm anziehen müssen. Erstmals seit 1978 in Argentinien findet eine WM wieder in der südlichen Hemisphäre statt, und dort ist um diese Zeit alle Jahre wieder Winter.

Eigentlich aber müssten die 32 Mannschaften, die dann zwischen dem 11. Juni und 11. Juli um den Weltpokal mitspielen, froh sein, dass sie nicht von vornherein ins Schwitzen kommen. Franz Beckenbauer, der deutsche Fußball-„Kaiser“, sagt aus Erfahrung voraus: „Die Spieler mögen das kühle Wetter. Für eine WM sind diese Bedingungen perfekt.“ Wer die am Sonntag mit dem Finale Brasilien gegen die Vereinigten Staaten (siehe: Confed-Cup-Finale: Lucio köpft Brasilien zum Titel) beendete vierzehntägige Generalprobe für das Weltspektakel miterlebt hat, ist von dieser bunten und lauten Zweiwochenshow fast täglich überrascht worden.

Unüberhörbar: der Lärm der Vuvuzelas

Alles war vielgesichtig, fast nichts eindimensional und wenig so wie gewohnt aus den Kapitalen der europäischen Fußball-Führungsnationen. Südafrika, dessen Mannschaft das Spiel um Platz drei gegen Spanien 2:3 nach Verlängerung verlor (siehe: 3:2 nach Verlängerung: Urlaubsreife Spanier schlagen Südafrika), war anders - auch an den Schauplätzen der Spiele, wo unüberhörbar der Lärm der Vuvuzelas dominierte. Diese hässliche Plastiktröte, die erst seit zehn Jahren zum Arsenal jedes aufrechten Fußballfans in der Kap-Republik gehört, hat die Gemüter beim Confederations Cup erhitzt (siehe: FAZ.NET-Übersteiger: Die Welt zu Gast bei Vuvuzela).

Bis zum WM-Beginn bleibt noch viel zu tun

Dass über die Frage, ob man das Folterinstrument verbieten sollte, überhaupt ernsthaft diskutiert wurde, bewies auch, wie vergleichsweise geräuschlos die eigentliche Probe aufs Exempel gelang. Südafrika hat, daran ließ allen voran Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), keinen Zweifel, den ersten, noch überschaubaren Härtetest als Organisator einer Fußball-Großveranstaltung bestanden. „Generell zufrieden“ sei er, ließ der Schweizer und selbsternannte Afrikaner aus dem Wallis kurz vor dem Endspiel zwischen Brasilien und den Vereinigten Staaten im Ellis-Park-Stadion wissen.

Doch es bleibt bis zum WM-Beginn in einem Jahr noch sehr viel zu tun. Wo von der maroden Bahn auch aus Sicherheitsgründen abgeraten wird, Schnellbusse noch im Depot stehen, weil die mächtige Taxifahrer-Lobby sie ausgebremst hat, und der Versuch, auf die Schnelle ein Park-and-ride-System zu installieren, im Großen und Ganzen fehlschlug, ließ der öffentliche Nahtransport sehr viele Wünsche offen.

Kein Hort der Idylle

Wo Sicherheitsgarantien an den WM-Schauplätzen nicht darüber hinwegtäuschen können, dass in Städten wie Johannesburg die Gefahr latent lauert und die erwarteten 450.000 WM-Touristen deshalb stets auf der Hut sein müssen, waren die Organisatoren diesmal schon froh, dass die gemeldeten Diebstähle im ägyptischen und brasilianischen Mannschaftsquartier eher in die Abteilung Kleinkriminalität einzustufen waren.

Dennoch: Ein Land, dessen Geschichte auch mit Blut geschrieben wurde und in dem fünfzig Morde pro Tag gezählt werden, muss sich nicht als Hort der Idylle darstellen. Der stellvertretende südafrikanische Sicherheitsminister schoss ein Eigentor, als er sagte: „In Südafrika gibt es keine No-go-Gebiete. Man kann überall hingehen.“ Na, dann viel Spaß in Johannesburger Problemvierteln wie Hillbrow, Joville oder Alexandra.

