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Christoph Daum „Fußball kann eine Gesellschaft verändern“

 ·  Bei der Frankfurter Buchmesse ist die Türkei Ehrengast. Kaum einer im Sport kennt das Land so gut wie Christoph Daum. Er sieht die Türkei auf rasantem Weg in Richtung Westen. Der Fußball-Trainer und Türkei-Liebhaber im Gespräch bei FAZ.NET.

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Bei der Frankfurter Buchmesse ist die Türkei Ehrengast. Kaum einer im Sport kennt das Land so gut wie Christoph Daum. Er sieht die Türkei auf rasantem Weg in Richtung Westen.

Sie haben sich einmal als „halber Türke“ bezeichnet und sogar daran gedacht, die türkische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Was ist denn das Türkische an Ihnen?

Dadurch dass ich mehr als sechs Jahre in der Türkei gelebt habe und dadurch dass ich sehr viele türkische Mitbürger zu meinen engsten Freunden und Bekannten zähle, habe ich viele Verbindungen. Die traditionellen Feste feiere ich mit meinen türkischen Freunden, und wenn ich mit ihnen diskutiere, nehme ich viele Dinge in mein Denken, Fühlen und Handeln auf. Außerdem habe ich sehr großen Respekt vor den wissenschaftlichen und geistigen Leistungen der Türkei, die gemeinsam mit der arabischen Hochkultur bis ins Mittelalter führend war.

Was macht die Türkei für Sie aus?

Die Türkei ist ein Land, das sich in allen möglichen Bereichen mit einer riesigen Geschwindigkeit gen Westen bewegt. Am deutlichsten sichtbar wird das in der Infrastruktur, im Wachsen der großen Städte, aber auch im Denken und in der Einstellung eines Großteils der türkischen Bevölkerung. Je mehr man gen Westen kommt, umso aufgeschlossener und toleranter werden die Menschen. Aber auch im Osten treffen wir etwas Tolles an, nämlich eine unheimliche Herzlichkeit, Bodenständigkeit und Zusammenhalt in der Familie.

Viele Westeuropäer haben ein festes Bild von der Türkei: Istanbul erkennen sie als weltoffene Stadt an, doch die ländlichen Gebiete im Osten halten sie in vielerlei Hinsicht für rückständig. Greifen diese Vorstellungen zu kurz?

Wenn jemand behaupten würde, München sei weltoffen und der Bayerische Wald rückständig, würden alle aufschreien. Das Bild von der Türkei ist oft noch ein orientalisch-verklärtes, das so nicht mehr haltbar ist. Man muss nur sehen, was nach Ausrufung der türkischen Republik unter Mustafa Kemal Atatürk 1923 für eine Revolution erfolgt ist. 1928 wird von heute auf morgen eine Schriftsprache durch eine neue ersetzt, das Arabische durch das Lateinische. Von heute auf morgen wird eine Gleichstellung der Frau ausgerufen, die natürlich erstmal gelebt werden muss. Die Umwälzungen in der Türkei waren in dieser Zeit gigantisch.

Es bleibt aber immer noch die Frage der Menschenrechte.

Wie wird denn mit den Menschenrechten in den Vereinigten Staaten umgegangen? Wer spricht über Guantánamo? Ich will nichts schönreden, aber die Türkei hat in den letzten Jahren über siebentausend Reformen für den EU-Beitritt durchgebracht. Bis diese Dinge gelebt werden, braucht es aber eine gewisse Zeit. Aber die Bereitschaft der Türken ist da, deshalb müssen wir jetzt unseren Partner Türkei unterstützen. Sie hat den Einfluss des Militärs zurückgefahren und die Justiz umgestaltet – sie hat so viele Dinge gemacht, bei denen ich sagen muss: Das ist ein deutliches Signal der meisten Türken, dass sie sich dem Westen zugehörig fühlen.

Hat sich Ihr Bild von der Türkei geändert, seit Sie dort erstmals als Trainer gearbeitet haben?

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