„Ein historischer Moment für Südafrika“

Kommod und weitgehend pannenfrei wie in Deutschland 2006 wird die Nachfolge-WM jedenfalls nicht; dafür eben aufregend afrikanisch. Schon der Confed-Cup hat gezeigt, wie der Fußball dazu beitragen könnte, die Regenbogennation mit elf Landessprachen ein bisschen enger als bisher zusammenzuführen. Irvin Khoza, der Präsident des lokalen WM-Organisationskomitees (LOC), schwärmte beim Anblick gemeinsam feiernder weißer und schwarzer Fußballfans: „Das war ein historischer Moment für Südafrika.“

Danny Jordaan, der LOC-Generalsekretär, schlug den politisch-gesellschaftlichen Bogen zwischen einer südafrikanischen Ikone und einer großen Hoffnung für die Zukunft: „Nelson Mandela hat ein Leben lang die Vision verfolgt, dass in diesem Land jeder Mensch als gleich angesehen wird. Wir wollen in eine vereinte Zukunft aufbrechen. Dazu braucht es Projekte, die die Nation verbinden. Das wird die Weltmeisterschaft schaffen.“

Geschenkaktion hat dem Confed-Cup gutgetan

Die Bilder, die während des Confed-Cups aus den WM-Arenen in Johannesburg, Pretoria, Rustenburg und Bloemfontein um die Welt gingen, nährten die Hoffnung darauf, dass der Sport neue Brücken schlage. Fußball für die Schwarzen, Rugby und Kricket für die Weißen, diese alte Segregationsformel aus den erst vor fünfzehn Jahren zu Ende gegangenen Apartheidszeiten gilt zumindest nicht mehr so eindeutig. Daraus die große integrative Wirkung einer WM auf ein ganzes Volk abzulesen, erscheint aber zu optimistisch. Wo 43 Prozent der Bevölkerung weniger als zwei Euro am Tag verdienen, ist noch viel mehr zu tun, um gesellschaftliche und soziale Kluften halbwegs erträglich zu überwinden.

70.000 Freikarten hat die Fifa den Armen im Land geschenkt, um mehr Zuschauer in die Confed-Cup-Stadien zu bringen - auch eine Werbemaßnahme, um mit Bildern aus vollen Arenen weltweit Eindruck zu machen. Die vom großen Südafrika-Promoter Blatter pragmatisch geforderte Geschenkaktion nach der enttäuschenden Resonanz zum Turnierbeginn hat dem Fluidum des Confederations Cups gutgetan.

Ein faszinierter Fifa-Präsident

Alle acht Teams haben sich bemüht, eine möglichst attraktive Visitenkarte abzugeben. Dabei heraus kam ein unterhaltsames Turnier der Erdteilmeister plus Weltmeister Italien plus Gastgeber Südafrika, bei dem niemand vor Überraschungen sicher war (siehe: Confed-Cup-Kommentar: Warnsignale für die Elite ). Der Fifa-Präsident war fasziniert - vor allem vom „Fair Play auf dem Platz und auf den Rängen“.

Ein Wettbewerb, der noch vor wenigen Jahren nicht ganz so ernst genommen wurde, hat sich in Südafrika als fester Bestandteil des internationalen Fußballkalenders etabliert. Gewonnen haben vor allem die Südafrikaner selbst. Sie werden gute Gastgeber einer ganz besonderen WM sein, die keiner vergleichenden Werbung bedarf. Jordaans Sicht der Dinge - „Wir werden die größte, beste und sicherste Weltmeisterschaft aller Zeiten erleben“ - klang fast anmaßend inmitten eines Vorbereitungsturniers, das Schwierigkeiten überwinden musste, um mit Hilfe der Fifa und ihres Präsidenten zu sich zu finden.

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